Intel hat mit einem Rekordquartal und einem optimistischen Ausblick hohe Erwartungen für die bevorstehende Berichtssaison der IT-Branche geschürt: Der weltgrößte Chiphersteller erzielte im abgelaufenen Quartal einen Nettogewinn von 2,4 Milliarden Dollar. Als Grund für den im Vergleich zum Vorjahresquartal fast vervierfachten Überschuss nannte Intel die anziehende Nachfrage nach Chips für Server und allgemein steigende IT-Ausgaben. Intels Milliardengewinn gab den asiatischen Börsen und dem Dax Auftrieb. Vor allem der Aktienkurs des deutschen Chipherstellers
Infineon legte kräftig zu. Auch der weltgrößte Chipauftragsfertiger TSMC aus Taiwan sowie der niederländische Chipmaschinenhersteller
ASML meldeten gute Zahlen.
Intel profitiert vor allem von der steigenden Nachfrage nach PCs. In weltweit vier von fünf Rechnern sind Intel-Prozesoren verbaut. Laut der jüngsten Prognose des Marktforschers iSuppli sind im abgelaufenen Quartal weltweit 77,8 Millionen Computer verkauft worden - gut 17 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Vor allem der Absatz von Notebooks ziehe nach wie vor stark an. Zudem dürften auch mehr Geschäftskunden in diesem Jahr in ihre IT-Ausstattung investieren, nachdem viele Unternehmen auf Grund der globalen Wirtschaftskrise ihre IT-Budgets 2009 zurückgefahren oder eingefroren hatten.
Desktop-Markt in Deutschland zieht an
Intels Quartalsumsatz wuchs den Angaben zufolge im Jahresvergleich von 7,1 Milliarden auf 10,3 Milliarden Dollar. Deutschland-Chef Hannes Schwaderer signalisierte für den heimischen Markt eine wieder stärkere Nachfrage nach Desktop-Rechnern, die sich weltweit immer schlechter verkaufen lassen. "Nach dem Krisenjahr sind wieder Rechner mit mehr Leistung gefragt - dafür geben Konsumenten auch mehr Geld aus", sagte Schwaderer. Die Ende 2009 von Intel-Chef Paul Otellini geäußerten Befürchtungen, dass die globale Halbleiterbranche nicht mit dem rasanten Aufschwung mithalten könne, räumte Schwaderer weitestgehend aus. "Angebot und Nachfrage sind derzeit relativ ausgewogen", sagte er.
Intel-Konkurrent
Advanced Micro Devices (AMD) präsentiert am Donnerstag seine Quartalszahlen. Analysten rechnen auch hier mit einem anziehenden Geschäft. In diesem Monat legen weitere IT-Schwergewichte wie
Google,
Apple und
Motorola ihre Bilanzen vor.
Die globale Halbleiterbranche hat eine der schwersten Krisen seit ihrem Bestehen hinter sich und steht nun so profitabel da wie seit zehn Jahren nicht mehr. Neben dem Aufschwung macht iSuppli dafür vor allem die Sparprogramme der Chipfirmen, den Abbau von Überkapazitäten und die Konzentration auf Kernmärkte verantwortlich. "Mit einer eingeschränkten Ausrichtung können Halbleiterhersteller wettbewerbsfähiger sein und sich voll auf ihre Profitabilität statt auf den Marktanteil konzentrieren", sagt iSuppli-Chef Derek Lidow.
Stark gestiegene Gewinnmarge
Für das erste Quartal rechnen die Analysten mit einem branchenweiten Gesamtumsatz von 67,1 Milliarden Dollar - fast 50 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, das von der globalen Chipkrise gekennzeichnet war. Das erste Quartal gilt generell als das schwächste der Halbleiterbranche.
Parallel zum Aufschwung der Chipindustrie ist die operative Gewinnmarge rasant gestiegen: Im ersten Quartal 2009 war sie noch erstmals seit dem Platzen der Dotcom-Blase 2001 ins Minus gerutscht. Im vierten Quartal des Vorjahres stand die Kennziffer bei 21,4 Prozent - der höchste Wert seit dem vierten Quartal 2000 zum Höhepunkt des New-Economy-Hypes. Für die globale Halbleiterbranche insgesamt erwartet iSuppli im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 21,5 Prozent auf 279,7 Milliarden Dollar.
Quelle: ftd.de
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