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22.02.2011
Spielen Vermögensverwalter ein böses Spiel?
Spielen Vermögensverwalter ein böses Spiel?

Niedrige Gewinne

Wertpapierhändler rechnen sich auf Hartz-IV-Niveau

von Heinz-Roger Dohms

Deutschlands Wertpapierhändler und Vermögensverwalter stehen beim Bund mit 130 Mio. Euro in der Kreide. Gegen das Zurückzahlen hilft vor allem eines: sich arm rechnen.

Man möchte Mitleid haben mit dem renommierten Düsseldorfer Wertpapierhaus Lang & Schwarz. Da handeln die Mitarbeiter jeden Tag Millionen von Aktien, plagen sich nebenher mit Derivaten und anderem kompliziertem Zeugs herum - und was kommt dabei herum: fast nichts. Die Jahresüberschüsse zwischen 2007 und 2009 betrugen 345,45 Euro, 1837,61 Euro und 7525,01 Euro. Bitter.

Bitter? Wirklich? Nein, natürlich ist es kein Zufall, wenn eine Gesellschaft, deren Bilanzsumme im zweistelligen Millionenbereich liegt, immer wieder auf einen Gewinn kommt, der irgendwo zwischen dem Monats- und dem Jahreseinkommen eines Hartz-IV-Empfängers changiert. Die Profitminimierung hat System. Und der Grund dafür heißt Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen, kurz EdW.

Die EdW ist für Wertpapierhändler und Vermögensverwalter das, was die normalen Einlagensicherungen für die Banken sind - mit dem Unterschied, dass die EdW-Beiträge prozentual um ein Vielfaches höher sind. Hintergrund ist der Betrugsfall Phoenix von 2005. Für dessen Schaden, der mehrere Hundert Millionen Euro beträgt, sollen die rund 800 EdW-Mitglieder aufkommen.

Doch viele haben dazu keine Lust - beziehungsweise: Sie könnten es sich auch nur schwerlich leisten. "Das würde auf Jahre hinaus einen großen Teil unseres Gewinns auffressen", heißt es bei einem Vermögensverwalter. Die Konsequenz: Fürs Erste ist der Bund mit einem Kredit über knapp 130 Mio. Euro bei der EdW eingesprungen, damit die Opfer der Investmentfirma zumindest teilweise entschädigt werden können.

Die EdW-Beiträge bemessen sich normalerweise am Umsatz. 7,7 Prozent davon müsste Lang & Schwarz eigentlich als Jahresgebühr an die EdW überweisen, 2008 wären das bei einem Ertrag von 6,3 Mio. Euro rund 480.000 Euro gewesen. Das indessen ist wohlgemerkt nur der reguläre Beitrag. Für die Rückzahlung des Kredits vom Bund kommt seit 2010 noch einmal das 3,6-Fache des Jahresbeitrags obendrauf. Nun gibt es aber in der Beitragsverordnung eine Klausel, nach der die Zahlungen bestimmte Anteilsgrenzen am Gewinn nicht überschreiten dürfen. Wer also kaum Profit macht, ist fein raus.

Im Jahr 2007 behalf sich Lang & Schwarz mit einer millionenschweren Rückstellung, um den Gewinn und damit den EdW-Beitrag kleinzurechnen. Als Begründung diente ironischerweise das Risiko eines drohenden EdW-Sonderbeitrags durch die Phoenix-Pleite. 2008 schloss das Finanzministerium das Schlupfloch, wonach Rückstellungen vom EdW-Beitrag absetzbar sind. Im gleichen Jahr löste Lang & Schwarz die Rückstellungen auf. Der Gewinn stieg dadurch aber nicht. Stattdessen schwoll plötzlich ein Rücklagenposten für "allgemeine Bankrisiken" an. Im Jahr 2007 betrug dieser noch 4,0 Mio. Euro, 2009 dann schon 11,3 Mio. Euro.

Treibt Lang & Schwarz ein böses Spiel? In der Branche sieht das kaum jemand so. Auch andere EdW-Mitglieder würden ihre Beiträge kleinrechnen, heißt es, wenn auch nicht ganz so offensichtlich. Zudem: Manche Anbieter sind längst ins Ausland geflohen, andere haben sich zur Vollbank umfirmiert und entgehen auf dem Weg der EdW-Belastung. Auch das Finanzministerium - also der Kreditgeber - hat nichts einzuwenden. Denn: Die Politik will ja, dass die Finanzhäuser ihren Reserven stärken.

Lang & Schwarz selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Fürs Jahr 2010 hat die Handelsbank mal wieder den EdW-Mindestbeitrag überwiesen: 1050 Euro.


Quelle: ftd.de
© 2011 capital.de

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