Beste AusbilderMaritim-Hotels - nicht ausgebucht

Die Ausbilderin Ute Homann (l.) betreut Cornelia Cremer
Die Ausbilderin Ute Homann (l.) betreut Cornelia CremerÈriver Hijano

Stefan Kersten kann gar nicht genug bekommen. Dabei hat er schon so viele. Über 1000. Kersten ist Leiter Personalentwicklung bei der Hotelkette Maritim, und die Rede ist von Auszubildenden. Doch selbst bei den Top-Ausbildern wie dem Maritim werden die Bewerbungen immer mehr zur Mangelware. 1040 junge Frauen und Männer sind es derzeit, die in den 33 Hotels in Deutschland und den 18 im Ausland zu Hotel- und Restaurantfachleuten sowie Köchen ausgebildet werden. Ihr Anteil an der Belegschaft ist riesig. Jeder sechste Mitarbeiter steckt noch in der Lehre. „Das ist unsere Zukunft“, sagt Kersten. Ohne die Auszubildenden sei eine Expansion wie in den vergangenen Jahren nicht möglich. Deshalb hat die Ausbildung im Maritim oberste Priorität. Im Schnitt kommt auf vier Nachwuchskräfte ein Ausbilder.

Der Fachkräftemangel hat längst das Hotelgewerbe erreicht. Und so wildert die Konkurrenz, die teils selbst nicht ausbildet, in fremden Gärten. Kersten nimmt das mit einem Achselzucken hin. Was soll er auch sagen? Natürlich schmerzt es ihn, wenn wie in der Vergangenheit oft geschehen nur 30 Prozent der Auszubildenden im Betrieb bleiben. Einige wollen nach der Lehre studieren, andere auf Wanderschaft gehen, so wie es in der Branche seit Jahrzehnten üblich ist. Den Arbeitgeber wechseln, die Stadt, das Land. Neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln.

Für Kersten ist das ein Problem. „Jedes Jahr müssen wir deshalb eine Schippe drauflegen“, sagt er. Mehr bieten als Wettbewerber, attraktiver sein als andere Branchen. Das Konzept scheint aufzugehen. Zuletzt ist jeder Zweite nach der Ausbildung dem Maritim treu geblieben. Ein gutes Ergebnis in der Branche, sagt Kersten. Aber es könnte noch besser sein. „Denn, machen wir uns nichts vor, die Hotelbranche hat nicht den besten Ruf.“ Unattraktive Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden, zu viel Arbeit in viel zu kurzer Zeit. „So ist doch das Image!“

Jeder Zweite gibt auf

Cornelia Cremer kennt das Klischee. Und die Gesichter mit den müden Augen, die Fälle von Burn-out, die Unzufriedenen. In der Berufsschule sitzen sie oft neben ihr, Auszubildende aus anderen Betrieben. Die Abbrecherquote in der Hotelbranche ist hoch, jeder Zweite gibt auf. Im Maritim bricht nur jeder zehnte Auszubildende ab. Für Cremer undenkbar. Hotelfachfrau ist ihr Traumjob. „Ich habe noch nie gesagt, heute war ein schlimmer Tag“, sagt die 22-Jährige und lächelt jeden Zweifel weg. Die Münchnerin beginnt gerade ihr drittes Lehrjahr, für die Ausbildung zog sie extra nach Berlin. Zunächst hatte sie Fremdsprachenkorrespondentin gelernt. Englisch und Spanisch. Aber das Übersetzen machte sie nicht glücklich. Zu monoton, zu wenig Kontakt mit Menschen, kein Feedback. Also sattelte sie um.

Wenn Cremer etwas zu bemängeln hat, dann, dass sie nach der Regelarbeitszeit nach Hause geschickt wird. Auch wenn sie gerne noch bleiben würde. „Bei zehn Überstunden ist Schluss, dann müssen wir sie abbummeln“, sagt sie. Die Arbeitszeiten im Maritim werden strikt eingehalten, auf Pausen wird geachtet, ein 13. Gehalt zu Weihnachten ist selbstverständlich. Das ist der Rahmen. Dazwischen ist viel Platz für Experimente.

Gerade hatte Cremer drei Wochen die Assistenz im Direktionsbüro inne. Auch das ist eine Philosophie im Maritim: Urlaubsvertretungen werden von Auszubildenden übernommen. In wenigen Tagen bricht sie für einige Wochen nach Frankreich auf, um Auslandserfahrung zu sammeln. Das Hotel, in dem sie arbeiten wird, gehört nicht zur Kette, aber das Maritim zahlt ihr Gehalt weiter. Es war Cremers Wunsch, dorthin zu gehen. Kersten konnte daran nichts Schlechtes finden. „Wenn es der Ausbildung dient, ermöglichen wir solche Wünsche“, sagt er. Die Motivation der Auszubildenden sei schließlich das A und O.

Maritim legt Wert auf Teamgeist

Das A und O beinhaltet auch die Initiale GMK. Sie stehen für Guido Mario Kretschmer. Cremer schaut auf ihr schickes Kostüm und lächelt. „Blau steht mir, oder?“ Vor vier Jahren kam die Idee auf, einen bekannten Designer für eine Maritim-Kollektion zu gewinnen. Eineinhalb Jahre hat es gedauert, von den ersten Entwürfen über Modenschauen bis zur Einführung. Es gibt verschiedene Linien, schicke für die großen Tagungshotels, legere für die Resorthotels. „Wichtig ist, dass die Mitarbeiter sich wohlfühlen“, sagt Kersten. Das strahle auch auf die Gäste aus.

Für die Auszubildenden hat sich das Management eine Menge an Anreizen ausgedacht. Wie den Maritim-Pokal. Jeder Auszubildende im dritten Lehrjahr kann daran teilnehmen. Neben Preisgeldern gibt es VIP-Konzertkarten und „einen Lkw voll mit Präsenten“. Die Auszubildenden der drei Berufe müssen Aufgaben aus dem Alltag bewältigen. Köche beispielsweise ein Menü unter bestimmten Vorgaben kreieren oder die Restaurantfachleute einen Event mit mehreren Hundert Teilnehmern organisieren. Erst gibt einen schriftlichen Teil, dann einen praktischen. Wie Rollenspiele, in denen die Teilnehmer mit Extremsituationen konfrontiert werden. Mit Feueralarm, schwierigen Gästen, chaotischen Zimmern. An der letzten Runde nehmen 32 Finalisten teil, ein Festakt, zu dem auch die Eltern eingeladen werden, an dem die Geschäftsführung teilnimmt, die Hoteldirektoren und die Inhaberfamilie Gommolla. „Das ist natürlich ein großer Talentwettbewerb“, sagt Kersten. „Die Finalisten können sich später ihren Job aussuchen, die sind heiß begehrt.“

Viel ist im Maritim von Familie die Rede, von Teamgeist. Cornelia Cremer mag das. Schon bei den Einführungstagen werden die neuen Auszubildenden in einem Hotel untergebracht, um das Gasterlebnis gemeinsam zu erfahren. Auf dem Programm stehen gemeinsame Azubifahrten in andere Schwesterhotels und das Eventwochenende, ein Highlight der Ausbildung. Die Auszubildenden bilden ein Hotel im Hotel, besetzen jede Position bis hin zum Direktor. Die Gäste sind die Eltern, die auf Kosten des Maritim eingeladen werden.

„Sechs Monate vor Ende der Ausbildung führen wir Karrieregespräche“, sagt Kersten. Das Ziel ist es, möglichst viele Auszubildende an das Haus zu binden. Dazu bietet das Maritim auch eine duale Ausbildung an, bei der die Kosten für das Studium übernommen werden. Und trotzdem wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden. Deswegen schraubt Kersten an immer neuen Benefits. Geplant sind gerade eine Jobgarantie und Sprachkurse für alle. „Wir brauchen demnächst viele gute Leute“, sagt Kersten. Die Kette wurde 1969 gegründet. Viele Mitarbeiter der ersten Stunden gehen bald in Rente. Vor allem in gehobenen Positionen. Cornelia Cremer lächelt. Im Direktionsbüro hat es ihr gut gefallen.