ExklusivStart-up-Fabrik steigt bei Schiffsausrüster ein

A.W. Niemeyer bestimmt den Markt für Boots- und Yachtzubehör
A.W. Niemeyer bestimmt den Markt für Boots- und YachtzubehörGetty Images

Der Hamburger Company Builder Hanse Ventures beteiligt sich nach Capital-Informationen mit 30 Prozent an dem Schiffsausrüster A.W. Niemeyer. Die Start-up-Schmiede, 2010 gegründet und bekannt für Portfolio-Unternehmen wie das Internetportal Pflege.de oder den Second-Hand-Onlineshop Rebelle, wird damit Gesellschafter eines der ältesten Handelshäuser der Hansestadt.

Die Geschichte von A.W. Niemeyer (kurz: AWN) reicht bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, als das Unternehmen als Eisenwarenhandelsgeschäft am Hamburger Rödingsmarkt seinen Anfang nahm. Im 19. Jahrhundert spezialisierte sich die Firma auf Schiffsausrüstung und war in dieser Branche zeitweise der wichtigste Anbieter am Hamburger Hafen.

Nach einer Reihe von Eigentümerwechseln landete AWN 2002 in der Ahrensburger Unternehmensgruppe von Christoph Kroschke, die mit Dienstleistungen rund um Autokennzeichen auf heute fast 2000 Mitarbeiter gewachsen ist. Die Schiffsausrüster-Tochter AWN, die etwa 25 Mio. Euro Umsatz macht, betreibt 13 Ladengeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz und sieht sich als marktführend im stationären Handel mit Yacht- und Bootsausstattung.

Im Online-Handel hingegen hat AWN noch Nachholbedarf. Daher wolle das Unternehmen „gemeinsam mit uns den Online-Shop und die Digitalisierung, die bisher nicht besonders im Fokus standen, zum ernsthaften Geschäft aufbauen“, erklärt Jochen Maaß, CEO von Hanse Ventures. Für das Traditionsunternehmen sei der Deal „ein gleichzeitig mutiger und konsequenter Schritt“, schließlich arbeite es profitabel und verfüge über einen „tollen Kundenstamm“. Man habe „dort allerdings auch erkannt, dass sich vieles in Richtung Online verschieben wird“.

Auch für Hanse Ventures ist die Beteiligung, über deren finanzielle Details sich die Beteiligten ausschweigen, ein ungewöhnlicher Schritt. Das bisherige Geschäft des Company Builders bestand darin, circa drei Start-ups pro Jahr auszugründen und in der ersten Phase mit digitalem Know-how beim Wachstum zu helfen. Dafür beschäftigt Hanse Ventures Fachleute für Online-Marketing, Recruiting und Softwareentwicklung, die den Jungunternehmen unter die Arme greifen.

Die Herausforderungen, vor denen AWN nun steht, seien mit denen junger Start-ups allerdings gut vergleichbar, glaubt man bei Hanse Ventures. „Letztlich ist AWN für uns mit seinem jetzigen Vorhaben und dem damit verbundenen Bedarf unseren anderen Portfoliounternehmen und Online-Startups sehr ähnlich“, so Maaß.

Dass sich Unternehmen der „Old Economy“ in der Start-up-Szene Hilfe für den Aufbau von Digitalgeschäft suchen, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Es gibt inzwischen eine Reihe von Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben. Auch Hanse Ventures gibt an, schon viele Anfragen für Joint Ventures mit Konzernen bekommen zu haben, „die wir allerdings alle abgesagt haben“, so Maaß. „Jetzt hat es zum ersten Mal gepasst.“ Für den Company Builder war dabei auch eine Voraussetzung, sich tatsächlich am Eigenkapital des neuen Portfoliounternehmen beteiligen zu können. „Das war für uns eine Prämisse. Wir sind keine Agentur, die man nach Tagessätzen bezahlen kann. Wir wollen uns voll reinhängen.“