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06.09.2010
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Die Probleme der irischen banken brockten dem Land 2009 bereits den größten Fehlbetrag in der EU ein
Die Probleme der irischen banken brockten dem Land 2009 bereits den größten Fehlbetrag in der EU ein
Foto: reuters

Folgen der Finanzkrise

Anglo Irish gefährdet Irland

von Christine Mai

Eigentlich machen die Iren alles richtig. Sie schlugen früh einen Sparkurs ein und treiben die Sanierung der angeschlagenen Banken entschlossen voran. Doch die unsicheren Kosten für die Rettung der Anglo Irish Bank ziehen nun alles in Zweifel.

Wenn Irlands Finanzminister Brian Lenihan am Montag mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia über die Zukunft der verstaatlichten Anglo Irish Bank verhandelt, steht weit mehr auf dem Spiel als das Schicksal des Geldhauses. Die wahrscheinlichen Kosten einer Rettung oder Abwicklung der Bank werden als akute Bedrohung der Kreditwürdigkeit des Inselstaats angesehen. "Es geht nicht darum, die Bank über Wasser zu halten, es geht darum, den gesamten finanziellen Ruf des Landes über Wasser zu halten", warnt Lenihan.

Galt Irland aufgrund eines früh eingeschlagenen strikten Sparkurses zunächst als Vorbild für andere krisengeplagte EU-Staaten, wächst nun unter Investoren die Sorge, die Sanierung des Bankensektors - allen voran die von Anglo Irish - könne das Land überfordern. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stufte die Bonitätsnote Irlands vorletzte Woche um eine Stufe auf AA- herab - mit Verweis auf die kostspielige Rettung der Geldhäuser. Allein die Rekapitalisierung von Anglo Irish könnte nach Einschätzung der S&P-Analysten 39 Mrd. Euro verschlingen.

Die Bank und die Regierung in Dublin weisen diese Zahl zwar zurück, sie gehen derzeit von 25 Mrd. Euro aus. Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen sind aber wieder auf Werte geklettert, die sie im Frühsommer zu Hochzeiten der europäischen Schuldenkrise erreicht hatten, Kreditderivate haben in den letzten Tagen sogar wieder das Niveau vom Frühjahr 2009 erreicht.

Aufgeschreckt wurden Anleger durch deutliche Abzeichen dafür, wie schwach die Institute des Landes nach dem Ende eines Immobilienbooms immer noch sind. Selbst die Bank of Ireland, die als eine der solidesten Banken des Landes gilt, weitete im ersten Halbjahr 2010 ihre Verluste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Seit Monaten sind die Geldhäuser des Landes zudem von den Anleihemärkten praktisch ausgeschlossen. Sie pochen daher auf eine Verlängerung einer Staatsgarantie für einen Teil ihrer Verbindlichkeiten.

Zudem leiden die Banken unter der - an sich als vorbildlich geltenden - entschlossenen Sanierung des Sektors. Als erstes Land richtete Irland eine Bad Bank ein. Die National Asset Management Agency (Nama), die Anfang April ihre Arbeit aufnahm, soll den Banken faule Immobilienkredite von insgesamt rund 80 Mrd. Euro abnehmen. Das zwingt die Geldhäuser, ihre Bilanzen zu säubern, belastet sie aber durch die teils sehr hohen Abschläge, die die Nama auf die Kredite verlangt. Das führt zu weiterem Kapitalbedarf, den der Staat zumindest teilweise leisten muss.

Das schiere Ausmaß der Rettung von Anglo Irish sticht dabei heraus. Knapp 22 Mrd. Euro hat die Regierung bisher in das im Januar 2009 verstaatlichte Geldhaus gepumpt. Selbst wenn es bei einer Gesamtsumme von 25 Mrd. Euro bleiben sollte, würde das mehr als elf Prozent des irischen Bruttoinlandprodukts (BIP) ausmachen. Zum Vergleich: Die Rekapitalisierung der Royal Bank of Scotland macht gerade einmal etwas mehr als drei Prozent des britischen BIP aus, die der UBS rund ein Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung.

Auch wenn die Regierung abwiegelt, könnte die Sanierung von Anglo Irish das Haushaltsdefizit weiter nach oben treiben. Die massiven Probleme der irischen Institute brockten Irland im vergangenen Jahr bereits mit 14,3 Prozent des BIP den größten Fehlbetrag in der EU ein. Einige Analysten schätzen, dass weitere Hilfen für Anglo Irish in diesem Jahr zu einem Anstieg auf bis zu 20 Prozent führen könnten.

Die Regierung sucht nun händeringend nach einer möglichst günstigen Lösung für das immer noch verlustträchtige Geldhaus. Dazu führt sie derzeit die Gespräche mit der Europäischen Kommission, die Behörde will frühestens Ende September eine Entscheidung treffen. Dublin strebt eine Abwicklung der Bank über einen längeren Zeitraum hinweg an, etwa zehn bis 20 Jahre. Dabei könnten die Vermögenswerte des Instituts in ein spezielles Vehikel transferiert und langsam abgestoßen werden - Notverkäufe würden vermieden.


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