In der vermeintlichen Spitzelaffäre um die HSH Nordbank hat der Hauptzeuge alle belastenden Aussagen zurückgezogen. In einer notariell beglaubigten Erklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, gibt ein Sicherheitsberater an, er habe keine Abhöreinrichtungen in der HSH Nordbank installiert, keinen Telefonanschluss manipuliert, sei nicht in die Privatwohnung eines später entlassenen Vorstands eingedrungen und habe keine entsprechenden Aufträge erhalten.
Auch habe er keine Schriftstücke präpariert oder verschickt. All diese Sachverhalte sind in einem Gesprächsprotokoll festgehalten. Er habe das aber nie gesagt, und es entspreche nicht der Realität, sagte der Sicherheitsberater jetzt. Das Magazin "Spiegel" hatte zuvor aus dem Protokoll zitiert.
Bekannt ist, dass Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher seinen Vorstandskollegen misstraute. Nachdem zahlreiche Interna in die Presse geraten waren, beschlossen Nonnenmacher und Syndikus Wolfgang Gößmann Anfang 2009, an die Vorstände ausgeteilte Unterlagen zu präparieren. Jedes Exemplar enthielt minimale Änderungen - auf diese Weise sollte der vermeintlich schuldige Vorstand überführt werden.
Als die Unterlagen kurz darauf außerhalb der Bank kursierten, besorgte Nonnenmacher sie sich. Wie genau, ist unklar. Kurz darauf wurde der Vorstand für das operative Geschäft, Frank Roth, suspendiert. Die Bank erstattete Strafanzeige wegen des unbefugten Offenbarens von Geschäftsgeheimnissen. Der Sicherheitsberater hatte laut "Spiegel" behauptet, dass er selbst, mit Wissen von Gößmann, die Unterlagen an Externe versendet habe, um den Verdacht auf Roth zu lenken.
Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen gegen Roth im Juni ein. Es bestehe kein hinreichender Tatverdacht, unter anderem auch deswegen, weil viele Personen Zugang zu Roths Büro und daher auch zu den Unterlagen gehabt hätten. Roth verlangte am Sonntag eine Entschuldigung von der Bank und kündigte an, die Vorgänge auf ihre straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen zu prüfen - also die HSH Nordbank womöglich zu verklagen.
Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, der Sicherheitsberater habe im Auftrag der renommierten Prevent AG gehandelt, die die HSH seit Jahren in Sicherheitsfragen berät. Ein Prevent-Mitarbeiter habe auch an dem ersten Treffen mit Gößmann und die ehemalige Kommunikationschefin Michaela Fischer-Zernin teilgenommen.
Schon Anfang des Jahres hatten hochrangige HSH-Insider von Millionenzahlungen der Bank an Prevent berichtet und den Verdacht gestreut, illegale Überwachungsmaßnahmen seien damit honoriert worden. Mehrere HSH-Mitarbeiter hatten zudem berichtet, sie hätten das Gefühl, überwacht zu werden. Der HSH-Aufsichtsrat beschäftigt sich diese Woche mit der vermeintlichen Spitzelaffäre.
Quelle: ftd.de
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