Während es in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts noch fast 1400 privat geführte Geldhäuser gab, sind es heute kaum mehr als zwei Handvoll.
Die Gründe dafür sind vielfältig: die Bankenkrise 1931, die Enteignung der Juden durch die Nationalsozialisten, das Aufkommen der Großbanken sowie die wachsende Bedeutung von Sparkassen und genossenschaftlichen Kreditinstituten.
Dennoch sind Banken in Familienbesitz bis heute bei betuchten Kunden äußerst beliebt, gelten sie doch als besonders diskret und gewandt in finanziellen Dingen. Das Bild der ehrbaren Kaufleute, die Geldhäuser leiten, die sich vollständig im Besitz einer Bankiersfamilie befinden und für die sie mit ihrem vollen Privatvermögen haften, gefällt den Reichen. Es strahlt Integrität, Solidität, Beständigkeit, Exklusivität und Unabhängigkeit aus.
Kein Produktverkauf wie bei Großbanken, die für den Quartalsbericht die Rendite steigern wollen.
Doch die Realität sieht oft anders aus. Auch Privatbankiers übertreiben es gelegentlich mit dem Risiko. Das belegen zahlreiche Skandale, jüngstes Beispiel ist Sal. Oppenheim: Die Luxemburger Traditionsadresse verlor 2009 nach 220 Jahren ihre Unabhängigkeit an die Deutsche Bank. Die Bankführung, allesamt persönlich haftende Gesellschafter, hatten sich verspekuliert, Lieblingskunden wie Madeleine Schickedanz Großkredite gegeben und sich übernommen, die Kontrolle durch Dritte fehlte. Die Eigentümer, fast allesamt Mitglieder oder Nachfahren der Adelsgeschlechter von Oppenheim und von Ullmann, ließen die Bankführung gewähren.
Oppenheim ist kein Einzelfall: Auch die Hamburger Privatbank Schröder Münchmeyer Hengst brach 1983 fast zusammen und ging nach der gemeinschaftlichen Rettung durch 20 deutsche Banken 1997 schließlich in der Schweizer UBS auf. Delbrück schloss sich in Notzeiten 2004 mit Bethmann und Maffei zusammen und landete in den Armen der niederländischen ABN Amro. Die Gontard & Metallbank 2002 und die Privatbank Reithinger 2006 mussten Insolvenz anmelden.
Schnappen sich Großbanken eine Privatbank, kommen sie mit den traditionsreichen Marken an eine Klientel heran, die ihnen anderenfalls verwehrt bliebe. So hat es neben der Deutschen Bank auch der britische HSBC-Konzern mit der Düsseldorfer Trinkaus & Burkhardt und der Versicherer Signal Iduna mit dem Hamburger Geldhaus Donner gemacht. Jetzt steht auch die Frankfurter BHF-Bank vor einem erneuten Eigentümerwechsel.
Was bleibt, ist häufig nur der alte Name. Und natürlich die goldene Klingel.











