Nach Abschluss des europäischen Bankenstresstests hat der Generalsekretär des federführenden Aufsichtsgremiums CEBS, Arnoud Vossen, Deutschland und die deutschen Banken attackiert - und ihnen vorgeworfen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. "Wir waren uns mit allen Aufsichtsbehörden und den Banken einig, dass jede Bank ihre Staatsanleiherisiken offenlegt", sagte Vossen der "Financial Times". Tatsächlich veröffentlichten am Freitag aber nur acht der 14 getesteten deutschen Banken, wie viele solcher Schuldtitel sie besitzen.
Damit setzt sich der Streit zwischen der deutschen Kreditbranche und den europäischen Partnern um die Bekanntgabe der Ergebnisse auch über die eigentliche Veröffentlichung hinaus fort. Die deutschen Banken hatten sich lange dagegen gewehrt, Details zu veröffentlichen. Auch Bundesbankchef Axel Weber sah das Vorhaben skeptisch. Deutschland war damit aber recht allein.
Für die Banken, die ihre Portfolios nicht offenlegten - die
Deutsche Bank, die
Postbank, die Landesbank Berlin, die
DZ Bank, die WGZ Bank und auch die verstaatliche
Hypo Real Estate -, besteht damit das Risiko, dass der Eindruck entsteht, sie hätten etwas zu verbergen. Europaweit legte von den 91 getesteten Banken sonst nur die griechische ATE-Bank ihre Bestände nicht offen.
Teils harsche Kritik an dem Stresstest insgesamt kam am Wochenende vor allem von Wissenschaftlern und Marktteilnehmern. Sie kritisierten, der Test sei nicht hart genug gewesen und sorge nicht für genug Transparenz. Die Mehrzahl geht entsprechend davon aus, dass die Märkte nicht endgültig beruhigt sind.
Aber auch Politiker übten Kritik. "Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht", sagte etwa der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler. "Das ist eher Freizeitstress als richtiger Stress, der da modelliert wurde", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold.
Hintergrund der Bedenken ist auch, dass von den 91 Banken insgesamt nur sieben Institute durchfielen - neben der HRE fünf kleinere spanische Sparkassen und die griechische ATE-Bank. Die nationalen Aufseher wie Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin, verteidigten die Prüfung aber gegen überzogene Kritik.
"Der Test ist hart", sagte Sanio. Die Aufseher räumten aber genau wie verantwortliche Politiker und Finanzexperten ein, dass es nach dem Stresstest nun weitergehen müsse, dem Banken- und Finanzsystem international neue Regeln zu setzen - etwa über höhere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen und Lösungen für zu große Banken.
Durchgefallen / Kernkapitalquote in Prozent und Finanzbedarf in Mio. Euro
Institut |
vor Stresstest* |
nach Stresstest** |
Finanzbedarf |
|---|---|---|---|
Diada (SP) |
6,6 |
3,6 |
1032 |
Cajasur (SP) |
1,8 |
4,3 |
208 |
ATE-Bank (GR) |
9,4 |
4,4 |
243 |
Unnim (SP) |
7,2 |
4,5 |
270 |
Hypo Real Estate (D) |
9,4 |
4,7 |
1245 |
Banca Cívica (SP) |
9,6 |
4,7 |
406 |
Espiga (SP) |
8,6 |
5,6 |
127 |
*) Stand Ende 2009; **) für Ende 2011; Quelle: CEBS
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| DZ BANK AG DEUT.ZENTRAL-GEN. | DE0008049636.F | ||||
| Deutsche Bank | DE0005140008.DE | ||||
| Hypo Real Estate Holding AG Stammaktien | DE0008027707.DE | ||||
| Dt. Postbank | DE0008001009.DE |
Quelle: ftd
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