"Das läuft auf ihn hinaus." Ein enger Vertrauter von Wilhelm von Haller wusste es sofort. Und prompt kam der Anruf von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder "Joe", wie ihn von Haller nennt. Der Anruf, der von Haller zum neuen Chef von Sal. Oppenheim macht, nachdem das Luxemburger Traditionshaus in der Deutschen Bank aufgegangen ist.
Jetzt, rund ein halbes Jahr, aber nur eine einzige schlaflose Nacht später, will von Haller das Vermögensverwaltungsgeschäft von Sal. Oppenheim stabilisieren. "Das ist mein Hauptziel", sagt der Bayer. Den Kern der Bank hält er für solide. Trotzdem suchen Kunden und Mitarbeiter das Weite. Vor allem in der Hochphase der Verunsicherung bis August letzten Jahres haben die Kunden Geld abgezogen.
Kein Wunder, setzten doch die meist adligen Alteigentümer der 220-jährigen Privatbanktradition mit riskanten Derivatewetten, Großkrediten an Lieblingskunden und der fatalen Beteiligung am mittlerweile insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor ein Ende. Ihre Hinterlassenschaft ist eine Großbaustelle. 2008 wies die Bank erstmals seit 1945 einen Verlust aus, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) fürchtete den Zusammenbruch des Geldhauses. Ein ungeheurer Vorgang in der Geschichte der Nobeladresse, denn nirgends sind Seriosität und Verlässlichkeit so wichtig als Geschäftsgrundlage wie im feinen Private Banking. Schließlich sprang die Deutsche Bank ein.
"Ich habe schon immer gerne etwas gestaltet", sagt von Haller. Davon kann derzeit aber noch keine Rede sein. Der 57-jährige Betriebswirt muss erst einmal die Baustelle begehen: "Als Sofortmaßnahme habe ich mit allen Mitarbeitern gesprochen." Und mit Kunden, vor allem denen, die abwandern wollen.
Warum Ackermann ausgerechnet von Haller auserkoren hat, war zunächst unklar. Der Manager gehört zwar dem deutschen Führungsgremium der Bank an, dem Management Committee Deutschland. Zuletzt aber leitete er, der seit 1986 für die Deutsche Bank arbeitet, das mittelständische Firmenkundengeschäft in der Heimat. Mit der Vermögensverwaltung, Oppenheims Aushängeschild, hat er kaum Erfahrung. Allerdings gilt von Haller als Macher. Und sich im Kreditgeschäft auszukennen kann nach den Verquickungen der Altgesellschafter nicht schaden.
Oppenheims Investmentbanking ist mittlerweile vom Vermögensverwaltungsgeschäft getrennt und zum Großteil an die australische Bank Macquarie verkauft. Einige Mitarbeiter und Teams sind zur Konkurrenz abgewandert oder haben sich selbstständig gemacht. Die Vermögensverwaltungseinheiten für private sowie institutionelle Kunden stehen nun unter von Hallers Obhut. Das Österreichgeschäft soll bald mit dem dortigen Geschäft für vermögende Privatkunden der Deutschen Bank verschmolzen werden.



















