Der Poker um die Rettung von Karstadt geht in eine neue Runde. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) aus Finanzkreisen wird der Investor Nicolas Berggruen voraussichtlich die bis 8. August verlängerte Frist für den Vollzug seines Kaufvertrags nicht einhalten. Berggruen werde den Gläubigerausschuss, der am Mittwoch tagt, abermals um Vertagung bitten.
Dies erhöht für den Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti die Chance, dass Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg das Verfahren noch für sein gerade vorgelegtes 100-Millionen-Euro-Gebot öffnet. Görgs Sprecher wies dies zurück: "Wir haben einen Kaufvertrag mit Berggruen, an den wir gebunden sind."
Das hakelige Insolvenzverfahren könnte damit elf Monate nach seiner Eröffnung noch eine neue Wendung nehmen. Gelingt kein Verkauf von Karstadt, droht der Warenhauskette mit 25.000 Mitarbeitern die Liquidation. Weiterhin halten Beteiligte für sehr unwahrscheinlich, dass die Gläubiger diese wirklich einleiten werden. Stattdessen dürfte Görg eine erneute Verschiebung empfehlen. Borletti seinerseits wird alles tun, um sich als seriöser Bieter darzustellen. So will er nach FTD-Informationen in die Gläubigerausschusssitzung am Mittwoch eine formelle Bestätigung darüber einreichen, dass er über eine gesicherte Finanzierung verfügt.
Damit rächt sich auch, dass Görg mit Berggruen einem Bieter Anfang Juni den Zuschlag erteilt hat, der von der entscheidenden Einigung mit dem Immobilienbesitzerkonsortium Highstreet über die Mieten meilenweit entfernt war. Zwar haben Berggruen und das von der US-Bank Goldman Sachs geführte Konsortium seither große Fortschritte erzielt. Zusätzlich zu den im Insolvenzplan vereinbarten Mietsenkungen von 160 Millionen Euro über drei Jahre stimmte Highstreet weiteren Zugeständnissen von 230 Millionen Euro zu.
Doch tut sich das tief überschuldete Konsortium schwer, alle formellen Genehmigungen seiner Gläubiger einzuholen. Wie am Dienstag aus dem Konsortium verlautete, wird sich dies bis mindestens Monatsende hinziehen. Denn selbst Gläubiger der verbrieften Tranche, die die Mietzugeständnisse schon genehmigt haben, bestehen offenbar auf einem abermaligen Treffen, um die neuen Darlehensverträge abzusegnen. Dazu muss aber mit 21 Tagen Vorlauf eingeladen werden. Die Darlehensverträge stehen zudem noch nicht; so pokert die in ihrer Existenz gefährdete Valovis-Bank weiter über die letzten technischen Details.
Borletti will nicht nur den Sanierungstarifvertrag voll akzeptieren. Er wirbt auch damit, sein Gebot sei "für Highstreet in jeder Dimension besser als das aktuell vorliegende von Berggruen". Borletti hält gut zwei Prozent an Highstreet und hatte Anfang Juni mit Goldman Sachs für Karstadt geboten, war aber abgeblitzt. Nun hat er mit dem US-Handelsinvestor Gordon Brothers einen potenten Geldgeber an Bord. Sollte sich Görg auf Verhandlungen einlassen, sei ein unterschriftsreifer Kaufvertrag schnell zu erreichen, so Borlettis Sprecherin. Dafür müsste allerdings zunächst der Gläubigerausschuss entscheiden, das Verfahren neu aufzurollen.
Quelle: ftd
© 2010 capital.de



















