26.07.2010
Marktteilnehmer und Wissenschaftler kritisierten den Stresstest als zu lasch
Marktteilnehmer und Wissenschaftler kritisierten den Stresstest als zu lasch
Foto: Getty

Streit um Transparenz

Deutsche Banken erzürnen Stresstester

von Mark Schrörs, Nina Luttmer und Peter Ehrlich

91 Banken haben beim Stresstest mitgemacht. 84 davon legten den Prüfern wie gewünscht ihre Staatsanleiherisiken offen. Unter den sieben Transparenzsündern sind sechs deutsche Banken - darunter auch die Deutsche Bank.

Nach Abschluss des europäischen Bankenstresstests hat der Generalsekretär des federführenden Aufsichtsgremiums CEBS, Arnoud Vossen, Deutschland und die deutschen Banken attackiert - und ihnen vorgeworfen, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. "Wir waren uns mit allen Aufsichtsbehörden und den Banken einig, dass jede Bank ihre Staatsanleiherisiken offenlegt", sagte Vossen der "Financial Times". Tatsächlich veröffentlichten am Freitag aber nur acht der 14 getesteten deutschen Banken, wie viele solcher Schuldtitel sie besitzen.

Damit setzt sich der Streit zwischen der deutschen Kreditbranche und den europäischen Partnern um die Bekanntgabe der Ergebnisse auch über die eigentliche Veröffentlichung hinaus fort. Die deutschen Banken hatten sich lange dagegen gewehrt, Details zu veröffentlichen. Auch Bundesbankchef Axel Weber sah das Vorhaben skeptisch. Deutschland war damit aber recht allein.

Für die Banken, die ihre Portfolios nicht offenlegten - die Deutsche Bank, die Postbank, die Landesbank Berlin, die DZ Bank, die WGZ Bank und auch die verstaatliche Hypo Real Estate -, besteht damit das Risiko, dass der Eindruck entsteht, sie hätten etwas zu verbergen. Europaweit legte von den 91 getesteten Banken sonst nur die griechische ATE-Bank ihre Bestände nicht offen.

Teils harsche Kritik an dem Stresstest insgesamt kam am Wochenende vor allem von Wissenschaftlern und Marktteilnehmern. Sie kritisierten, der Test sei nicht hart genug gewesen und sorge nicht für genug Transparenz. Die Mehrzahl geht entsprechend davon aus, dass die Märkte nicht endgültig beruhigt sind.

Aber auch Politiker übten Kritik. "Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht", sagte etwa der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler. "Das ist eher Freizeitstress als richtiger Stress, der da modelliert wurde", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold.

Hintergrund der Bedenken ist auch, dass von den 91 Banken insgesamt nur sieben Institute durchfielen - neben der HRE fünf kleinere spanische Sparkassen und die griechische ATE-Bank. Die nationalen Aufseher wie Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin, verteidigten die Prüfung aber gegen überzogene Kritik.

Gefunden bei
www.ftd.de

"Der Test ist hart", sagte Sanio. Die Aufseher räumten aber genau wie verantwortliche Politiker und Finanzexperten ein, dass es nach dem Stresstest nun weitergehen müsse, dem Banken- und Finanzsystem international neue Regeln zu setzen - etwa über höhere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen und Lösungen für zu große Banken.

Durchgefallen / Kernkapitalquote in Prozent und Finanzbedarf in Mio. Euro

Institut

vor Stresstest*

nach Stresstest**

Finanzbedarf

Diada (SP)

6,6

3,6

1032

Cajasur (SP)

1,8

4,3

208

ATE-Bank (GR)

9,4

4,4

243

Unnim (SP)

7,2

4,5

270

Hypo Real Estate (D)

9,4

4,7

1245

Banca Cívica (SP)

9,6

4,7

406

Espiga (SP)

8,6

5,6

127

*) Stand Ende 2009; **) für Ende 2011; Quelle: CEBS


Kursinformationen + Charts

UnternehmenISIN
DZ BANK AG DEUT.ZENTRAL-GEN.DE0008049636.F  Detailinformationen
Deutsche BankDE0005140008.DE  Detailinformationen
Hypo Real Estate Holding AG StammaktienDE0008027707.DE  Detailinformationen
Dt. PostbankDE0008001009.DE  Detailinformationen

Quelle: ftd
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