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26.10.2010
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An der Wall Street feiern viele alte Haudegen ein Comeback - oft bei No-Name-Banken
An der Wall Street feiern viele alte Haudegen ein Comeback - oft bei No-Name-Banken
Foto: Getty

Investmentbanken

Die Wall Street gerät aus den Fugen

von Thomas Jahn, Melanie Bergermann

Das Machtgefüge der US-Investmentbanken verschiebt sich dramatisch. Reihenweise wechseln renommierte Dealmaker von großen Häusern zu kleinen M&A-Boutiquen. Und ihre besten Kunden nehmen sie gleich mit.

Rechts das Rockefeller Center, links das Museum of Modern Art – die Aussicht aus Robert Rubins neuem Büro ist so, wie der Name seines neuen Arbeitgebers es erwarten lässt: Centerview Partners.

Alles andere ist undurchsichtig. Centerview? Selbst an der Wall Street ist das vielen kein Begriff. Und was macht ein Robert Rubin bei diesem No-Name? Rubin, der früher Goldman Sachs lenkte, das US-Finanzministerium und der zuletzt im Vorstand der Citigroup saß? "Ich wollte kein größeres Engagement eingehen", kommentiert er seinen Schritt. Eine Antwort, die wieder nur Fragen aufwirft.

Die Investmentbank Centerview gibt es erst seit vier Jahren, mit einer Handvoll Mitarbeiter sitzt sie auf gerade mal einer Etage im 23. Stock in Manhattan. Konkurrenten wie Goldman Sachs belegen ganze Hochhäuser.

Kein ernst zu nehmender Player, könnte man meinen. Ein Irrtum. Die Firma ist groß im Geschäft. Zuletzt bei der Übernahme des englischen Schokoladenherstellers Cadbury durch den Lebensmittelkonzern Kraft. Volumen: 21,6 Mrd. Dollar. Insgesamt betreute Centerview bisher Akquisitionen im Wert von mehr als 350 Mrd. Dollar. Auf der Gehaltsliste: Manager wie James Kilts, der früher den Rasierklingenhersteller Gillette führte, oder der Deutsche Fred Langhammer, bis vor sechs Jahren Chef des Kosmetikkonzerns Estée Lauder.

Die hohen Boni fallen bei den Newcomern nicht so auf

Das Old Boys Network verdient sein Geld beim New Kid in Town. Zufall? Einzelfall? Nein, der Zulauf der Big Shots hat Methode. Er beschränkt sich längst nicht nur auf Centerview. An der Wall Street verschiebt sich gerade das Machtgefüge.

In Scharen wechseln derzeit hoch angesehene Banker zu neu eröffneten, noch weitgehend unbekannten Investmentbuden wie Evercore Partners, MF Global, Jefferies oder eben Centerview. Als Reaktion auf das Finanzbeben hat der Staat bei den Großbanken Investitionen in lukrative Sparten wie Private Equity und Hedge-Fonds gedeckelt, sie stehen unter Beobachtung, was die Höhe von Gehältern und Bonuszahlungen angeht – im Klartext: Die Banker verlieren Geld.

Zugleich wenden sich immer mehr Kunden von den Großen ab und suchen den Rat der Boutiquebanken. Die betreiben keine undurchsichtigen Nebengeschäfte und gelten noch als integer.

So führt jeder Wechsel bei den Beteiligten zu einer Win-win-Situation: Die Dealmaker können bei den Neulingen weiter unauffällig ihre Millionenboni scheffeln, und die neuen Arbeitgeber bekommen das nötige Know-how für große Transaktionen. Denn im Investmentbanking geht wieder was. Allein die US-Unternehmen sitzen auf 2000 Mrd. Dollar Cash in ihren Bilanzen, rund 57 Prozent mehr als vor vier Jahren.

Dieses Geld sind sie bereit auszugeben. Im August wurden laut Dealogic weltweit 2854 Unternehmen im Wert von insgesamt 283 Mrd. Dollar gekauft oder abgestoßen, so viel wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr.

Sicher: Noch werden die M&A-Rankings weiter von den etablierten Investmentbanken beherrscht. Aber der Vorsprung bröckelt. Zwischen Januar und August 2007 erzielten Goldman Sachs und Morgan Stanley weltweit ein Dealvolumen von jeweils knapp 1000 Mrd. Dollar und dominierten den Markt mit einem Anteil von je einem Drittel. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres kam Goldman Sachs mit 374 Mrd. Dollar auf nur noch 24 Prozent Marktanteil, Morgan Stanley mit 317 Mrd. Dollar auf 20 Prozent.


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