LichtkonzernOsram - Chronik eines Managementversagens

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Mittwoch, 23.05.2018

Ein Osram-Mitarbeiter postet im Internet: „Es könnte schlechter sein, aber auch deutlich besser.“

Mittwoch, 20.06.2018

Finanzvorstand Bank lobt sich auf einem Kongress: „In diesem Bereich hat man den großen Vorteil, Entwicklungen im Unternehmen schon sehr viel früher als in anderen Bereichen zu sehen.“

Donnerstag, 28.06.2018

Osram gibt die zweite Gewinnwarnung heraus. Schuld seien „Planungsrisiken bei den Autoherstellern“ und die Verschiebung von wichtigen Projekten bei anderen Kunden. Der Gewinn vor Steuern soll jetzt nur noch bei „570 bis 600 Mio. Euro“ liegen statt bei 640 Mio. Euro, wie vor zwei Monaten prognostiziert. Berlien sagt zur Autoindustrie, die allein für die Hälfte des Umsatzes sorgt: „Ich bin sicher, dass das normale Wachstum zurückkommen wird.“ Osram will nun sparen und seine „Werkslandschaft“ umbauen. Huber sagt: „Das war die Zeit, als bei uns die Kekse vom Konferenztisch verschwanden. Aber das große Geld floss weiter in unzählige Projekte.“

Dienstag, 03.07.2018

Das neue Joint Venture von Osram und Continental nimmt die Arbeit auf. 1500 Mitarbeiter an 15 Standorten müssen zusammenfinden. Für einige ist es die dritte Reorganisation in drei Jahren. Immer wieder schneidet Osram Abteilungen „in der Mitte durch“, räumt Berlien ein.

Dienstag, 31.07.2018

Osram stellt die Sparte für Gebäudebeleuchtung zum Verkauf, die erst seit sieben Jahren zum Konzern gehört. Es geht um ein Zehntel des Gesamtumsatzes, 400 Mio. Euro. Der Bereich schafft seit längerer Zeit nur noch schwer schwarze Zahlen, die Konkurrenz ist stark. 1600 Mitarbeiter sollen den Konzern verlassen.

Mittwoch, 01.08.2018

Finanzvorstand Bank setzt noch eine Sparrunde durch. Bis 2020 sollen die Kosten um gut 130 Mio. Euro sinken. 600 weitere Arbeitsplätze fallen weg.

Sonntag, 16.09.2018

In einem Zeitungsinterview wünscht sich Berlien „einen Ankeraktionär, der wirklich ankert und uns länger begleitet“. Einige Beobachter interpretieren das als die Bitte um Übernahme. Der Osram-Manager Huber sagt: „Damals war die Sehnsucht nach der alten Zeit im Siemens-Konzern plötzlich wieder riesengroß.“

Sonntag, 30.09.2018

Zum Bilanzstichtag meldet Osram 96 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und 27 Produktionsstandorte in aller Welt. Für einen Konzern mit 4 Mrd. Euro Umsatz ist das viel.

Donnerstag, 11.10.2018

Finanzvorstand Bank erwidert Kritikern, der Konzern stecke „mitten in der Transformation“. Darunter leide auch die Genauigkeit der Planungen.

Donnerstag, 01.11.2018

Ein Osram-Mitarbeiter postet im Internet unter der Überschrift: „Zu wenig Fokus, zu viele Projekte“ eine scharfe, aber sachliche Kritik an den Zuständen im Unternehmen: Die Atmosphäre sei grundsätzlich angenehm. Aber die „regelmäßige Änderung von Prioritäten, Zielvorgaben, Projektinhalten sowie der hochfrequente Start neuer paralleler Projekte“ nähre den „Zynismus überall“.

Dienstag, 06.11.2018

Der Aufsichtsrat segnet die Einführung einer neuen Konzernorganisation mit drei Bereichen ab. Man gruppiert Abteilungen um, löst andere aus ihrem Umfeld heraus und beschließt einen weiteren Teilverkauf. Für die Autoindustrie ist jetzt eine eigene Sparte zuständig, die auch das Joint Venture mit Continental verwaltet. Im Geschäftsbericht 2017/18 heißt es: „Die Erweiterung bzw. steigende Komplexität des Konzernportfolios erschwert die Realisierung von geplanten Synergien.“