Mike Lazaridis: Was ist denn das?
Mein Handy. Ein etwas angejahrter Palm, aber er leistet mir treue Dienste.
Lazaridis: Das ist ja schrecklich!
Ich habe noch ein zweites: mein iPhone. Ich lege es gleich mal mit auf den Tisch.
Lazaridis: Ogottogott. Gebt ihm endlich ein richtiges Telefon!
Wurmt es den Erfinder des Blackberry, dass Ihre Firma
RIM seit Jahren Umsatz und Marktanteil steigert und dennoch alle Welt über
Apple redet?
Ach, ich habe mich daran gewöhnt, dass wir ständig unterschätzt werden. Dafür hat uns die US-Wirtschaftszeitschrift "Fortune" 2009 zum am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt gekürt. Ende dieses Jahres werden wir wieder rund 50 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigen als im Vorjahr. Insgesamt arbeiten bereits 13.000 Menschen bei uns. Das macht uns so schnell keiner nach.
Mihalis "Mike" Lazaridis
Gemeinsam mit Jim Balsillie führt der 48-Jährige den kanadischen Smartphone-Hersteller Research in Motion (RIM). Der in Istanbul geborene Blackberry-Erfinder erhielt bereits im Alter von zwölf Jahren seine erste Auszeichnung - dafür, dass er alle wissenschaftlichen Bücher der Bibliothek seiner Heimatstadt Windsor in Ontario gelesen hatte. Heute gilt der Milliardär und Studienabbrecher als freigebigster Philanthrop Kanadas.
Verglichen mit Apple ist das Image Ihrer Firma eher dröge. Woher der Erfolg?
Dröge sind wir nun gar nicht. Unser Erfolg hat mehrere Gründe. Der wichtigste: Wir machen alles selbst. Die Software, die Mikrochips, das Gehäusedesign, die Funkeinheit, selbst die in den Blackberrys eingebauten Antennen sind Eigenentwicklungen. Nur so können wir Schrittmacher sein in der Umwälzung, die gerade angelaufen ist: dem Wandel vom Telefon zum Computer. Ich nenne es die Smartphone-Revolution. Es werden nur Handyhersteller vorn bleiben, die schnell die immer komplexeren Strukturen ihrer Geräte, der Software und Internetdienste genau aufeinander abstimmen können.
Zudem haben wir keine Berührungsängste mit unseren Partnern, rund 500 Mobilfunknetzbetreibern in 170 Ländern. Wir passen unsere Geräte an ihre Bedürfnisse an. Was mich überrascht, ist die Geschwindigkeit, mit der sich der Übergang vom Handy zum Multimediagerät vollzieht.
Andere sind nicht so überrascht. Steve Jobs etwa, der Ihnen seit Jahren mit dem iPhone die Show stiehlt.
Ich glaube, alle haben das Tempo der Veränderung unterschätzt. Auch Herr Jobs.
Ihre jüngsten Quartalszahlen vermitteln etwas anderes: Während Apple stark wächst, zeichnet sich bei RIM Stagnation ab.
Da steckten wir auch mitten in der schwersten globalen Rezession seit 80 Jahren. Trotzdem sind auch wir gewachsen. Research in Motion und Apple halten am Handymarkt bislang einen Anteil von gemeinsam rund fünf Prozent. Für beide Konzerne gibt es noch viel Platz. Was sich gerade auf dem Markt abspielt, ist erst der Anfang. Wir werden noch in ganz andere Dimensionen vorstoßen.























