Der wiedererstarkte PC-Markt hat dem weltgrößten Chiphersteller
Intel das bisher beste Quartal beschert. Der Umsatz stieg von April bis Juni im Jahresvergleich um 34 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro). Das Unternehmen verbuchte einen Gewinn von 2,9 Milliarden Dollar nach einem Verlust von 398 Millionen Dollar vor einem Jahr. Das teilte Intel am Dienstag nach US-Börsenschluss mit. Allerdings hatte damals eine Milliarden- Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission die Quartalsbilanz verhagelt.
Die aktuellen Zahlen seien die besten Quartalsergebnisse in der 42-jährigen Geschichte des Unternehmens, hieß es. Intel rechne auch für die kommenden Monate mit einer starken Nachfrage, sagte Konzernchef Paul Otellini. Analysten hatten mit einem Profit von 43 Cents pro Anteilsschein gerechnet, daraus wurden 51 Cent.
Intel war wie viele andere Technologie-Unternehmen von der globalen Wirtschaftskrise ausgebremst worden. Unternehmen schoben die Erneuerung ihrer Computer-Bestände auf, Intel verkaufte entsprechend weniger Prozessoren. Seit vergangenem Jahr geht es wieder aufwärts. Analysten sehen jedoch inzwischen wieder Risiken durch die Konjunkturaussichten, vor allem angesichts möglicher Folgen der Euro- Probleme in Europa.
Die Geschäftsergebnisse von Intel gelten als wichtiges Branchenbarometer sowohl für die Chip- als auch für die PC-Industrie. In vier von fünf Rechnern weltweit sind Prozessoren des Branchenprimus verbaut. Zieht die Nachfrage nach PC an, steigt automatisch auch der Umsatz von Intel.
Die US-Marktforscher von Gartner erwarten für das laufende Jahr einen Gesamtabsatz von 377 Millionen Computer - 22 Prozent mehr als im Vorjahr. "Die Konsumenten sehen Computer als Notwendigkeit an und nicht mehr als Luxusware“, sagt Gartner-Analyst Ranjit Atwal.
Der weltgrößte Chiphersteller dürfte zusätzlich vom anhaltenden Boom in der eigenen Branche profitieren. Gartner rechnet für dieses Jahr mit einem weltweiten Gesamtumsatz in der Chipindustrie von 290 Milliarden Dollar. 2009 lag dieser Wert bei 228 Milliarden Dollar.
Intel versucht seit Jahren seine Abhängigkeit vom zyklischen PC-Geschäft zu reduzieren, etwa mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder wie Unterhaltungselektronik und eingebettete Systeme. Das Hauptaugenmerk richtet Intel auf das Wachstumssegment mit mobilen Endgeräten, in dem der Chipweltmarktführer bislang keine nennenswerte Rolle spielt. Die Prozessoren des Unternehmens gelten zwar als leistungsfähig, aber auch enorm energiehungrig.
Um diese Schwäche auszugleichen, verhandelt Intel nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) derzeit mit dem deutschen Halbleiterhersteller
Infineon über den Kauf der Sparte für Mobilfunkchips. Der DAX-Konzern liefert etwa Chips für das iPhone von
Apple.
Die mobilen Geräte erfordern ausgefeilte Stromspartechnologien. Ihre Akkus müssen möglichst lange ohne Aufladung an einer Steckdose durchhalten können. Der weltgrößte Handychipdesigner ARM sei dabei gegenüber Intel im Vorteil, urteilen Branchenanalysten. Es sei "die Dekade von ARM", so der US-Hightech-Experte Rob Enderle.
(Mit DPA)
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