NetzwerkJobsuche in der Corona-Krise: So findet man die besten Kontakte

Kontakte sind das A und O bei der Jobsuche. Und auch in der Corona-Krise müssen sie gepflegt werdenimago images / Shotshop

Netzwerker sind in der Corona-Krise klar im Vorteil. Studien zeigen immer wieder: Persönliche Kontakte sind der beste Weg, um eine neue Stelle zu finden. 2017 hat eine Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit ergeben: Jede dritte Neueinstellung (32 Prozent) hierzulande kommt über Kontakte zustande Ausschreibungen auf Online-Jobbörsen waren demnach für lediglich 21 Prozent der Neueinstellungen verantwortlich.

Jobsuche per Netzwerk

Ebenfalls kein Geheimnis ist es, dass bei der Jobsuche flüchtige Bekannte wertvoller sind als enge Freunde. Der US-amerikanische Soziologe Mark Granovetter hat bereits 1973 den Wert dieser „schwachen Beziehungen“ beschrieben. Personalexperte Claudio Fernández-Aráoz stimmt jetzt in einem Beitrag für die „Harvard Business Review“ zu. „Meiner Ansicht nach sind diese Beziehungen in wahrhaft schweren Zeiten wie diesen die einzige Strategie bei der Jobsuche, die zu einer wirklich guten Anstellung führt“, schreibt der Executive Fellow der Harvard Business School.

Aber wie soll man wissen, welche der vielen Zufallsbekanntschaften oder Ex-Kollegen man am besten kontaktiert? Fernández-Aráoz, ehemaliger Partner beim Beratungsunternehmen Egon Zehnder, rät zu einem systematischen Vorgehen. Er gibt diese Tipps.

#1 100 Kontakte auflisten

Die Sache mit den schwachen Kontakten hat einen Haken. Schließlich sind sie gerade deshalb so unverbindlich, weil man wenig über die Person weiß. Fernández-Aráoz rät Jobsuchenden in der Corona-Krise, auf die Macht der Masse zu setzen und zunächst eine Liste mit 100 „schwachen“ Kontaktpersonen zu erstellen. „Ja, 100!“, bekräftigt der Experte. Dazu gehörten unter anderem Ex-Chefs, Kollegen, Professoren, Berater, Anwälte, Zulieferer, Klienten – vorzugsweise in Branchen mit Wachstumspotenzial, in denen man gerne arbeiten wolle. „Sie werden einige unerwartete Namen hinzufügen, darunter einige wirklich tolle“, prognostiziert der Autor.

#2 Kontakte für die Jobsuche bewerten

Manche der Kandidaten könnten direkt der neue Arbeitgeber werden. Andere fungieren womöglich als Vermittler. Fernández-Aráoz rät im nächsten Schritt, die umfangreiche Sammlung zu strukturieren und in eine Rangliste zu verwandeln. Die 100 Kandidaten werden basierend auf zwei Überlegungen sortiert: wie gute Jobaussichten können sie bieten (aufgrund ihrer Firma, Position und ihren Beziehungen) und wie hilfsbereit sind sie Ihnen gegenüber (Qualität der Beziehung).

#3 Spitzenkontakt aufheben

Erst jetzt geht es daran, das Netzwerk zu aktivieren. Fernández-Aráoz empfiehlt, nicht sofort mit dem Spitzenreiter der Liste zu beginnen. „Sie werden am Anfang nervös, angespannt, sogar schüchtern sein und Sie werden Fehler machen“, erklärt der Experte. Deshalb sei es empfehlenswert, zunächst im Gespräch mit niedriger bewerteten Kontakten Selbstbewusstsein zu tanken. Zu viel Zeit dürfen sich Jobsuchende beim Netzwerken laut Fernández-Aráoz nicht lassen. „Decken Sie die Top 30 schnell ab, idealerweise innerhalb von höchstens ein bis zwei Wochen“, rät er.

#4 Kontakte überzeugen

Der Experte empfiehlt bei der Kontaktaufnahme das Telefonat. „Jedes Gespräch wird abhängig von der Person unterschiedlich sein“, gibt er zu bedenken. „Aber seien sie mit jedem Gesprächspartner offen, was den Grund des Anrufs angeht, welche Art von Position Sie suchen und was Sie zu bieten haben. Menschen, die beruflich mit Ihnen gute Erfahrungen gemacht haben, werden Ihnen vermutlich helfen wollen. Aber das können sie nicht, wenn Ihr Bedarf und Ihre Pläne unklar sind.“

#5 Ein Ende finden

Bei dieser Art der Jobsuche lauern laut dem Autor zwei Fehlerquellen: „Aktivieren Sie zu wenige Kontakte, finden Sie möglicherweise keine offenen Stellen. Kontaktieren Sie zu viele, verschwenden Sie wertvolle Zeit.“ Außerdem könnten gute Gelegenheiten in der Masse untergehen. Der Schlüssel zum Erfolg bestehe darin, mit den Anrufen aufzuhören, wenn man genügend aussichtsreiche Kontakte geknüpft habe. Fernández-Aráoz rät zu einer groben Kalkulation, wie hoch bei den besten Kontakten die Wahrscheinlichkeit ist, dass man den Zuschlag erhält.

 


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