LichtkonzernOsram - Chronik eines Managementversagens

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Montag, 30.10.2017

Osram-Chef Berlien bei Papst Franziskus
Osram-Chef Berlien bei Papst Franziskus (Foto: Osram)

Im makellosen, eng geschnittenen blauen Anzug ohne jede Knitterfalte begibt sich Olaf Berlien mit einem breiten Lächeln zur Privataudienz bei Papst Franziskus. Osram liefert die neue LED-Technik für die Beleuchtung der Basilika im Petersdom.

Mittwoch, 01.11.2017

Der Konzern beteiligt sich innerhalb von nur zwei Monaten an drei Unternehmen. Das Geld fließt in den Einzelhandel, Spezialtechnik für autonome Fahrzeuge und sogar eine Empfehlungsplattform für Patente.

Montag, 06.11.2017

„Osram legt mit starkem Geschäftsjahr die Basis für weiteres Wachstum“, verkündet der Konzern. Die Dividende steigt um zehn Prozent. 2018 soll der Umsatz um 5,5 bis 7,5 Prozent und der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen auf 700 Mio. Euro wachsen. Vorstandschef Berlien strahlt bei der Präsentation der Zahlen. Ein Mitarbeiter von Osram postet zufällig am gleichen Tag auf der Internetplattform Kununu seine Sicht der Dinge: „Sinnloser Aktionismus in nahezu allen Bereichen.“

Donnerstag, 23.11.2017

Berlien eröffnet das neue Halbleiterwerk im malaysischen Kulim. Im klimatisierten weißen Festzelt gibt sich der Handelsminister des Landes die Ehre, Tänzer und Trommler treten auf. In seiner Rede verspricht der CEO eine „Traummarge von 28 Prozent“ im Halbleitergeschäft. Osram-Manager Huber verfolgt die Sause aus der Ferne und fragt sich: „Sind wir nicht zu spät dran? Man konnte damals schon die ersten Anzeichen sehen, dass die Preise fallen.“

Donnerstag, 11.01.2018

Mit seiner schwarzen Hipsterbrille, Jeans und Rauten-Strickjacke passt Berlien auf der hippen CES-Messe in Las Vegas perfekt zum Publikum. Dabei gehört Unterhaltungselektronik gar nicht zu den wichtigsten Konzernbereichen, von seinem Endkundengeschäft mit Glühlampen hat er sich gerade final verabschiedet. An großen Worten fehlt es aber, wieder mal, nicht: „Wir erfinden das Licht neu“, verkündet der Osram-Chef auf der Messe per Video: „Wir sind ein Schlüsselinnovator der Autoindustrie, und wir sind hier, um mit unseren Erfahrungen in der virtuellen Realität Eindruck zu hinterlassen.“

Mittwoch, 31.01.2018

Berlien schwärmt in einem Interview von „frei denkenden Bereichen ohne festes Budget und ohne Businessplan“ in der Forschung und Entwicklung. Der Osram-Manager Huber erlebt das anders: „Kaum war ein Projekt angelaufen, mussten wir schon wieder sparen, weil das Geld für andere Entwicklungen gebraucht wurde.“

Mittwoch, 07.02.2018

Das „Handelsblatt“ meldet: „Der schwache Dollar bremst den Lichttechnikkonzern Osram aus.“ Finanzchef Bank verkündet sinkende Umsätze und Gewinne im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres, das von Oktober bis September läuft. Die Planungen für das ganze Jahr seien „ambitioniert“, man werde sich „am unteren Rand“ der Prognosen bewegen. Eine Gewinnwarnung aber will er nicht abgeben. Osram fakturiert die Hälfte seiner Umsätze in Dollar – und hat sich nicht genügend abgesichert. Osram-Manager Huber erinnert sich: „Wir haben in meiner Abteilung gesagt: ,Den budgetierten Jahresumsatz werden wir beim besten Willen nicht erreichen.‘ Aber das wollte niemand von unseren Chefs hören.“

Sonntag, 18.02.2018

In München plant Osram ein Gewächshaus mit neuartiger Lichttechnik, das einen Supermarkt in der Stadt mit frischen Kräutern beliefern soll. „Ist das wirklich ein Geschäftsmodell?“, fragt ein Reporter. „Ja, in Kanada und in den USA wird das gerade beim Anbau von legalisiertem Marihuana ausprobiert“, antwortet Berlien.

Donnerstag, 15.03.2018

Aldo Kamper, der Chef der wichtigsten Osram-Sparte, kündigt seinen Job. Der Niederländer galt als „Mastermind“ des Halbleitergeschäfts, als „profiliertester Manager“ des gesamten Konzerns. Seit 1994 für Osram tätig, kennt er jedes technische Detail aus dem Effeff.

Montag, 19.03.2018

Osram kündigt die Übernahme eines LED-Spezialisten im Sauerland an – der Start einer langen Kette von ganz unterschiedlichen Unternehmenskäufen. Es folgen eine amerikanische Firma für Smart Farming, ein kanadischer Spezialist für künstliche Intelligenz in Gewächshäusern, ein US-Softwareentwickler für dreidimensionale Gesichtserkennungen.

Dienstag, 24.04.2018

Osram gibt eine offizielle Gewinnwarnung heraus. Man erwartet noch einen Gewinn vor Steuern von 640 statt von 700 Mio. Euro. Schuld sei die „verhaltene Geschäftsentwicklung“.