KommentarTeslas Weckruf an ein verzagtes Land: Macht was, plant die Zukunft!

Hier soll Teslas Gigafactory hin: Grünheide in Brandenburg
Hier soll Teslas Gigafactory hin: Grünheide in BrandenburgGetty Images

Zwei Signale gingen in den vergangenen Tagen von diesem Land aus, und sie können gegensätzlicher nicht sein: Tesla-Chef Elon Musk hat angekündigt, eine „Gigafabrik“ für Batteriezellen und das SUV-Modell Y in Brandenburg zu bauen.

Es ist eine Fanfare der Zukunft, die uns alle überrascht, ja fast überfahren hat, weil das Land seine Energie gerade in einen Komplex namens Bedürftigkeitsprüfung steckte. Diese Fabrik soll einmal stehen vor den Toren einer Stadt, die immer unfähiger wird, die Zukunft zu planen. Derweil hat die Bundesregierung gerade eine Grundrente beschlossen, und feiert dies als Erfolg, der sich aber nicht so recht als Erfolg anfühlt. Weil zwei Parteien sie beschlossen haben, die Angst um ihre eigene Zukunft haben, um ihre Zukunft ringen.

Man muss man natürlich vorsichtig sein: Elon Musk ist seit jeher der Meister großer Ankündigungen –und noch ist unklar, ob Tesla auf Dauer über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt und sich gegen BMW und Daimler behaupten kann. Die schlimmste Phase allerdings, als Musk im vergangenen Jahr in Interviews einen Joint rauchte, Analysten anschrie und wirre Tweets absetzte, scheint vorbei. Die Stückzahlen steigen, die Kosten sinken, in einem Quartal gab es sogar einen Gewinn.

Teslas irrer Ritt

Was manchmal zählt, ist auch einfach das Energiefeld, das einer wie Musk erzeugt. Talulah Riley, die Musk dreimal heiratete, sagte dem Musk-Biografen Ashlee Vance: „Ich weiß noch, wie er sagte: ,Mit mir zusammen zu sein, bedeutet den harten Weg zu wählen.‘ Es ist ziemlich hart mit ihm, ein irrer Ritt.“

Das gilt auch für Tesla. Der Aufstieg dieses Unternehmens ist ein irrer Ritt. Voller Unerbittlichkeit, Leidenschaft, Höhenflüge, Abgründe. Das Erbe aber können wir schon bestaunen: Musk hat mit Space X nicht nur die Raumfahrt revolutioniert – und ein funktionierendes Unternehmen aufgebaut – er hat mit Tesla schon jetzt die Elektromobilität entscheidend verändert.

Und Deutschland? Hier fand wenige Tage zuvor in eben jener Stadt, in deren Nähe die Gigafactory entstehen soll, ein „Autogipfel“ zur Elektromobilität statt – eines jener Treffen, bei denen man sich meist darüber unterhält, was man nicht erreicht hat. Man spricht über Quoten, die Illusion sind und über Infrastruktur, die fehlt. Immerhin: Die deutschen Autohersteller haben in den vergangenen Monaten respektable Modelle auf den Markt gebracht, die Schalter sind umgelegt. Aber auch hier hat man oft den Eindruck, dass wir eine Zukunft planen, an die wir nicht wirklich glauben. (Und einige Zweifel sind ja auch angebracht – viele Experten sagen, dass Elektromobilität allein nicht die Lösung sein wird und wir zu einseitig auf eine Technologie setzen.)