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18.08.2010
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Edward Pinto war fünf Jahre lang bei Fannie Mae tätig
Edward Pinto war fünf Jahre lang bei Fannie Mae tätig
Foto: Bloomberg

Zukunft der US-Hypothekenfinanzierung

"Das Schlimmste wäre, wenn nichts passiert"

von Christine Mai, Tobias Bayer

Washington treibt die Debatte um die Reform der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac voran. Der ehemalige Fannie-Manager Edward Pinto skizziert seine Vision - und lobt den deutschen Ansatz.

Einer fehlt. Hochrangige Vertreter der größten US-Hypothekengeber Bank of America und Wells Fargo, wichtige Investoren wie der Anleihenfondsverwalter Pimco und Akademiker diskutieren auf einer großen Konferenz mit Finanzminister Timothy Geithner über die Reform der beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Doch einer, der die Welt der krisengeschüttelten Unternehmen besser kennt als viele andere, sitzt nur als Pressevertreter im Publikum: Edward Pinto, ehemals Top-Manager bei Fannie Mae, heute Berater für Hypothekenfinanzierung.

"Ich war nicht eingeladen", sagt Pinto trocken. Vielleicht hat das mit seiner harschen Kritik am bestehenden System zu tun - sie sind genau das Gegenteil der Reformvorschläge, die derzeit in Washington die größte Unterstützung genießen. "Sie sollten eingestellt werden", fordert Pinto mit Blick auf Fannie Mae und Freddie Mac im Gespräch mit FTD.de.

Die Debatte um die Zukunft der Unternehmen betrachtet er mit großer Skepsis: "Wenn es im Kongress nicht einen bedeutenden Umschwung gibt, ist ein vernünftiger Kompromiss nicht möglich. Das schlimmste, aber durchaus mögliche Ergebnis wäre, dass nichts passiert."

Die Aufgabe ist in der Tat hoch komplex. Fannie Mae und Freddie Mac standen im Zentrum der Finanzkrise. Die beiden Unternehmen, zwar privatrechtlich organisiert, aber gleichzeitig Nutznießer einer implizierten Staatsgarantie, kaufen Banken Hypotheken ab, bündeln diese zu Wertpapieren, geben auch Garantien ab. In den Boomjahren vor der Krise gingen sie hohe Risiken ein - die sie im Herbst 2008 an den Rand des Kollapses brachten.

Der Staat sprang ein. Fast 150 Mrd. Dollar an Steuergeld sind bisher an Fannie Mae und Freddie Mac geflossen. Dank einer auf Jahre unbegrenzten Hilfsgarantie der Regierung könnte die Rettungsaktion noch deutlich teurer werden. Sie dürfte damit alle Rekorde brechen.

Die Zukunft der beiden Firmen ist offen. Zwar gibt es einen Konsens, dass eine Reform her muss. Wie sie aussehen soll, darüber gehen die Meinungen aber gehen weit auseinander. Verstaatlichung, Privatisierung, Abschaffung, neue staatliche Garantien - eine breite Palette von Ideen liegt auf dem Tisch. Die anhaltende Flaute am Häusermarkt erschwert die Bemühungen noch, Fehler könnten den Sektor weiter belasten und damit die gesamte Volkswirtschaft: Fannie Mae und Freddie Mac kaufen und garantieren mehr als 90 Prozent aller Hypotheken, die derzeit in den USA vergeben werden. Insgesamt ist der Markt für solche Kredite, die vom Staat garantiert werden, 5000 Mrd. Dollar groß.

An die Wurzeln des Problems gehen die bisherigen Vorschläge aus Pintos Sicht nicht heran. Die sieht der Experte - der fünf Jahre bei Fannie Mae arbeitete, zwei davon als Chief Credit Officer - in der enormen Verschuldung der Hausbesitzer. "Wir müssen zu dem Konzept der Sparsamkeit zurückkehren und der Rolle, die sie spielen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hypothekenfinanzierung künftig erneut im Zentrum einer Finanzkrise steht, ist hoch, wenn die Schulden nicht abgebaut werden. Keine politische Initiative, die bislang ergriffen wurde, geht in diese Richtung."

Hintergrund ist eine seit Jahrzehnten verfolgte Politik, die das Wohneigentum fördert. "Unser Kongress und viele Regierungen haben die Hauspolitik als Mittel für Wirtschaftswachstum und der Einkommensverteilung benutzt, über Ziele für erschwingliche Eigenheime und die Beseitigung von Anzahlungen", sagt Pinto. "Das wurde praktisch komplett außerhalb des Haushalts gemacht und wurde deshalb als kostenlos angesehen."


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