GastbeitragWas wir uns von Digital Health versprechen können

Mit Smartwatches lässt sich zum Beispiel die Herzfrequenz messenrawpixel on Unsplash

Die Gesundheitsbranche befindet sich weltweit im Umbruch. Während internationale Tech-Giganten wie Google und Amazon bereits massiv in den Sektor investieren und zahlreiche Start-ups stetig an neuen Lösungen basteln, merkt der deutsche Verbraucher bisher noch recht wenig von der Digitalisierung. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass neue technologische Verfahren ungeahnte Potenziale erschließen könnten – beispielsweise wenn es darum geht, neue Heilungsmethoden zu finden oder Diagnosevorgänge zu verbessern. Dies ist im Hinblick auf die Lösung von gesundheitlichen Fragen und gleichzeitig auch aus wirtschaftlicher Perspektive interessant. Wie wird Technologie den Gesundheitsmarkt verändern? Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Entwicklungen innerhalb der Branche.

Gesundheit: KI und IoT zur Vorsorge

Es heißt, die Gesundheit des Menschen sei sein höchstes Gut. Damit er sich diese möglichst lange erhalten kann, stehen ihm dank des technischen Fortschritts verschiedenste Tracking-Devices zur Verfügung. Sogenannte Wearables, also am Körper tragbare Computer, unterstützen den Menschen bei der engmaschigen Überwachung seines Gesundheitszustands. Schon heute sind Produkte wie die Apple Watch hierfür beliebte Helfer. Mit zunehmender Technologisierung wird sich dieses Angebot verbreitern und Wearables etwa in Form von Sport-T-Shirts immer normaler werden.

Zweiter unterstützender Faktor sind Apps, die dabei helfen, den Gesundheitszustand zu beobachten und Überblick über vitale Funktionen zu erhalten. Längst nutzen eine Vielzahl von Menschen Gesundheitsfeatures wie zum Beispiel Schlaf-Monitoring-Angebote auf ihrem Smartphone. Im Laufe der Zeit werden diese zunehmend intelligenter und liefern immer genauere Resultate. Die Vernetzung von Wearables und externen Computern fällt in den Bereich Internet of Things (IoT): Indem beispielsweise die Apple Watch Daten an einen zweiten Computer weiterleitet, kann dieser Muster erkennen und Trends voraussagen. Mit all diesen Helfern hat der Mensch verbesserte Chancen, möglichst lange gesund zu bleiben – zumindest, was Aspekte wie Fitness und Ernährung betrifft. Im klinischen Sektor arbeiten Spezialisten darüber hinaus daran, mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) genauer voraussagen zu können, ob ein Mensch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit erkranken wird. Verbesserte Aussagen über genetische Risiken bedeuten im Umkehrschluss mehr Spielraum für Vorsorge – und somit ein geringeres Krankheitsrisiko.

Krankheit: Genauere Diagnosen mit mehr Daten

Ist der Mensch doch zum Patienten geworden, bietet die Medizin in Zukunft dank technischer Neuerungen voraussichtlich stark verbesserte Diagnosemethoden. Denn aufgrund der wachsenden Datenmenge können Mediziner immer genauere Aussagen über Krankheitsbilder treffen – und zwar mithilfe von KI. Wo sich kein menschliches Gehirn mehr zurechtfinden würde ob des immensen Überflusses von medizinischen Daten, können intelligente Maschinen – richtig programmiert und mit entsprechender Datengrundlage – zukünftig noch genauere Diagnosen stellen. Und das teils in Stadien, in denen der Mediziner noch keine Aussagen treffen könnte.

Denn während die Kapazitäten des menschlichen Erfassens begrenzt sind, wühlen sich Maschinen in einem Bruchteil der Zeit durch existierende Studien, Erkenntnisse, Diagnosen. Unter der Voraussetzung, dass genügend Vergleichsdaten vorhanden sind, kann eine KI so selbstständig auf entsprechende Krankheitsbilder schließen und somit zum zentralen Unterstützer des Arztes im Heilungsprozess werden. In der Krebsmedizin knüpfen Fachleute große Hoffnungen an derartige Prozesse, eröffnet KI doch ein neues Spektrum an Untersuchungs- und Analysemöglichkeiten von Tumoren. Somit könnte die Medizinbranche in Zukunft gleich in zweifacher Hinsicht von deren Einsatz profitieren: Zum einen dank exakterer Diagnosemethoden, zum anderen durch eine erhebliche Zeitersparnis bei der Untersuchung, die Negativentwicklungen wie Ärztemangel, steigende Patientenzahlen und Zeitdruck abfedern könnte.

Behandlung: Schnellere Forschung, bessere Überwachung

Ist die Diagnose gestellt, verspricht KI in Zukunft auch neue Behandlungsmethoden. Denn während medizinische Studien heute noch immens viel Zeit und Geld verschlucken und nicht selten trotzdem scheitern, kann KI den Forschungsprozess für neue Medikamente erheblich verkürzen. Auch hier vermag sie in einem Bruchteil der Zeit, die ein Mensch benötigen würde, Wirkstoffe auf ihren Heilungsnutzen zu untersuchen. Im Idealfall kann sie demnach, so die Hoffnung vieler Mediziner, passgenaue Behandlungsmethoden für den spezifischen Patienten ermitteln.

Ein weiterer positiver Effekt der Digitalisierung dürfte eine engmaschigere Überwachung von Patienten mittels IoT-Techniken sein: Vernetzte Geräte wie Wearables ermöglichen dem Arzt eine lückenlose Beobachtung auch aus der Ferne, da sie kontinuierlich Daten über die Vitalwerte des Patienten an eine zentrale Stelle senden. So können Ärzte schneller auf Unregelmäßigkeiten reagieren und Notfällen vorbeugen. Dies macht nicht nur im Krankenhaus Sinn, sondern kann auch für Patienten in entlegenen Gegenden von Vorteil sein, wo kein Arzt unmittelbar vor Ort ist. Zudem erweitert die Sammlung von Patientendaten wiederum den Pool, auf dessen Basis Ärzte und KI-gestützte Analysetools Diagnosen ableiten können. Zwar ist Datenspeicherung im medizinischen Bereich ein hochsensibles Thema und muss entsprechend gehandhabt werden – Vor- und Nachteile wollen jedoch sorgfältig abgewogen werden, wenn es um das Wohl von Patienten geht.

Alter: Hilfe durch IoT und Wearables

Im Alter ist die Gesundheitslage des Menschen in der Regel schlechter als in jungen Jahren. Wenn die gesundheitlichen Probleme zunehmen, dürften in Zukunft jedoch technologische Neuerungen neue Möglichkeiten eröffnen, eine umfassende Pflege zu gewährleisten. Hier kommen wiederum IoT-Systeme ins Spiel: Im Haus von Senioren installierte Sensoren könnten Angehörigen beispielsweise einen Sturz direkt melden, sodass Hilfe schnell vor Ort ist. Bei chronischen Erkrankungen können Wearables Werte wie Blutzucker, Blutdruck oder Temperatur kontinuierlich überwachen und so eine ärztliche Betreuung auch aus der Ferne ermöglichen. Und zu guter Letzt schaffen intelligente Sprachassistenten und Roboter langfristig Voraussetzungen, eine umfassendere Pflege zu gewährleisten.

Die Zukunft ist digital

Es zeigt sich, dass die Digitalisierung an vielen Punkten Potenzial bietet, Prozesse zu verbessern und medizinische Behandlungsmethoden entscheidend weiterzuentwickeln. Nicht umsonst arbeiten Experten weltweit mit Hochdruck an neuen Lösungen für medizinische Probleme. Bis diese flächendeckend beim Patienten ankommen, bedarf es noch einiger Optimierung, aber auch Aufklärung. Doch langfristig werden medizinische Einrichtungen und Pharmaunternehmen nicht umhin kommen, die Technologisierung als enorme Chance zu begreifen und zu nutzen – nur so können sie ihren Patienten und Kunden eine an moderne Standards angepasste Versorgung bieten und dazu beitragen, die Medizin auf die nächste Ebene zu heben.