KommentarTeslas Weckruf an ein verzagtes Land: Macht was, plant die Zukunft!

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Kampfansage, Mahnmal, Weckruf

Man stellt sich nun vor, wie auf dem Gelände, wo Teslas Fabrik entstehen soll, in Kürze Kammmolche, Gelbbauchunken, Wachtelkönige entdeckt werden. Vielleicht gibt es sogar eine Bürgerinitiative, die gegen den Bau ist. Die Parkhäuser des nicht eröffneten Flughafens unweit von Teslas Grundstück sind ironischerweise zum Friedhof für jene Dieselautos geworden, die Volkswagen aus dem Verkehr ziehen musste.

Das alles mag defätistisch klingen, zu übel gelaunt. Mein Punkt ist: Selbst wenn diese Gigafabrik ein Traumschloss ist, so ist sie zumindest ein Schloss. Sie ist, obschon noch eine Ankündigung, ein Symbol, eine Kampfansage, ein Mahnmal, ein Weckruf: Macht was! Baut was! Plant die Zukunft!

Wir arbeiten stattdessen lieber Koalitionsverträge ab, die ihre Macher als Mühlsteine empfinden. Wir rätseln über mögliche Rezessionen, und warten erst mal auf neue SPD-Vorsitzende, bevor wir etwas gegen den Abschwung tun. Wir verplanen Milliarden nicht für neue Fabriken, sondern für neue Wohltaten.

… und immer wieder gewinnt die SPD

Bei der Grundrente bin ich übrigens zwiegespalten: Ich finde es nachvollziehbar, dass jemand, der 35 Jahre gearbeitet hat, mehr erhalten sollen als jemand, der Sozialhilfe bekommt. Die Politik schafft bloß immer eine paradoxe Situation, weil sie mit der Behebung einer Ungerechtigkeit viele neue schafft. Die „Nachbesserung“ zur Grundrente wird kommen, das ist sicher.

Den Streit um die Bedürftigkeitsprüfung habe ich nicht verstanden. Die SPD, die sonst bei jeder Maßnahme sofort mit einer Zahnarztgattin aus dem Grunewald kommt, die auf keinen Fall profitieren darf, scheint hier merkwürdig kompromisslos. Zukunftskapital baut sie mit ihrem Sieg nicht auf, während die CDU weiter ausgezehrt ist vom Kampf um den Machterhalt. Es ist paradox: Man kann die Erfolge der SPD in dieser Legislaturperiode leicht aufzählen. Man erinnert sich aber kaum an einen der CDU, wo sie mal wirklich etwas gegen die SPD durchgesetzt hätte – zum Beispiel eine Reform der Unternehmenssteuer. Gewinnen tut am Ende keine von beiden.

Schauen wir also lieber vor die Tore Berlins. Selbst wenn Musks kühne Pläne ein Hirngespinst bleiben oder in der Form nicht realisiert werden, man freut sich allein über die Nachricht, dass eine große Fabrik in Deutschland gebaut wird.