Als der Mann die Bühne betritt, bricht Jubel aus. Wenige Minuten später wird der Aktienkurs seiner Firma um 35 Prozent in die Höhe schnellen. Der Heilsbringer Jon Rubinstein zeigt vor einem begeisterten Publikum auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Hoffnungsträger Palm Pre. In diesen Minuten Anfang vergangenen Jahres hätte er bestimmt auch übers Wasser laufen können, ohne zu versinken, lästern Branchenbeobachter.
Gut 14 Monate später schlagen die Wogen über Rubinstein zusammen:
Palm meldet einen Nettoverlust: minus 22 Millionen Dollar im Ende Februar abgelaufenen Quartal. Rote Zahlen sind Palm-Anleger gewohnt - es ist der elfte Quartalsverlust in Folge.
Schockiert zeigen sie sich hingegen von der Umsatzprognose des kalifornischen Konzerns: Mehr als 150 Millionen Dollar seien im laufenden Quartal nicht drin, also deutlich weniger als die Hälfte der im abgelaufenen Vierteljahr erlösten 350 Millionen Dollar. "Aber das Potenzial von Palm bleibt hoch", versucht Rubinstein die Anleger zu besänftigen. Doch die hören ihn nicht mehr: Der Aktienkurs bricht um fast zehn Prozent ein.
Palm geht die Luft aus. Das Unternehmen verbrennt seit Jahren Geld. Zuletzt pumpte die Firma im September 2009 ihre Anleger an. Geld braucht Palm jede Menge - zum einen fürs Marketing. Erst im Februar hatte Rubinstein gesagt, es dauere länger als erwartet, Palms Bekanntheit zu steigern. Gleichzeitig hatte er vorsichtshalber die Umsatzprognose für das nun abgelaufene Quartal gesenkt.
Zum anderen braucht Palm Geld für neue Produkte: Das Smartphone Palm Pre hat sich bislang als "One-Hit-Wonder" entpuppt, außer der Billigvariante Pixi hat Rubinstein kein weiteres Gerät im Angebot. Genau das aber erwarten Anleger und Analysten.
Palm kam 2009 gerade einmal auf einen Marktanteil von 1,2 Prozent unter den weltweit größten Smartphoneherstellern. Viel zu wenig, um mit Spezialisten wie
Apple, Blackberry-Produzent
Research In Motion und
HTC mitzuhalten.
Der weltgrößte Smartphonehersteller
Nokia punktet mit kostenloser Navigation und hat spät, aber noch rechtzeitig, den Trend zu Touchscreen-Modellen erkannt.
Massenproduzenten wie
Samsung und LG etablieren sich erfolgreich im Markt leistungsfähiger Mobiltelefone. Und auch bislang klassische PC-Hersteller wie
Hewlett-Packard,
Acer und
Dell machen "in Smartphone". Sie setzen vor allem auf
Googles Handybetriebssystem Android, dem Analysten in den kommenden Jahren ein großes Marktpotenzial zutrauen.
Palm hingegen wurschtelt sich mit seinem eigenen Betriebssystem durch - und droht von den Großen zerdrückt zu werden.


















