LichtkonzernOsram - Chronik eines Managementversagens

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Mittwoch, 07.11.2018

Auf dem Capital Markets Day präsentiert Osram viele bunte Folien über die „tiefe Transformation“ des Konzerns. Man sieht überall nur grüne Haken, wenn es um die strategischen Ziele geht. Also alles paletti. In den letzten vier Jahren hat sich Osram an fünf Unternehmen beteiligt und neun ganz übernommen.

Dienstag, 27.11.2018

Bloomberg meldet das Interesse von Bain Capital an einer vollständigen Übernahme von Osram. Die Private-Equity-Investoren lockt das hohe Eigenkapital. Man prüft die Bücher. „Seit dieser Nachricht geht bei uns die Panik um“, sagt Manager Huber.

Mittwoch, 05.12.2018

Der Osram-Vorstand streicht nun auch offiziell die vor drei Jahren beschlossenen Langfristziele. Bis 2020 wollte der Konzern seinen Umsatz auf 5,0 bis 5,5 Mrd. Euro steigern und den Vorsteuergewinn auf 1 Mrd. Euro hieven. Davon kann keine Rede mehr sein. Auch die Pläne für das große Werk in Malaysia surren zusammen. Es bleibt vorerst bei der ersten Ausbaustufe für 370 Mio. Euro.

Montag 17.12.2018

„Osram macht Autoschlüssel überflüssig: Entriegelung via Iris Scan“, verkündet die Presseabteilung.

Dienstag, 18.12.2018

Ein Osram-Mitarbeiter schreibt im Internet: „Eine klare Richtung ist für die Mitarbeiter nicht erkennbar.“

Donnerstag, 10.01.2019

Berlien spricht in einem Interview von „dunklen Wolken für 2019“. Die Aktie fällt um fast acht Prozent. Die Worte des Osram-Chefs seien nichts anderes als eine „verkappte Gewinnwarnung“, vermutet an diesem Tag ein Frankfurter Börsenhändler.

Mittwoch, 16.01.2019

Osram verkauft die Servicesparte in den USA mit 220 Mitarbeitern und gut 100 Mio. Dollar Umsatz. Sie passe nicht mehr in die neue Rolle als „Photonik-Champion“.

Donnerstag, 24.01.2019

Osram streicht 300 Arbeitsplätze in Regensburg. 200 Zeitarbeiter müssen auch gehen. Die Umsätze im bisherigen Vorzeigebereich Halbleiter sind zuletzt um fast 17 Prozent eingebrochen. Die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Regensburg, Olga Redda, erklärt: „Falsche Markteinschätzungen und nicht abgesicherte Produktentwicklungen des Managements haben das Unternehmen in schwieriges Fahrwasser gebracht.“

Donnerstag, 07.02.2019

Der Aktienexperte Peter Olofsen vom Analysehaus Kepler Cheuvreux schreibt, bei Osram sei die „Berechenbarkeit der weiteren Geschäftsentwicklung gering“.

Mittwoch, 20.03.2019

Ein Mitarbeiter postet im Netz: „Ich bin mindestens 80 Prozent nur mit internen Prozessen und Diskussionen beschäftigt. Es fehlt an Speed.“