In der Euro-Zone wächst die Kluft zwischen den Banken aus Peripherieländern und den Geldhäusern der Kernstaaten. Finanzinstitute aus Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien hängen bei ihrer Refinanzierung von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab: Weil sie auf dem Interbankenmarkt nur zu hohen Aufschlägen Geld bekommen, sind sie in großem Maß auf die Liquidität der Zentralbank angewiesen.
Spanische Banken riefen im Juli bei der EZB die Rekordsumme von 130,2 Mrd. Euro ab. Das sind 3,1 Prozent mehr als im Juni. Die griechischen Banken liehen sich im Juli 96,2 Mrd. Euro, nach 93,8 Mrd. Euro im Juni. "Angesichts der noch nie da gewesenen Liquiditätsklemme im Interbankenmarkt und den horrenden Abflüssen im Einlagengeschäft ist die EZB der einzige Liquiditätslieferant", schreibt die griechische Bank HSBC Pantelakis.
Gegensätzlich ist die Entwicklung in Österreich. Im Juli halbierte sich die EZB-Finanzierung von 24,2 Mrd. Euro im Vormonat auf 10,5 Mrd. Euro. Im Vergleich zu Ende 2008, als die österreichischen Institute das Rekordvolumen von 41,3 Mrd. Euro nachfragten, entspricht das einem Rückgang von 75 Prozent.
Für die EZB wird die Spaltung zwischen Peripherie und Kern zunehmend ein Problem. Die Zentralbank zieht sich schrittweise aus den Nothilfen für das Finanzsystem und die Wirtschaft zurück. Der Erwerb von besicherten Anleihen ("Covered Bonds") ist beendet. Das Volumen der Staatsanleihen-Käufe sank in der 13. Woche auf das bisherige Tief von 9 Mio. Euro. Zudem stellte die EZB die sechs- und zwölfmonatigen Tender ein - und wird vielleicht ab Oktober bei den Dreimonatskrediten von der Vollzuteilung abrücken.
Allerdings könnte sich der Ausstieg wegen der Diskrepanz zwischen den Ländern verkomplizieren, sagte Nick Matthews, Europavolkswirt bei der Royal Bank of Scotland: "Die große Abhängigkeit in den Peripherieländern macht den Entscheidungsprozess der EZB schwieriger. Es könnte dazu führen, dass sie die Vollzuteilung bis in das nächste Jahr hinein beibehalten wird." Es sei sogar nicht auszusschließen, dass die EZB neue Hilfsprogramme auflegen müsste, sofern sich die Situation in der Peripherie verschlechtern sollte.


















