Der Internetkonzern begleitet die Produkteinführung in Deutschland mit einer Anzeigenkampagne in regionalen, überregionalen Tageszeitungen und Magazinen. Für einen Webunternehmen, das ansonsten allein auf die Wirkung von Online-Werbung schwört, ist das ein äußerst ungewöhnlicher Schritt. Allerdings ist hierzulande kein anderes Projekt des Unternehmens so umstritten wie der Fotodienst Street View. Datenschützer, Justizministerin Leuthäuser-Schnarrenberger (FDP) und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatten sich auf das Projekt eingeschossen, wollten gar die Einführung verhindern.
Nun startet
Google Street View im November in Deutschland. Zunächst wird der Dienst für die 20 größten deutschen Städte frei geschaltet. So können dann etwa Bewohner Berlins die 360 Grad Ansichten ihrer Straßenzüge anklicken. Der Suchmaschinenkonzern hatte 2008 mit entsprechend ausgestatteten Autos öffentlich zugängliche Straßen abgefahren und dabei gefilmt. Die Bilder werden mit Googles Onlinekartendienst Maps verknüpft, so dass sich Nutzer beispielsweise vor einer Reise über ihren Aufenthaltsort erkundigen können. "Bereits jetzt rufen deutsche Nutzer täglich mehr als eine Million Mal Street View Panoramen auf", sagte Raphael Leiteritz, Produktmanager von Google Maps.
Doch was vielen Nutzern nützlich erscheint, ist für Verbraucher und Datenschützer ein Skandal. So sei beispielsweise für potentielle Arbeitgeber sichtbar, ob ein Bewerber aus einer sozial schwachen oder guten Gegend komme, argumentieren etwa die Gegner. Manch einer glaubte zudem, dass Google Echtzeit-Bilder zeige. Der Suchkonzern trug zuletzt selbst zur allgemeinen Verunsicherung bei, als er zugab, dass bei den Kamerafahrten auch Daten aus den Funknetzen (W-Lan) erfasst und gespeichert wurden. Daraufhin stoppte Google die Fahrten und entschuldigte sich für die Panne. Seither muss sich das Unternehmen aber weltweit den kritischen Fragen von Behörden stellen.
Angesichts dieser Vorgeschichte und vieler Falschinformationen über den Fotodienst, sieht sich der Konzern nun zu einer Informationskampagne online und offline gezwungen. Von Donnerstag bis Montag will Google in ganzseitigen Anzeigen erklären, was das Unternehmen macht und womit es beispielsweise Geld verdient.
Google will darüber hinaus mitteilen, wie Mieter oder Eigentümer gegen die Abbildung ihrer Wohnungen oder Häuser Einspruch erheben können. Dafür steht ab Montag online unter www.google.de/streetview eine Funktion bereit, über das Mieter und Eigentümer ihren Einspruch gegen die Abbildung ihrer Häuser und Wohnungen Einspruch erheben können. Nutzer müssen dann unter anderem ihre Adresse nennen, so dass Google den Einspruch verifizieren kann. So soll etwa verhindert werden, dass lokale Geschäfte Wettbewerber ausschalten. Das Unternehmen nimmt zugleich weiterhin Briefe entgegen. Anträge die sich auf Aufnahmen außerhalb der bis dahin betroffenen Gebiete beziehen könnten weiter eingereicht werden. Die Fotos löscht Google dann allerdings nicht, sondern betroffene Häuser oder Wohnung sollen nur unkenntlich gemacht werden - durch sogenanntes blurring. Bereits jetzt macht das Unternehmen identifizierbare Gesichter und Kfz-Kennzeichen werden unkenntlich. Der Fotodienst ist derzeit in 23 Ländern verfügbar, darunter auch in 12 europäischen Ländern.
Quelle: ftd.de
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