FondsGermany's next Super-Anlage

In Schwellenländerfonds stecken manche Überraschungen für Anleger

Haben Sie heute schon eine gute Story gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit. Denn fragt man heutzutage nach der Strategie, die den größten Erfolg im Wirtschaftsleben verspricht, dann ist es völlig egal, wen man fragt – alle antworten alle dasselbe: „Es kommt auf eine gute Story an. Die Story muss stimmen.“ Als Journalist erzählt man ohnehin gern gute Geschichten, aber auch Vorstände, Marketingexperten, Autovertriebe und selbst Personalberater erzählen heute unentwegt solche Storys, mit denen sie alle möglichen Produkte verkaufen wollen. Anlageberater natürlich erst recht. Denn wann investiert ein Kunde sein Geld? Genau, wenn es zu der Firma, dem Wertpapier oder der Branche, in das er sein Kapital steckt, eine überzeugende Geschichte gibt, die darauf hoffen lässt, ein großes künftiges Talent entdeckt zu haben. Beliebte Shows nach dem Strickmuster von „Germany’s next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ funktionieren letztlich nach demselben Prinzip.

Und die Storys klingen dann ungefähr so: Bitcoin? Das Zahlungsmittel der Zukunft! Technologieaktien? Profitieren enorm vom Digitalisierungshype und der Industrie 4.0! Inflationsgeschützte Anleihen? Die beste Vorsorge für den Fall, dass die Teuerungsrate doch bald klettert! Mit allen diesen Geschichten werden Wetten auf die Zukunft verkauft, die sich dann entweder bewahrheiten – oder eben nicht.

Auch die Geschichte der Emerging Markets fällt in diese Kategorie und ihre Geschichte geht so: Wir freuen uns zwar derzeit über das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft und über die brummende Weltkonjunktur generell. Aber seien wir mal ehrlich, das Wachstum hierzulande ist längst nicht mehr das, was es mal war. Die großen Volkswirtschaften schwächeln und bringen Jahr für Jahr weniger Wachstum auf den Weltmarkt als in früheren Jahrzehnten. Ein Prozent Wachstum, zwei Prozent vielleicht sogar, das sind bereits Zahlen, über die man hierzulande frohlockt. Aber wie lange wird es noch so weitergehen? Zumal die Bevölkerung ja immer älter wird und demnächst die üppige Generation der Babyboomer aus dem Berufsleben ausscheidet und ihnen dann ein viel kleineres Heer an Pillenknick-Kindern gegenüber steht, das diese Quoten noch aufrecht erhalten muss, aber es vielleicht gar nicht mehr kann?

Eben, wer sich echtes Wachstum erhofft, der sollte in Volkswirtschaften schauen, deren Potenzial noch längst nicht so ausgereizt ist wie unseres und die noch die boomenden Jahre vor sich haben. Der muss nach Asien schauen und nach Südamerika vor allem. Indien ist dafür auch nicht schlecht. Aus diesen aufstrebenden Märkten wird künftig das große Wachstum kommen. Das war bisher das gängige Verkaufsargument.

Viel Geld und viel Hoffnung

Und es zieht gewaltig: Rund 310 Mrd. Euro haben hiesige Anleger insgesamt in globale Schwellenländerfonds gesteckt, ob aktive oder passive. Allein dieses Jahr kamen bis Ende Oktober rund 20 Mrd. Euro neue Mittel dazu. Es fließt also gigantisch viel Geld in diese Investmentstory. Und viel Hoffnung.

Aber stimmt die Geschichte überhaupt? Oder anders herum gefragt: Was bekommen Anleger eigentlich, wenn sie auf solche Produkte setzen und was steckt in solchen Fonds genau drin? Indexfonds aus diesem Bereich warfen zuletzt rund vier Prozent Rendite pro Jahr auf Sicht von fünf Jahren ab, das war ordentlich, aber nun auch wieder nicht gigantisch. Woran also hängen hier die Hoffnungen der Investoren? Sind es noch dieselben Firmen, Branchen und Länder, wie vor einigen Jahren, als die Idee der Emerging Markets Fahrt aufnahm – oder haben sich die Zusammensetzungen nicht längst stark geändert, weil sich das Abbild des breiten Marktes naturgegeben ändert, wenn einige Firmen größer werden und andere kleiner. Weil einige Branchen plötzlich die Führung übernehmen und andere zurückfallen. Obwohl doch die Investmentstory der Verkäufer noch immer dieselbe ist.

Natürlich kann man jetzt antworten: Ist mir doch egal, wo die Rendite herkommt, Hauptsache die Schwellenländer wachsen. Das tun sie vermutlich auch weiterhin, so zumindest die Prognosen der allermeisten Analysten: Das Wachstum ist gut, der Handel wächst, die Inflation hält sich in vielen Ländern im Zaum und die Verschuldung haben etliche Länder auch stark abgebaut. Die Grundvoraussetzungen für die Emerging Markets sind daher gut. Falls also nicht gerade eine neue Weltfinanzkrise daherkommt, müsste es erst einmal weiter aufwärts gehen.