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13.09.2010
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Nokia-Chef Stephen Elop
Nokia-Chef Stephen Elop
Foto: Bloomberg

Konzernumbau

Nokia hofft auf Amerikanisierung

von Thomas Wendel

Nokia hat den Anschluss ans Internetzeitalter verpasst. Nun will der finnische Handyhersteller das wieder gut machen - durch seine Amerikanisierung. Der E-Mail-Dienst ist von Yahoo, die Software wird mit Intel entwickelt, und der neue Chef Stephen Elop kommt von Microsoft.

Die Idee war gut. Zumindest gut gemeint. Damit Journalisten rund um den Globus Stephen Elop bei seiner ersten Pressekonferenz als Chef des Nokia-Konzerns beiwohnen können, haben die Finnen am vergangenen Freitag eilends eine Webübertragung aus der Unternehmenszentrale in Espoo eingerichtet. Schließlich ist Nokia der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen und seit zwei Jahren auch selbst ernannter Marktführer bei mobilen Internetdiensten und Software. Doch schon nach wenigen Sekunden stockt das Bild, sprotzt der Ton. Elops erste Sätze als designierter Nokia-Chef sind abgehackt, mitten in der anschließenden Fragerunde bricht die Übertragung ab. Der Webcast endet mit einem stummen Nokia-Blau auf dem Bildschirm. Die Premiere ist wieder einmal verpatzt.

Der Vorgang ist symptomatisch für Europas wichtigsten Elektronikkonzern. Nokia hat den Anschluss ans Internetzeitalter verpasst. Und braucht dringend Hilfe aus der Computerindustrie. Sonst droht dem stolzen Konzern der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. So ist es nur konsequent, dass mit dem Microsoft-Vorstand Stephen Elop zum ersten Mal ein Manager aus Amerika zum Chef in Espoo bei Helsinki gekürt worden ist. Er soll die Talfahrt stoppen.

Schon am 21. September wird der Kanadier die Geschäfte von seinem glücklosen Vorgänger Olli-Pekka Kallasvuo übernehmen. Und Elop ist sich der kniffligen Lage und seiner wichtigen Rolle sehr bewusst: "Neue Muster der Kommunikation und Innovationen entstehen zuerst in Nordamerika", erklärt der 46-Jährige mit dem Bürstenhaarschnitt gegenüber der Financial Times direkt nach seiner Vorstellung. Auch in der Mobilfunkindustrie komme nun das Neue aus Nordamerika. "Es ist enorm wichtig für Nokia, an den Entwicklungen auf diesem Markt teilzuhaben."

Die Botschaft Elops gilt dabei keineswegs nur für seinen neuen Arbeitgeber. Sie ist vielmehr ein Menetekel für Europas gesamte Kommunikationsindustrie. Der Wechsel bei Nokia macht es unmissverständlich deutlich: Der alte Kontinent hat seine Führungsrolle im Mobilfunk verloren, die er über Jahrzehnte innehatte. Tonangebend sind nun die Amerikaner. Das Internet wird immer mehr zur Basis der globalen Kommunikation. Handys entwickeln sich zu Computertelefonen, sogenannten Smartphones. Und von dieser Entwicklung profitiert vor allem Amerikas Software- und Internetindustrie. Es sind Google, Apple und der kanadische Blackberry-Hersteller Research In Motion, deren Technologien künftig den Handymarkt dominieren werden. Asiatische Unternehmen wie Samsung und HTC können noch mithalten, weil auf ihrem Kontinent die meisten Elektronikproduktionsstätten stehen und sie so am Puls der Industrie sind. Nur Europa verliert den Anschluss. Endgültig.

Gefunden bei
www.ftd.de

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