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04.10.2011
Dexia
Dexia
Foto: reuters

Liquiditätsprobleme

Europa und sein jüngstes Bankenproblem

von Leo Klimm

Das französisch-belgische Geldhaus Dexia kämpft um seine Existenz. Die Lage wird dadurch verschärft, dass Moody's droht, das Rating des Unternehmens zu kappen. Die Aktie verliert kräftig. Hinter den Kulissen laufen Rettungsbemühungen.

Die französisch-belgische Bank Dexia kämpft um ihre Existenz. Nachdem die Ratingagentur Moody's am Montag die Herabstufung der Bonität angedroht hatte, beraumte der Dexia-Verwaltungsrat eilig eine Sondersitzung an. Dabei dürfte es um Liquiditätsprobleme gegangen sein, die sich durch eine schlechtere Bewertung der Kreditfähigkeit noch verschärfen würden.

Während Frankreichs Finanzminister Francois Baroin sich nicht öffentlich äußerte, versicherte sein belgischer Amtskollege Didier Reynders, beide Länder stünden "hinter ihren Banken, sei es Dexia oder eine andere". Auch der luxemburgische Minister Luc Frieden, dessen Land ebenfalls an Dexia beteiligt ist, versuchte zu beruhigen: "Es gibt keinen Grund für besondere Sorge", sagte er. Die Dexia-Aktie verlor dennoch 10 Prozent.

Obgleich wenig überraschend, wirkt die Einschätzung von Moody's verheerend auf das Vertrauen in Dexia. Die Ratingagentur bestätigt darin Befürchtungen, dass das Geldhaus wegen der starken Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung bald das Geld ausgehen könnte. Der Umstand, dass die mittel- und langfristige Refinanzierung für europäische Banken schwierig geworden sei, könne "Dexia veranlassen, ein wenig mehr auf kurzfristige Finanzierung zurückzugreifen, was wahrscheinlich zu einer Verringerung der verfügbaren Liquiditätsreserven führt", so Moody's. Vergangene Woche hatte bereits die Agentur Fitch "strukturelle Schwächen" ausgemacht, die eine Verkleinerung der Dexia-Bilanz und Zugang zu Kapital erschweren würden. Hinzu kommt, dass das Institut - wie andere französische Banken - Risiken in Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Italien besonders ausgesetzt ist. Einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Les Echos" zufolge prüft der Dexia-Konzern, der zu mehr als der Hälfte in öffentlichem Besitz ist, unter anderem den Verkauf von Vermögenswerten von 20 Mrd. Euro.

"Wir sehen uns gerade die Bank als Ganzes an und suchen zuerst nach der besten Möglichkeit, aus dem Schlamassel zu finden", so Reynders. Um den Banken zu helfen, müsse vor allem Griechenland geholfen werden, sagte er mit Blick auf die Euro-Staaten, die den zweiten Rettungsplan für Griechenland noch nicht ratifiziert haben. Der Plan, so das Kalkül, werde das Vertrauen der Anleger stärken.

Experten spekulieren jedoch bereits, dass Staatshilfe für Dexia nötig wird. So schätzt Natixis-Analyst Alex Koagne den Kapitalbedarf von Dexia auf 5 Mrd. Euro, damit die Bank die verschärften Eigenkapitalregeln unter Basel III erfüllen kann.

Französische Medien berichten, die Regierung in Paris spiele eine Abspaltung der Sparte für Gemeindefinanzierung durch. Demnach prüft Frankreich die Zusammenführung dieses Bankenteils mit der Staatsbank Caisse des Dépots und der einlagenstarken Postbank. In Frankreich ist Dexia zuletzt auch in der breiten Öffentlichkeit unter Druck geraten. Das Institut wird von Politikern dafür verantwortlich gemacht, 5500 Gemeinden mit riskanten Zinswetten teils in den Ruin getrieben zu haben.

Frankreich, Belgien und Luxemburg hatten Dexia Ende 2009 schon eine Kapitalzufuhr von 6 Mrd. Euro sowie Garantien in Höhe von bis zu 150 Mrd. Euro genehmigt. Dafür sollte die Bank sich aus einigen Geschäftsfeldern zurückziehen.


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