21.06.2010
Zu den Streitpunkten zählt auch die künftige Ausgestaltung der Mietverträge.
Zu den Streitpunkten zählt auch die künftige Ausgestaltung der Mietverträge.
Foto: Bloomberg

Karstadt-Investor

Berggruen lehnt Highstreets Kompromiss ab

von Angela Maier, München

Erneut hat Nicolas Berggruen eine Mietpreisofferte der Karstadt -Vermieter abgelehnt. Noch zeigt sich der Investor zuversichtlich. Die Vermieter dagegen versuchen offenbar, eine Dringlichkeitssitzung des Gläubigerausschusses einzuberufen.

Der Streit zwischen dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und dem Vermieterkonsortium Highstreet über die Zukunft von Karstadt spitzt sich zu. Am Freitagabend habe Highstreet Berggruen ein Angebot mit abermals verbesserten Mietkonditionen vorgelegt, sagte ein Highstreet-Sprecher am Sonntag. Dieses wurde von Berggruen noch am selben Abend zurückgewiesen, wie ein Sprecher des Investors bestätigte. Man sei bereits über die Schmerzgrenze hinausgegangen, klagte Highstreet: "Zu einem Kompromiss gehören immer zwei."

Im Detail bieten die Vermieter von 86 der 120 Karstadt-Häuser Berggruen an, die Mieten von aktuell 210 Millionen Euro bis 2018 schrittweise "nur" auf 240 Millionen Euro zu erhöhen. Bislang sah Highstreets Plan eine allmähliche Aufstockung auf 250 Millionen Euro vor. Berggruen besteht auf Maximalmieten von 230 Millionen Euro.

Uneinigkeit in vielen Fragen

Danach sieht es nicht aus: "Ein Scheitern wird immer wahrscheinlicher", hieß es aus Verhandlungskreisen. Offenbar versuchen die Vermieter nun, eine Dringlichkeitssitzung des Gläubigerausschusses einzuberufen. Berggruen bekräftigte am Sonntag indes, er sei "zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommt".

Zu den Streitpunkten zählt auch die künftige Ausgestaltung der Mietverträge. Während das von der US-Bank Goldman Sachs geführte Highstreet-Konsortium an einem Mietvertrag für alle Häuser festhalten will, fordert Berggruen, diesen auf drei Verträge zu splitten: für die Sporthäuser, die Premiumhäuser und die Masse der Karstadt-Häuser.

Höhere Gewinnbeteiligung

Hintergrund ist, dass er die Sporthäuser und die Premiumhäuser von den übrigen Karstadt-Häusern separieren und rechtlich verselbstständigen will. Sowohl Sport- als auch Premiumhäuser sollen direkt von Berggruens Holding geführt werden, heißt es in Berggruens Vertragsvorschlag. Damit kann Berggruen diese wertvollen Teile von Karstadt später separat weiterverkaufen und würde sie sich auch dann sichern, wenn der übrige Teil doch vollends pleiteginge. Ein Berggruen-Sprecher bekräftigte am Sonntag, der Investor werde den Konzern nicht zerschlagen und alle Standorte weiterbetreiben.

Strittig ist auch die Verteilung der Gewinne, wenn die Sanierung gelingt. Berggruen will die Vermieter daran nur beteiligen, wenn er seinen Kapitaleinsatz von 70 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro verdoppelt hat. Von dem überschießenden Wertzuwachs solle Highstreet zehn Prozent erhalten, hieß es in Verhandlungskreisen. Die Vermieter forderten jedoch 32 Prozent der Anteile an Karstadt. Ihr Argument: Ihr geplanter Kapitalzuschuss von 30 Millionen Euro sei ebenso zu behandeln wie die 65 Millionen Euro, die Berggruen an frischem Geld in den Konzern stecken will. Die übrigen 5 Millionen Euro sind der Kaufpreis des Investors für die Karstadt-Markenrechte.

Gefunden bei
www.ftd.de

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte am Wochenende nur Goldman: Sollte die Rettung scheitern, "dann bin ich dafür, eine Debatte in Deutschland zu beginnen, Goldman Sachs die Lizenz zu entziehen".


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