Google steht unter verschärfter Beobachtung der US-Regierung. Ein Unterausschuss des Senats, der die Marktmacht des weltgrößten Suchmaschinenkonzerns untersucht, will von Vorstandschef Larry Page oder Verwaltungsratschef Eric Schmidt persönlich Erklärungen hören. Weigern sie sich, in Washington auszusagen, droht der Unterausschuss für Antitrust, Wettbewerbspolitik und Verbraucherrechte mit einer härteren Gangart.
Parallel prüft die US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC), ob Google seine Macht im Web missbraucht - und steht inzwischen offenbar kurz davor, dies in eine offizielle Antitrust-Untersuchung auszuweiten. Die FTC untersucht die Vorwürfe von Rivalen wie den Reiseportalen Expedia und Tripadvisor, nach denen Google eigene Dienste in den Trefferlisten weiter oben platziert. Nach Informationen der Financial Times haben die Kartellwächter bereits andere Internetfirmen zur Dominanz von Google im Suchmaschinengeschäft befragt. Die FTC teilt sich in den USA mit dem Justizministerium die Verantwortung für die Durchsetzung des Wettbewerbsrechts.
Zudem untersuchen die Staatsanwaltschaften mindestens dreier US-Bundesstaaten Kreisen zufolge, ob der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber seine Marktmacht missbraucht. Die Ermittlungen der Behörden aus Kalifornien, New York und Ohio stünden noch am Anfang, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Texas hat eine entsprechende Untersuchung bereits eingeleitet.
Bislang musste Google nur bei Übernahmen wettbewerbsrechtliche Prüfungen über sich ergehen lassen. Dazu zählten etwa in jüngster Zeit der Zukauf des Flugpreisvergleichsportals ITA Software sowie der Werbefirmen Doubleclick und Admob. Rund zwei Drittel aller Internetsuchanfragen in den USA laufen über Google, in Europa liegt der Wert in einigen Ländern sogar über 90 Prozent.
Die Europäische Kommission hatte bereits im November 2010 ein umfangreiches Kartellverfahren gegen Google wegen der Vorherrschaft im Suchgeschäft eröffnet. Die Untersuchungen der Europäer konzentrieren sich unter anderem darauf, ob der Internetkonzern bei Anfragen die Angebote anderer Dienste in der Trefferliste zu weit hinten angezeigt hat. Eine im März erfolgte Beschwerde von
Microsoft könnte die Untersuchungen auf Onlinevideos und Mobiltelefone ausweiten.
EU soll Reihe von Auflagen machen
Das britische Preisvergleichsportal Foundem und die französische Suchmaschine Ejustice.fr werfen Google vor, sie bei den Suchergebnissen zu benachteiligen. Nutzer würden von Google auf konzerneigene Dienste gelenkt. Eine dritte Beschwerde kommt vom Rivalen Microsoft, der selbst im Visier der EU-Kommission steht. Microsofts Einkaufsportal Ciao from Bing beklagt Preise und Bedingungen für Googles Werbedienst Adsense. Preisvergleichsportale stellen eine besondere Bedrohung für Google dar, weil sie eine Schlüsselrolle beim Zugang zu Online-Informationen spielen.
Der Beschwerdeführer Foundem will erreichen, dass die EU eine Reihe von Auflagen macht: Google soll offenlegen, welche Seiten der Konzern aus welchem Grund im Ranking bei der Suche und beim Anzeigendienst Adwords herabstuft. Google müsse eine Beschwerdestelle für Unternehmen einrichten, die sich benachteiligt glauben. Darüber hinaus soll der Internetkonzern alle konzerneigenen Dienste - etwa für Preisvergleiche und Landkarten - besonders kenntlich machen und eine neutrale Suchoption anbieten, die Googles Herabstufungen von Wettbewerbern ausblendet.
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