Nach dem Scheitern zweier großer Platzierungen von mit Gewerbehypotheken besicherten Wertpapieren in den USA ist der Markt für diese strukturierten Anleihen in Aufruhr. Die Deutsche Bank und das US-Institut Morgan Stanley griffen am Montag in ungewöhnlich scharfer Form die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) an. Analysten der beiden Institute machten S&P dafür verantwortlich, dass zwei bereits bei Kunden platzierte Transaktionen von den Banken in Milliardenhöhe wieder zurückgezogen werden mussten. Das hatte vergangene Woche zu Unruhe in dem von der Diskussion um die US-Staatsschulden verunsicherten Markt geführt.
Mittels sogenannter Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) verbriefen Banken zur eigenen Refinanzierung Kredite für Gewerbeimmobilien und reichen sie auf diesem Weg an Investoren weiter. Der durch die Finanzkrise zum Erliegen gekommene Markt hatte sich seit dem Jahreswechsel 2009/10 langsam wiederbelebt. So hatte die Deutsche Bank erst kürzlich eine auf
Pfund Sterling lautende CMBS aufgelegt. Laut dem Datenanbieter Bloomberg wurden im bisherigen Jahresverlauf Gewerbeimmobilien-Anleihen im Volumen von mehr als 21 Mrd. Dollar platziert, nach nur 11,5 Mrd. Dollar im Gesamtjahr 2010. Der Absatz dieser Papiere hatte mit einem Volumen von 234 Mrd. Dollar im Jahr 2007 seinen Höhepunkt erreicht.
Vergangene Woche zogen
Goldman Sachs und
Citigroup eine rund 1,5 Mrd. Dollar schwere CMBS-Transaktion zurück, die sie bereits bei Investoren platziert hatten. S&P hatte zuvor erklärt, keine Ratings für die Papiere vergeben zu wollen. Zur Begründung hieß es, dass die Art und Weise, wie solche Papiere bewertet werden, derzeit überprüft werde. Bei beiden Instituten gingen nach der gescheiterten Platzierung die Leiter für den Handel von Anleihen, die mit Gewerbehypotheken unterlegt sind. Kurz darauf zog S&P zudem das Rating für eine Emission im Volumen von 1,19 Mrd. Dollar von
JP Morgan Chase und
Wells Fargo zurück. "Das ist nach unserem Wissen das erste Mal, dass eine CMBS nach der Preisfestsetzung wieder vom Markt genommen wurde", sagte Lisa Pendergast, Co-Leiterin des Bereichs CMBS-Strategie bei Jefferies. "Das ist beispiellos."
Viele Investoren verlangen eine Bonitätsbewertung von einer der drei großen Ratingagenturen, zu denen neben S&P Moody's und Fitch zählen. "An diesem Punkt dürften viele das Vertrauen zu CMBS 2.0 verlieren", schrieben die Analysten Harris Trifon und Dave Zhou von der
Deutschen Bank in einer Studie mit dem Titel "S&P stuft sich selbst herab und versenkt GC4". GC4 ist der Name einer der zurückgezogenen Transaktionen; mit 2.0 spielen die Analysten auf die Markterholung in den vergangen eineinhalb Jahren an. "Und angesichts dessen, was derzeit sonst noch los ist, hätte das alles in keiner schlimmeren Woche kommen können."











