17.08.2010
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Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard
Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard
Foto: reuters

Verlust von Marktanteilen

Munich-Re-Chef zweifelt an Zukunftsfähigkeit der Lebensversicherung

Bleiben Lebensversicherungen auf Dauer ein erfolgreiches Geschäft? Nikolaus von Bomhard, Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, zweifelt grundsätzliche daran. Im Interview mit Capital deutet er zudem eine Verschiebung der Schwerpunkte bei Tochter Ergo an.

Erstmals stellt ein führender Assekuranzmanager öffentlich das deutsche Modell der Lebensversicherung infrage: In einem Interview mit Capital äußerte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard grundsätzliche Zweifel am Gewinnpotenzial von Lebensversicherungen. Ökonomisch betrachtet sei dieses Segment nicht sehr ertragreich, sagte der Chef des weltgrößten Rückversicherers.

Das Modell beruht auf langfristigen Garantiezinsen für Kunden, die die Gesellschaften zurzeit angesichts der extrem niedrigen Kapitalmarktzinsen nur schwer erwirtschaften können. Das Kapitalanlagerisiko liegt bei den Versicherern – gleichzeitig stehen den Kunden mindestens 90 Prozent aller Kapitalerträge zu.

Munich Re versichert im Kerngeschäft andere Versicherer. Daneben besitzt die Gruppe eine ganze Reihe von Erstversicherern, die selbst mit Endkunden Geschäfte machen. In Deutschland ist das der Ergo-Konzern, der einer der größten Anbieter von Lebenspolicen ist.

Ergo verliert in diesem Bereich seit Jahren Marktanteile. Das beunruhigt von Bomhard nach eigenen Angaben nicht. „Die Frage muss doch lauten: Wie ertragreich ist die deutsche Lebensversicherung bei ökonomischer Betrachtung?“, sagte er. „Die Antwort: Nicht sehr ertragreich, wie übrigens auch in anderen Ländern.“ Deshalb müsse man sehr genau überlegen, in welchem Feld Munich Rewachsen wolle.

In der Schaden- und Unfallversicherung, die Autos, Gebäude, Haftpflicht- und Unfallrisiken abdeckt, behaupte sich Ergo dagegen gut im Markt, sagte von Bomhard. „Sie liefert überdurchschnittliche Ergebnisse.“ Munich Re hatte vor Kurzem Hamburg-Mannheimer, Victoria und KarstadtQuelle unter dem Markennamen Ergo zusammengeführt. Für von Bomhard „ein logischer Schritt“, nachdem die Verwaltungsfunktionen bereits vereint worden waren.


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