Der Aufsichtsratschef der skandalträchtigen HSH-Nordbank will bis auf weiteres an seinem umstrittenen Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher festhalten. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) plant Hilmar Kopper für Donnerstagnachmittag eine entsprechende Mitteilung, nachdem er zuvor den Aufsichtsrat über seinen Entschluss informiert hat. Es gilt als sicher, dass das Gremium seiner Linie folgt.
Damit ist zwar ein Vakuum an der Spitze der Landesbank fürs Erste abgewendet, allerdings droht die Unsicherheit durch die Schlammschlacht um Nonnenmacher die Bank für die nächsten Monate zu lähmen.
Nonnenmacher wird seit einigen Tagen vorgeworfen, die Trennung von seinem ungeliebten Mitvorstand Frank Roth vor gut einem Jahr durch möglicherweise unerlaubte Spitzelmethoden betrieben zu haben. Kopper hattte in den vergangenen Tagen den Vorgang noch einmal von externen Juristen durchleuchten lassen und sei zu dem Entschluss gekommen, Nonnenmachers Handeln sei in Bezug auf die Trennung von Roth akzeptabel gewesen, heißt es.
Der inzwischen suspendierte Chefjustitiar der Bank hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft angegeben, er habe zusammen mit Nonnenmacher Dokumente für Vorstände präpariert. So wollten die beiden herausfinden, ob einer der Vorstände Interna unerlaubt an die Öffentlichkeit weitergibt. Erst nachdem die Aktion beendet und Roth vermeintlich überführt worden war, hatte der Chefjustitiar den Präsidialausschuss des Aufsichtsrats über die gemeinsame Aktion mit Nonnenmacher informiert.
Namhafte Juristen sind der Auffassung, dies hätte vor Start der Aktion geschehen müssen. Allerdings ist dies ein Graubereich. "Kopper hat sich für Nonnenmacher entschieden, weil es auch Argumente für die Aktion gibt. Nonnemacher wollte rasch Gefahr von der Gesellschaft abwenden", sagte ein HSH-Insider.
Allerdings sind inzwischen weitere Details bekannt geworden, die nahe legen, dass bei der HSH ein weit umfangreicheres Spitzel-System existiert hat. Das will Kopper nun durch die Anwaltskanzlei Wilmer Hale überprüfen lassen. Sollten die Ergebnisse Nonnenmacher belasten, würde der seinen Job voraussichtlich verlieren.
So werden dem Aufsichtsrat morgen etwa bereits erste Erkenntnisse über die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Chef der New Yorker Niederlassung der HSH präsentiert. Der Manager und die HSH Nordbank hatten sich ebenfalls vor wenigen Monaten getrennt. Dabei hat der Banker nach FTD-Informationen eine vergleichsweise hohe Abfindung zugesprochen bekommen.
Grund seien ebenfalls Spitzelversuche gegen ihn gewesen, die er in den Verhandlungen über seine Abfindung gegen die Bank habe verwenden können, heißt es in der HSH Nordbank. Ob Nonnenmacher von der Praxis wusste, wird entscheidend für seinen Verbleib im Amt sein. Die deutsche Antwältin des ehemaligen New Yorker Statthalters der HSH teilte auf Anfrage mit, ihr Mandant wolle sich zum Sachverhalt nicht äußern.
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