Der umstrittene Chef der HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, steht offenbar kurz vor dem Rauswurf. Am Dienstag wollen die größten Anteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein den Aufsichtsratschef des skandalgeschüttelten Instituts, Hilmar Kopper, nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragen. "Sicher ist, dass beide Kabinette in etwa gleichlautende Beschlüsse fassen werden", sagte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki am Montag mit Blick auf Kabinettssitzungen am Dienstag in Kiel und Hamburg.
Sollte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Kopper weiter seine Hand über Nonnenmacher halten, wollen die Landesregierungen dessen Abberufung möglicherweise auf einer Hauptversammlung durchsetzen. Denkbar ist, dass Kopper in diesem Fall von sich aus zurücktritt.
Die Liste der Vorwürfe gegen Nonnenmacher ist lang. Neben einer Mitverantwortung für die Beinahe-Pleite der HSH Nordbank, die die Finanzkrise nur dank Staatshilfen in Milliardenhöhe überstand, wird ihm auch eine Spitzelaffäre angelastet.
Denm 47-Jährigen wird vorgeworfen, die Detektei Prevent mit der Beobachtung von Landespolitikern beauftragt zu haben. Zudem soll die Bank gegen eigene Mitarbeiter falsche Verdächtigungen erhoben haben, um sie entlassen zu können. Dazu soll Prevent unliebsamen Managern der Bank fingierte Beweismittel - darunter kinderpornographisches Material - untergeschoben haben.
Bank-Chef weist alle Vorwürfe zurück
Nonnenmacher bestreitet, der Detektei entsprechende Aufträge erteilt zu haben. Er hat aber eingeräumt, dass in einem konkreten Fall ohne sein Wissen eine Beobachtung stattgefunden habe. Nach FTD-Informationen hat er als einziger Vorstand den Vertrag mit Prevent unterschrieben.
Am Montagmorgen war Nonnenmacher vor einem Untersuchungsausschuss im Kieler Landtag erschienen. Zu Beginn der Sitzung bezeichnete er den Vorwurf, Prevent habe eine FDP-Veranstaltung am 22. Juli 2009 bespitzeln lassen, als "blanken Unsinn". Bei der Diskussion zum Thema "HSH Nordbank - vom Bankenstar zum Finanzwrack" habe es sich um eine öffentliche Veranstaltung mit 300 Teilnehmern gehandelt, über die es im Internet eine mehr als zweistündige Aufzeichnung gebe. Im Nachhinein betrachtet sei aber das Verhalten der Prevent AG nicht angemessen gewesen. Die FDP ist in Schleswig-Holstein an der Regierung beteiligt.
Nach seiner kurzen Erklärung kündigte Nonnenmacher an, sich künftig nicht mehr zu den sogenannten Bespitzelungsaffären und Abhörskandalen äußern - weder öffentlich noch in nichtöffentlichen Sitzungen. Das teilte der Anwalt des Bankchefs, Heinz Wagner, mit.











