Junge EliteSilvan Wagenknecht - nur noch kurz Europa retten

Silvan Wagenknecht, 19, ist Initiator von Pulse of Europe Berlin.
Silvan Wagenknecht, 19, ist Initiator von Pulse of Europe Berlin.Juliane Stange / ars publica Marketing GmbH/ apmarketing.de

Mittlerweile ist der angehende Mediengestalter 19 Jahre alt und Mitglied der Jungen Elite von Capital.

Capital: Silvan, du macht eine Ausbildung zum Mediengestalter an der Ostsee. Trotzdem bist du fast jedes Wochenende in Berlin und arbeitest ehrenamtlich im Organisationsteam von „Pulse of Europe“. Warum ist dir dieses Engagement so wichtig?

Silvan Wagenknecht: Weil ich Europa nicht den Nationalisten überlassen will. Die Pro-Europäer müssen auch endlich wieder gehört werden. „Pulse of Europe“ macht das möglich.

Was tut „Pulse of Europe“ gegen eben diesen Nationalismus?

Wir verschaffen denen Gehör, die an die europäische Idee glauben und die das Europa, das uns so viel ermöglicht, nicht aufgeben wollen.

Was ermöglicht dir Europa?

Europa bietet viele Freiheiten: Reisefreiheit, Pressefreiheit, eine unabhängige Justiz, aber auch Frieden zwischen Staaten, die vor noch nicht all zu langer Zeit noch die Waffen gegeneinander erhoben haben.

Deshalb hast du in Berlin die „Pulse of Europe“ Kundgebungen mit organisiert. Wäre eine Online-Kampagne nicht eine entspanntere Alternative gewesen – bei der weniger Zeit fürs Pendeln drauf geht?

Das ist nicht meine Art des zivilen Engagements. Für mich persönlich reichen Twitter und Facebook nicht aus. Ich hatte das Bedürfnis, für die europäische Idee aufzustehen, die Unterstützer sichtbar zu machen. Das geht auf der Straße besser als im Internet.

Wie hast du das neben deiner Ausbildung überhaupt geschafft?

Es war sehr anstrengend, das gebe ich zu. Mein Feierabend bestand aus Telefonaten, dem Schreiben von Pressemitteilungen, der Suche nach Impulsgebern für unsere Veranstaltungen. Einmal habe ich mich nachts in eine Studie eingelesen, um am nächsten Morgen ein Interview dazu geben zu können. In der Anfangszeit endete mein Tag mal um zehn Uhr nachts, manchmal erst um eins.

Dazu kamen noch die Wochenenden…

Genau, ich bin dann immer nach Berlin gependelt und habe bei Freunden übernachtet.

Du bist auch bei den Jusos. Wäre es nicht einfacher für dich, sich da in einem Ortsverband auf Rügen zu engagieren?

Das Engagement in einer Bürgerinitiative ist nicht wirklich mit dem in einer Partei vergleichbar. Bei „Pulse of Europe“ kann ich schneller etwas verändern – indem ich Demonstrationen organisiere kann ich die Gesellschaft in eine proeuropäische Richtung lenken. Bürgerinitiativen sind niedrigschwelliger. In Parteien ist das ein viel weiterer, eingestaubter Weg. Ich war zudem erst bei „Pulse of Europe“ und bin dann vor ein paar Monaten noch Mitglied bei den Jusos geworden.

Gab es einen Anlass?

Das Engagement für „Pulse of Europe“ hat mich weiter politisiert. Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland eine starke proeuropäische Partei brauchen und da kommt für mich am ehesten die SPD in Frage.

Hat sich durch dein Engagement für „Pulse of Europe“ auch deine berufliche Zukunftsperspektive verändert?

Ich möchte meine Ausbildung zum Mediengestalter auf jeden Fall beenden. Aber danach will ich nach Berlin ziehen und sehen wie ich das, was ich gelernt habe mit Politik verbinden kann. Parteien, Vereine, Initiativen brauchen ja alle einen guten Außenauftritt.

Und wie geht es mit „Pulse of Europe“ weiter?

Seit Sonntag (25.2.) demonstrieren wir wieder. Schließlich steht ja wieder eine Wahl in einem europäischen Land bevor – in Italien geht es jetzt auch um einen pro- oder antieuropäischen Kurs.

Ihr werdet also wie im letzten Jahr immer sonntags zu Kundgebungen aufrufen?

Es wird vermutlich nicht mehr so regelmäßig sein wie im letzten Jahr. Wir arbeiten an neuen Konzepten, wie Bürgerparlamenten, wo die Ideen der Teilnehmer auch tatsächlich an Mandatsträger weitergegeben werden. Der Bürgerdialog zu Europa steht für uns im Mittelpunkt.

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