27.07.2010
Bankchef Josef Ackermann zeigte sich trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten zuversichtlich
Bankchef Josef Ackermann zeigte sich trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten zuversichtlich
Foto: dpa-PA

Stotterndes Investmentbanking

Marktturbulenzen treffen Deutsche Bank

von Christine Mai

Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten gehen auch an Deutschlands größtem Geldhaus nicht vorüber: Der Nettogewinn schrumpft im Vergleich zum ersten Vierteljahr auf 1,2 Mrd. Euro. Bankchef Ackermann zeigt sich optimistisch, Investoren reagieren erfreut.



Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Euro verdient und damit die Erwartungen übertroffen. Vor Steuern fiel ein Plus von 1,5 Milliarden Euro an. Die Nettoerträge lagen bei 7,2 Milliarden Euro. In dem Ergebnis enthalten sind einige Sondereffekte, darunter eine Abschreibung auf ein Immobilienprojekt von 124 Millionen Euro und ein Plus von 101 Millionen Euro, das aus der Wertsteigerung eigener Verbindlichkeiten entstand.

Bankchef Josef Ackermann zeigte sich trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten zuversichtlich. "Die globale wirtschaftliche Aktivität wird sich wahrscheinlich verstärken, und das neue Regelwerk nimmt Formen an. Das stellt uns vor Herausforderungen, aber auch Chancen." Im Kapitalmarktgeschäft gewinne die Deutsche Bank Marktanteile. Investoren reagierten erfreut: Die Aktie lag am Vormittag knapp drei Prozent im Plus.

Deutsche Bank
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Vom Datendienstleister Bloomberg befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Nettoergebnis von 1,05 Milliarden Euro gerechnet. Im ersten Vierteljahr hatte das Institut noch einen Reingewinn von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, vor Jahresfrist fiel unter dem Strich ein Plus von 1,07 Milliarden Euro an.

Das Geldhaus ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen und hatte in den vergangenen Quartalen vom Boom an den Kapitalmärkten profitiert. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Das Papier hat in diesem Jahr fast zwei Prozent gewonnen - während der Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index, der 54 Titel abbildet, 2,3 Prozent einbüßte.



Sorgen um ein Zurückrutschen in die Rezession und die Schuldenkrise in Europa haben Anleger allerdings in den vergangenen Monaten enorm verunsichert. Auf den Kapitalmarkt ausgerichtete Geldhäuser bekommen dies in Form von niedrigeren Einnahmen etwa aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen zu spüren. Konkurrenten wie Goldman Sachs und Credit Suisse haben daher für das zweite Vierteljahr bereits deutliche Gewinneinbußen vermeldet.

Auch die Deutsche Bank konnte sich dem Trend nicht entziehen. Im Investmentbanking schrumpften die Erträge auf 3,6 Milliarden Euro. Im Vorquartal waren noch knapp 6 Milliarden Euro angefallen. Der Vorsteuergewinn der Sparte ging deutlich von 2,6 auf 779 Milliarden Euro zurück. Vor allem der Handel verzeichnete erhebliche Rückgänge: Hier schnurrten die Erträge von 4,7 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro zusammen. Auch im Vergleich zum Vorjahresquartal gingen die Einnahmen zurück.

Ackermann hat als Ziel ausgegeben, die Abhängigkeit des Instituts von dem sehr schwankungsanfälligen Segment zu verringern. So hat das Geldhaus etwa die Privatbank Sal. Oppenheim erworben, um das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden zu stärken, und ist mit der Option auf eine Übernahme bei der im Massengeschäft starken Postbank eingestiegen.

Diese als stabil geltenden Sparten hatten zuletzt geschwächelt, steigerten sich aber im zweiten Quartal etwas. Das Segment, in dem die Vermögensverwaltung und das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden gebündelt sind, steigerte das Ergebnis auf 45 Millionen Euro. Im Vorquartal waren 12 Millionen Euro aufgelaufen, vor Jahresfrist ein Verlust von 85 Millionen Euro. Im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden legte der Gewinn von 189 Millionen Euro im ersten Vierteljahr auf 233 Millionen Euro zu. Es war das beste Ergebnis seit dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Diese stabilen Geschäftsfelder müssten sich allerdings noch erheblich steigern, damit die Bank ihr ehrgeiziges Ziel erreicht, 2011 einen Vorsteuergewinn von 10 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Im Zwischenbericht warnt das Institut davor, das anhaltend niedrige Zinsnivau könne das Ziel gefährden: "Während einige der Faktoren in Bezug auf das Wettbewerbsumfeld mit unseren Annahmen übereinstimmen oder diese übertroffen haben, haben andere das erwartete Niveau noch nicht erreicht, insbesondere hinsichtlich der Normalisierung des Zinsniveaus."

Die Eigenkapitalrendite belief sich gemessen an der Zieldefinition der Bank, bei der bestimmte Effekte herausgerechnet werden, auf 13,1 Prozent. Sie war damit weit entfernt von dem Ziel von 25 Prozent, an dem Ackermann trotz heftiger Kritik festhält.

Die Kernkapitalquote (Tier 1) lag mit 11,3 Prozent leicht höher als Ende des ersten Vierteljahrs. In dem EU-weiten Stresstest, dessen Ergebnisse am vergangenen Freitag veröffentlicht wurden, war die Kennzahl im schärfsten Szenario deutlich auf 9,7 Prozent gefallen. Die Deutsche Bank war eines von nur wenigen Instituten, das sein Engagement bei Staatsanleihen von Ländern der Euro-Zone bei der Veröffentlichung der Resultate nicht detalliert offenlegte. Das führte zu Kritik, es wird erwartet, dass das Geldhaus sich am Dienstag zu dem Thema äußert.


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Quelle: ftd.de
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