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30.09.2011

Foto: capital.de

Taumelnder Handyhersteller

Nokia stampft Werke in Europa ein

von Thomas Wendel

Der Konzern schließt alle Fabriken in der alten Welt: Die Fertigung in Rumänien, Finnland und Ungarn wird dicht gemacht. Bis zu 5000 Arbeitsplätze fallen weg.

Nokia verschärft seinen Sparkurs. Der angeschlagene Handykonzern schließt die gesamte Fertigung in Europa und Nordamerika. Bis zu 5000 Stellen stehen zur Disposition. "Wir müssen schmerzhafte, aber nötige Schritte gehen, um unser Personal und die Betriebsstrukturen an den Weg anzupassen, der vor uns liegt", erklärte Nokia-Chef Stephen Elop am Konzernsitz Espoo in Finnland.

Mit der Ankündigung des nach Stückzahlen weltweit größten Handyproduzenten geht eine Ära zu Ende: Die Finnen wollen als letzter Mobiltelefonhersteller die Produktion in Europa einstellen. Künftig wird die gesamte Fertigung in China, Indien, Südkorea und Brasilien konzentriert. Elop hofft, so Kostennachteile gegenüber der asiatischen Konkurrenz wettzumachen. Auch in der Sparte Location and Commerce sollen 1300 Stellen wegfallen - dazu gehören der 2007 für 5,7 Mrd. Euro übernommene Navigationsanbieter Navteq und Nokias ortsbezogene Webdienste.

Die Zukunft des einstigen Vorzeigekonzerns ist gefährdet. In diesem Jahr haben Apple und Samsung Nokia als führenden Smartphone-Hersteller überholt. Auch im lange stabilen Geschäft mit günstigen Handys für Schwellenländer kriselt es: Hier nehmen chinesische No-Name-Anbieter und Konzerne wie ZTE und Huawei Nokia zunehmend Marktanteile ab. Im zweiten Quartal 2011 hatte Nokia erstmals seit Jahren Verluste eingefahren. Bereits im April hatte der Konzern angekündigt, 4000 Stellen im Bereich Software und Entwicklung zu streichen. Auch Nokia Siemens Networks (NSN), ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem deutschen Siemens-Konzern, verschlingt Geld. Am Donnerstag kündigten Nokia und Siemens eine Kapitalspritze von insgesamt 1 Mrd. Euro für den strauchelnden Netzwerkausrüster an.

Ob Nokia im Kerngeschäft mit Handys die Wende gelingt, ist ungewiss. Statt die eigenen Softwareplattformen Symbian und Meego weiterzuentwickeln, hatte Elop entschieden, Nokia-Smartphones künftig mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone auszustatten. Erste Windows-Handys sollen kurz vor Weihnachten erhältlich sein. Nokias Produktpalette gilt mindestens bis dahin als veraltet.

Im erst Ende 2008 eröffneten Werk im rumänischen Cluj (Klausenburg) verlieren alle 2200 Beschäftigten ihren Job. Auch in Salo (Finnland), Reynosa (Mexiko) sowie im ungarischen Komarom werden die Montageabteilungen bis Ende 2012 abgeschafft. Stattdessen sollen an den drei Standorten nur noch Software aufgespielt und die Handys verpackt werden. Zu den möglichen Arbeitsplatzverlusten in diesen Betrieben schweigt Nokia bisher. Im letzten finnischen Nokia-Werk in Salo arbeiten derzeit rund 2000 Mitarbeiter in der Fertigung. Kaum jeder zweite Arbeitsplatz davon dürfte übrig bleiben.

Der rumänische Staat prüft bereits eine Rückforderung von Zuschüssen. 20 Mio. Euro hatte der Staat 2008 bereitgestellt, um die Fertigung von Bochum nach Rumänien zu holen. Ein Sonderausschuss des Regionalparlaments in Cluj soll nun prüfen, inwieweit Nokia den Vertrag mit den Behörden erfüllt hat. Als Nokia mit dem Werk in Bochum die letzte deutsche Handyproduktion schloss, verloren fast 3000 Menschen den Job. Auch damals gab es Ärger um Zuschüsse, der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) prangerte gar den "Karawanen-Kapitalismus" Nokias an.

Am Donnerstag erfreute die Anleger die neue Sparrunde: Nokia-Titel legten an der Börse in Helsinki um rund zwei Prozent auf 4,25 Euro zu.

Aus dem Magazin

Einen berichtet über die Ängste der Finnen vor einem Niedergang Nokias finden Sie in Capital Heft 10/2011, das im Handel erhältlich ist.

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Quelle: ftd.de
© 2011 capital.de

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