Die
Deutsche Telekom beendet ihr US-Abenteuer: Für 39 Mrd. Dollar (27,5 Mrd. Euro) verkauft der Konzern seine Mobilfunktochter T-Mobile USA an den Konkurrenten
AT&T. Das teilte die Telekom am Sonntag mit. 25 Mrd. Dollar werden in bar gezahlt, der Rest in AT&T-Aktien. Telekom-Chef René Obermann erhält einen Sitz im AT&T-Aufsichtsrat. Die Gremien beider Konzerne haben dem Geschäft bereits zugestimmt. Der neue Anbieter wird mit knapp 130 Millionen Kunden klarer US-Marktführer vor Verizon Wireless.
Die Telekom zieht damit die Konsequenz aus ihrer extrem schwierigen Lage in den USA. Der Nummer vier auf dem US-Mobilfunkmarkt laufen jedes Quartal Hunderttausende Vertragskunden davon. Der steigende Umsatz beim Handydatenfunk kann dies bislang kaum ausgleichen. So schrumpfte das bereinigte operative Ergebnis 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro.
"Die nach wie vor zu hohe Wechslerrate trübt das Bild", hatte Obermann Ende Februar bei der Vorlage der Telekom-Jahresbilanz gesagt.
Die Telekom hatte im Jahr 2000 den US-Mobilfunkanbieter Voicestream für damals umgerechnet 39 Mrd. Euro gekauft. Daraus entstand später T-Mobile USA.
Sonntagnachmittag entschied der Aufsichtsrat in Bonn über den Verkauf. Obermann hielt dabei eine Präsentation zu dem geplanten Geschäft. "Wenn man sich die Situation dort anschaut, ist klar, dass es für die Telekom schwer geworden wäre", hieß es am Sonntag in informierten Kreisen.
Trotz schrumpfender operativer Gewinne in den USA hätte die Telekom in den kommenden Jahren weitere Milliarden investieren müssen, um mit den Marktführern Verizon und AT&T Schritt zu halten. So hat der Konzern zwar bei den Übertragungsgeschwindigkeiten einen leichten Vorsprung und bewirbt dies auch aggressiv. Allerdings stecken die Marktführer bereits Milliarden in den Aufbau von LTE, der Mobilfunktechnik der nächsten Generation. Es war daher absehbar, dass die Deutschen in den kommenden Monaten unter Zugzwang geraten wären.
Die US-Misere hatte 2009 begonnen: Umsatz und operatives Ergebnis schrumpften. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie AT&T hatte T-Mobile mit Verspätung den Netzausbau angeschoben. Vom Boom im mobilen Datengeschäft konnte das Unternehmen deshalb lange nicht profitieren. Zugleich schmerzt der Erfolg von
Apples s iPhone, das AT&T jahrelang exklusiv verkaufte. Einen ähnlichen Kassenschlager kann T-Mobile nicht bieten.
In den kommenden Wochen müssen die Wettbewerbshüter in den USA den Verkauf genehmigen. Konzernintern wird eine längere Prüfung erwartet. "Man geht davon aus, dass das erst 2012 durchgeht", hieß es in Bezug auf den endgültigen Abschluss des Verkaufs. Bis dahin werde die Telekom bereits gefasste Ausbaupläne noch umsetzen.
Nach dem Vollzug plant die Telekom, ihre Verbindlichkeiten um etwa 13 Mrd. Euro zu reduzieren. Rund 5 Mrd. Euro seien für den zusätzlichen Rückkauf eigener Aktien eingeplant, teilte das Unternehmen mit. Die Telekom hat bereits versprochen, zwischen 2010 und 2012 jährlich 3,4 Mrd. Euro auszuschütten - über eine Mindestdividende von 70 Cent je Aktie sowie durch ein Aktienrückkaufprogramm.
Seit Monaten hatten Vorstand und Aufsichtsrat mögliche Lösungen für die Tochter in den USA diskutiert. Im Februar hatten Obermann sowie der neue T-Mobile-USA-Chef Philipp Humm in New York einen Aktionsplan vorgelegt, um den Abwärtstrend zu stoppen.
Quelle: capital.de
© 2011 ftd.de








