Die Zweifel an der Aussagekraft des europäischen Stresstests für Banken sind neu aufgeflammt. Bankaktien verzeichneten Kursverluste, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, bei der Überprüfung seien nicht die kompletten Bestände der Geldhäuser an Staatsanleihen erfasst worden. So hätten eine Reihe von Instituten Anleihen nicht gemeldet, die sie im Handelsbuch oder in Tochtergesellschaften hielten. Zur Verteidigung führten die Häuser an, sich an Anleitungen von Bankenregulierern gehalten zu haben.
Der Aktienindex Stoxx Europe 600 Banks notierte 1,2 Prozent tiefer. Der Index Markit iTraxx Senior Financials, der Kreditderivate auf 25 europäische Finanzinstitute abbildet, legte um 7 Basispunkte auf 136 zu. Auch Kreditderivate auf europäische Staaten wie Portugal und Griechenland stiegen, es kostet damit mehr, Staatsanleihen dieser Länder gegen einen Ausfall zu versichern. Der
Euro sackte ab, zum Dollar verlor er 0,6 Prozent auf 1,2742 Dollar. "Das scheint alles auf unheimliche Weise bekannt", kommentierte Lisa Pollack, Kreditanalystin bei Markit.
Zwar steckt hinter der Skepsis der Anleger auch Sorge um die Auswirkungen neuer Eigenkapitalanforderungen (Basel III), über die am Dienstag entschieden werden soll. Viele Institute werden Milliarden an frischem Kapital aufnehmen müssen, um die strikteren Vorgaben zu erfüllen. Die Marktreaktionen bestätigen aber auch, dass die europäische Schuldenkrise sich wieder in den Fokus der Investoren gedrängt hat. Risikoaufschläge und Kreditderivate der besonders beäugten Länder der Euro-Peripherie legen seit Wochen zu und erreichten teils wieder Werte, auf die sie im Frühsommer auf dem bisherigen Höhepunkt der Schuldenkrise geklettert waren.
Mit dem groß angelegten Stresstest wollten EU-Politiker Investoren beruhigen, die sich angesichts der ausufernden Verschuldung vieler Staaten um die Standhaftigkeit der Geldhäuser sorgen. Insgesamt wurden 91 Banken dem Test unterzogen, lediglich sieben fielen durch. Viele Bankmanager, Analysten und andere Beobachter hatten von Anfang an Zweifel an der Vergleichbarkeit von Daten und der Aussagefähigkeit der Überprüfung insgesamt.
Laut dem Bericht des "Wall Street Journal" wurden nur geringe Teile der Bestände an Staatsanleihen erfasst. Die vier getesteten französischen Geldhäuser etwa, die für fast 80 Prozent aller Aktiva im dortigen Banksystem stehen, hielten laut dem Testergebnis per 31. März dieses Jahres 6,6 Mrd. Euro an spanischen Verbindlichkeiten. Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gäben den Wert aber bei 34,7 Mrd. Euro an. Allerdings geht aus der Zahl nicht hervor, welche Arten von Schulden, öffentlich oder privat, in den BIZ-Zahlen enthalten sind.
Nach Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse hatte sich die Lage an den Märkten beruhigt - allerdings nicht für lange. Während die anhaltenden Probleme von Ländern wie Irland Thema bleiben dürften, rechnen Analysten nicht damit, dass die Sorgen um den Stresstest sich länger auswirken werden. Raghav Subbarao, Währungsstratege bei Barclays Capital, erwartet etwa nicht, dass sich die neuen Zweifel an der Überprüfung mittelfristig groß auf den Euro auswirken werden. "Selbst zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde die Glaubwürdigkeit der Zahlen angezweifelt, und obwohl dieser Artikel die Zweifel verstärkt, tut er das doch nur am Rande", schreibt Subbarao.
Kursinformationen + Charts
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| Software AG | 8381868 |
Quelle: ftd.de
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