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11.02.2011
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Nokia verliert seine Marktführerschaft
Nokia verliert seine Marktführerschaft
Foto: reuters

Strategiewechsel

Nokias Microsoft-Allianz lässt den Kurs abstürzen

Die beiden Verlierer im Handymarkt schließen sich zusammen. Der finnische Konzern will seine Smartphones mit Microsofts Windows-Phone-Plattform ausrüsten. Anleger zeigen sich abgeschreckt.

Nokia will auf dem stark wachsenden Smartphonemarkt mit dem US-Softwarekonzern Microsoft zusammenarbeiten. Das Betriebssystem Windows Phone soll nach Angaben des Konzerns vom Freitag künftig die Plattform für Nokia-Smartphones sein. Am Aktienmarkt kamen die Aussichten am Freitagvormittag überhaupt nicht gut an: Die Nokia-Papiere stürzten bis zu zwöf Prozent ab, erholten sich aber wieder leicht, als der Konzern massive Stellenstreichungen ankündigte.

Die neue Strategie soll den fortschreitenden Bedeutungsverlust des weltgrößten Handyherstellers stoppen. Die Finnen hatten zuletzt gegen die Konkurrenz von Apple, Google und anderen Anbietern Marktanteile bei Smartphones verloren.

In einem internen Brandbrief von Konzernchef Stephen Elop, der am Mittwoch an die Öffentlichkeit gelangte, kritisierte er schonungslos den Zustand von Nokia. Daraufhin gab es Spekulationen über eine Zusammenarbeit mit Microsoft bis hin zu einer Kapitalverflechtung. Die Enttäuschung über die einfache Lösung, die Elop nun vorstellte, ist eine Erklärung für den Frust der Anleger. Die Nokia-Aktie reagierte aber auch in der Vergangenheit bereits sehr schwankungsfreudig auf Nachrichten - nach unten wie nach oben.

Der Konzern setzte bei den Computer-Telefonen bisher vor allem auf das eigene Betriebssystem Symbian, das aber als veraltet gilt. Das System solle dennoch weiter unterstützt werden, hieß es am Freitag. Auch die Arbeit an der neuen offenen Plattform Meego werde fortgesetzt. Mindestens ein Gerät mit Meego soll in diesem Jahr noch erscheinen, kündigte Nokia an.

Googles Betriebssystem Android ist derzeit im Begriff, die weltweit wichtigste Software für internetfähige Handys zu werden. Ende vergangenen Jahres konnte Android das Symbian-System von Nokia überholen, beide liegen jetzt mit gut 30 Prozent vorn. Die Schwäche bei den teueren Computerhandys drückt auch die Gewinne. Und da die Smartphones einen immer größeren Anteil am Mobilfunkgeschäft haben, verliert Nokia auch an Boden im gesamten Handymarkt. Im vergangenen Jahr fiel der Marktanteil nach Zahlen der Marktforscher von Gartner von 36,4 auf 28,9 Prozent. In früheren Jahren führte Nokia noch souverän mit rund 40 Prozent.

"Heute wird aus einem Kampf mobiler Geräte ein Kampf zwischen mobilen Systemen, und unsere Stärken in diesem Bereich ergänzen sich", hieß es in einem gemeinsamen Brief der Konzernchefs Elop und Steve Ballmer von Microsoft. Für Nokia ist der Einsatz eines anderen Betriebssystems ein tiefer Einschnitt.

"Auf ganzer Linie gescheitert"

"Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden. Aber sie ist keine Patentlösung für die Probleme", sagte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. "Das ist eine Offenbarung, dass Nokia mit seiner Plattformstrategie auf ganzer Linie gescheitert ist und es betont den Ernst der Lage für das Unternehmen. Solch ein Schritt wäre noch vor zwölf Monaten undenkbar gewesen", sagte Blaber.

Nokia teilte weiter mit, 2011 und 2012 würden Übergangsjahre für das Unternehmen für den Aufbau der Partnerschaft mit Microsoft. Außerdem verordnet der von Microsoft gekommene Elop dem Konzern eine neue Struktur. Ab 1. April wird das Telefongeschäft aufgeteilt: Eine Sparte soll sich künftig mit Smartphones beschäftigen, eine andere die Marktführung bei günstigeren einfacheren Telefonen sichern. Nokia stehe an einem entscheidenden Scheideweg, sagte Elop.

Der Strategiewechsel wird auch einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen. "Es wird erhebliche Kürzungen geben", kündigte Elop an. Genauere Zahlen werde es erst später geben. Nokia hatte Ende 2010 knapp 132.500 Mitarbeiter. Der Konzern habe zu hohe Kosten, bekräftigte Elop den Bedarf an Sparmaßnahmen. Ein Nokia-Sprecher sagte, dass das Unternehmen bereits Gespräche mit der finnischen Regierung aufgenommen habe. Auch er nannte keine Details zum Stellenabbau.

Die Führungsspitze von Nokia will Elop mit nur einer Ausnahme unverändert lassen. Lediglich ein Topmanager verliert seinen Job. Zuvor war spekuliert werden, dass Elop im großen Stil in der Managementetage aufräumt. Allerdings vermeldete der Konzern schon zum Amtsantritt des neuen Chefs mehrere Abgänge aus Führungspositionen.

Finnlands Wirtschaftminister Mauri Pekkanen sprach gegenüber der Zeitung "Kauppalehti" von der "größten strukturellen Reform, die die Technologiebranche in Finnland je erlebt hat". Das Management habe mit der finnischen Regierung bereits erste Gespräche über die geplanten Stellenstreichungen geführt. Konkrete Zahlen wollte auch der Minister nicht nennen. Der Umfang werde aber erheblich sein, sagte Pekkanen. Die Regierung bereite bereits Hilfsmaßnahmen für betroffene Nokia-Mitarbeiter vor.

Spekulationen über eine Verlagerung der Nokia-Zentrale von Finnland in die USA erteilte Elop eine Absage. "Finnland ist unser Zuhause und wird es auch bleiben", sagte er. Der geplante Stellenabbau werde aber auch Finnland treffen.


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