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26.08.2010
Hilmar Kopper ist Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank
Hilmar Kopper ist Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank
Foto: AP

Rückendeckung für HSH-Chef

Koppers Nibelungentreue zu HSH-Chef Nonnenmacher

von Rolf Lebert

In Hamburg tagt der Aufsichtsrat der Nordbank. Das alles beherrschende Thema: die Abhöraffäre und die Frage, inwieweit Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher darin verwickelt ist. Auf seinen obersten Kontrolleur kann er sich verlassen - noch.

Er ist Bankier vom Scheitel bis zur Sohle, knorrig und zugleich weltgewandt im Auftreten - Hilmar Kopper, das ist ganz alte Schule. Und: Der inzwischen 75 Jahre alte Westpreuße ist Weggefährten treu fast bis in den Untergang. Diese Eigenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere, die zum Ende hin noch einmal so viel Aufregung bereithält wie zuletzt vielleicht 1994. Seinerzeit war Kopper Chef der Deutschen Bank, und auf einer Pressekonferenz nannte er den Schaden von 50 Mio. D-Mark, der den von Immobilienpleitier Jürgen Schneider beauftragten Handwerkern entstanden war, "Peanuts". Ein Wort, das zur Legende geworden ist.

Heute ist Kopper Aufsichtsratsvorsitzender der HSH, und bei der geht es selten um Erdnüsse, sondern meist um Staatshilfen in Milliardenhöhe und dubiose Vorgänge in der Chefetage. Doch auch bei der Nordbank macht der Ehemann von Brigitte Seebacher-Brandt, der Witwe Willy Brandts, seinem Ruf als treuer Chef alle Ehre. Davon profitiert einstweilen auch HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher.

So wie im September 2009. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitet gegen Nonnenmacher und andere ein Ermittlungsverfahren wegen einer womöglich ungerechtfertigten Geldüberweisung der HSH an die Investmentbank Goldman Sachs ein. Vorwürfe werden laut, Nonnenmacher sei für ein Ende 2007 abgeschlossenes Kreditgeschäft verantwortlich, bei dem die HSH 500 Mio. Euro verloren hat.

Für Kopper kein Problem. Er reagiert mit einer Ehrenerklärung für Nonnenmacher, der sein "uneingeschränktes Vertrauen" genieße. Jedwede Angriffe nennt er "bösartig". Und er geht noch weiter. Zu Nonnenmacher gewandt sagt er: "Er ist die Voraussetzung, dass ich überhaupt hier bin."

Oder 1993. Auch seinerzeit stellt sich Kopper kompromisslos und gegen heftige Widerstände und Anfeindungen hinter einen Kollegen. Kopper ist Deutsche-Bank-Chef, sein Vorstandskollege Ronaldo Schmitz sieht sich heftigen Anfeindungen wegen seiner Rolle als Aufsichtsratschef der Metallgesellschaft ausgesetzt. Das Traditionsunternehmen hat sich mit Ölkontrakten verspekuliert, Schmitz dringt darauf, sämtliche Verluste zu realisieren - womit er die Metallgesellschaft an den Rand der Pleite manövriert. Schließlich werden die Aktionäre für den Verlustausgleich herangezogen, was regelrechte Hassattacken gegen Schmitz provoziert. Kopper lässt sich davon nicht beirren und stärkt Schmitz demonstrativ den Rücken.

Oder 2004. Da ist Kopper Aufsichtsratschef von DaimlerChrysler, und der Vorstandschef des Autobauers, Jürgen Schrempp, träumt noch immer von seiner "Welt AG" - gegen viele Kritiker und mit Koppers Rückendeckung. Der bekennt sich sogar dann noch zu Schrempp, als die Realität dessen Visionen längst desavouiert hat und Daimler hohe Milliardenverluste beschert. Den Ärger der Aktionäre auf die Spitze treibt Kopper, als er im Frühjahr Schrempps Vertrag vorzeitig verlängert. Ende 2005 schließlich endet die Ära Schrempp, im April 2007 scheidet auch Kopper nach 17 Jahren an der Spitze des Daimler-Aufsichtsrats aus.

Die aktuellen Vorwürfe gegen Nonnenmacher indes könnten Koppers Durchhaltewillen auf seine bisher schwerste Belastungsprobe stellen. Wenn zutrifft, was verschiedene Quellen behaupten, dann ist der HSH-Chef direkt verantwortlich für die womöglich illegale Überwachung des im April 2009 fristlos entlassenen Vorstands Frank Roth. Roth stand im Verdacht, Interna aus dem Vorstand in die Öffentlichkeit lanciert zu haben. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft Ende Juni 2010 ihre Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Sie kritisiert die Bank scharf, weil sie Roth "auf bloße Vermutungen" hin und "rein spekulativ" eine Straftat zur Last gelegt habe.

Als Roth vor Kurzem Rehabilitation und Entschädigung forderte, wies Kopper ihn in der ihm eigenen Direktheit zurück: "Für ein Arrangement mit Ihnen" sei nicht zuletzt wegen "einer meines Erachtens ganz eindeutigen Indizienlage" weder "moralisch noch rechtlich irgendein Raum", schrieb er am 20.Juli an Roth. Unausgesprochen bezog Kopper damit ein weiteres Mal klar Position für Nonnenmacher.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

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