An einem Abend im Februar 2009 schreiten die Männer zur Tat. Es ist nach 21 Uhr. Draußen ist es schon lange dunkel, die beiden Herren sind allein im Büro des Vorstandschefs. Sie öffnen einen Briefumschlag, entnehmen sieben Dokumente, versehen mit gelben Post-its, darauf die Vermerke V1 bis V7, jeweils eingetütet in Klarsichthüllen.
Es sind sieben verschiedene Versionen des vermeintlich gleichen Dokuments, minimal verändert durch das Sachverständigenbüro Niehoff & de Jong, Experten für Schrift- und Urkundenuntersuchungen. Die beiden Männer beschließen, vier der Dokumente zu verschicken - eines für jeden Vorstand der HSH-Nordbank.
Die Männer sind der Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher und sein Chefjustiziar Wolfgang Gößmannn. "Prof. Nonnenmacher hat eigenhändig weiße DIN A 4 Umschläge beschriftet, 'persönlich, vertraulich' und den Namen des jeweiligen Vorstandes darunter", wird Gößmann später bei seiner Vernehmung durch die Kieler Staatsanwaltschaft als Zeuge zu Protokoll geben. Das Dokument liegt der Financial Times Deutschland (FTD) vor.
Der Plan: Nonnenmacher und Gößmann wollen ein Datenleck aufdecken, das sie im Vorstand vermuten, denjenigen entblößen, der Interna über das Ausmaß der Probleme des Instituts in der Bankenkrise an die Presse durchsticht. Dafür die frisierten Dokumente. Sollten Einzelheiten nach draußen gelangen, will Nonnenmacher sich das Schriftstück besorgen und anhand der kleinen Veränderung identifizieren.
Tatsächlich taucht das Papier in der Öffentlichkeit auf, es wurde Nonnenmacher anonym aus England zurückgesandt, die Absenderadresse ist identisch mit dem Sitz der Tageszeitung "Guardian". Das Dokument lässt sich Vorstand Frank Roth zuordnen, der wenig später entlassen wird.
Dies ist die offizielle Version der HSH-Nordbank über die Vorgänge im Winter vergangenen Jahres. An der sich jetzt jedoch die Zweifel mehren.
Die Episode aus dem vergangenen Winter holt nun die Bank und ihren Chef Nonnenmacher ein. Die Kritik an der Vorgehensweise des selbstbewussten Vorstandvorsitzenden wird täglich lauter. Die Vorwürfe reichen von Kompetenzüberschreitung bis hin zur Manipulation, die ihn von einem unliebsamen Kollegen befreite.
Zugleich mehren sich Hinweise, dass bei der HSH ein ausgefeiltes Überwachungssystem installiert wurde. Eine brisante Enthüllung, die Nonnenmacher am Donnerstag in der Aufsichtsratssitzung wird erklären müssen.


















