19.03.2010
Seite  1 | 2

Jon Rubinstein auf der Messe CES in Las Vegas.
Jon Rubinstein auf der Messe CES in Las Vegas.
Foto: reuters

Trotz Pre

Palm kämpft ums Überleben

von Björn Maatz

Er kam von Apple und wurde frenetisch gefeiert. Doch auch Palm-Chef Rubinstein holt den Smartphone-Hersteller nicht aus den roten Zahlen. Die Prognosen sind schlapp und für den Hoffnungsträger Pre ist kein Nachfolgemodell in Sicht.

Als der Mann die Bühne betritt, bricht Jubel aus. Wenige Minuten später wird der Aktienkurs seiner Firma um 35 Prozent in die Höhe schnellen. Der Heilsbringer Jon Rubinstein zeigt vor einem begeisterten Publikum auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Hoffnungsträger Palm Pre. In diesen Minuten Anfang vergangenen Jahres hätte er bestimmt auch übers Wasser laufen können, ohne zu versinken, lästern Branchenbeobachter.

Gut 14 Monate später schlagen die Wogen über Rubinstein zusammen: Palm meldet einen Nettoverlust: minus 22 Millionen Dollar im Ende Februar abgelaufenen Quartal. Rote Zahlen sind Palm-Anleger gewohnt - es ist der elfte Quartalsverlust in Folge.

Schockiert zeigen sie sich hingegen von der Umsatzprognose des kalifornischen Konzerns: Mehr als 150 Millionen Dollar seien im laufenden Quartal nicht drin, also deutlich weniger als die Hälfte der im abgelaufenen Vierteljahr erlösten 350 Millionen Dollar. "Aber das Potenzial von Palm bleibt hoch", versucht Rubinstein die Anleger zu besänftigen. Doch die hören ihn nicht mehr: Der Aktienkurs bricht um fast zehn Prozent ein.

Palm geht die Luft aus. Das Unternehmen verbrennt seit Jahren Geld. Zuletzt pumpte die Firma im September 2009 ihre Anleger an. Geld braucht Palm jede Menge - zum einen fürs Marketing. Erst im Februar hatte Rubinstein gesagt, es dauere länger als erwartet, Palms Bekanntheit zu steigern. Gleichzeitig hatte er vorsichtshalber die Umsatzprognose für das nun abgelaufene Quartal gesenkt.

Zum anderen braucht Palm Geld für neue Produkte: Das Smartphone Palm Pre hat sich bislang als "One-Hit-Wonder" entpuppt, außer der Billigvariante Pixi hat Rubinstein kein weiteres Gerät im Angebot. Genau das aber erwarten Anleger und Analysten.

Palm kam 2009 gerade einmal auf einen Marktanteil von 1,2 Prozent unter den weltweit größten Smartphoneherstellern. Viel zu wenig, um mit Spezialisten wie Apple, Blackberry-Produzent Research In Motion und HTC mitzuhalten.

Der weltgrößte Smartphonehersteller Nokia punktet mit kostenloser Navigation und hat spät, aber noch rechtzeitig, den Trend zu Touchscreen-Modellen erkannt.

Massenproduzenten wie Samsung und LG etablieren sich erfolgreich im Markt leistungsfähiger Mobiltelefone. Und auch bislang klassische PC-Hersteller wie Hewlett-Packard, Acer und Dell machen "in Smartphone". Sie setzen vor allem auf Googles Handybetriebssystem Android, dem Analysten in den kommenden Jahren ein großes Marktpotenzial zutrauen.

Palm hingegen wurschtelt sich mit seinem eigenen Betriebssystem durch - und droht von den Großen zerdrückt zu werden.


Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Marktinformationen

DAXTecDAXDowNAS
Chart
DAX TopsDiff %
Commerzban
ThyssenKru
Deutsche B
Flops
Infineon
adidas
Fresenius
DAX 6.748,76-0,08%
TecDAX 773,61+1,29%
MDAX 10.316,35+0,10%
DOW 12.883,95+0,04%
NASDAQ 2.545,72+0,54%
EUR/US 1,3255+0,02%
GOLD 1.746,00+1,28%
 Quelle: vwd netsolutions GmbH
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
PartnerangebotImmobilien suchen in ...