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30.08.2010
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Offiziell will sich die Bank zu dem Fall nicht äußern
Offiziell will sich die Bank zu dem Fall nicht äußern
Foto: capital.de

Bernhard Visker

Nächster HSH-Vorstand im Visier

von Jens Brambusch, Sven Clausen, Nina Luttmer

Wanzen, Kinderpornos, Manipulationen. Bei der HSH Nordbank reiht sich ein dubioser Fall an den nächsten. Nun sorgt ein geheimes Dossier über Vorstand Bernhard Visker in der Landesbank für Unruhe.

Bernhard Visker ist noch übrig. Der Mann mit der markanten Glatze ist der einzige der vier Vorstände der HSH Nordbank, der sich im Amt gehalten hat, seit Dirk Jens Nonnenmacher im November 2008 den Vorsitz des Gremiums übernommen hat.

Aus Sicht des habilitierten Mathematikers Nonnenmacher muss dieser Verlauf des Vorstandsschwunds logisch erscheinen - der 47-Jährige hat ihn schließlich selbst, zumindest indirekt, so antizipiert. Zusammen mit seinem Chefjustiziar Wolfgang Gößmann hatte der schlaksige Nadelstreifenträger Anfang 2009 nach einer Reihe missliebiger Pressebeiträge eine Liste aufgestellt, wer wohl die meisten Gründe haben könnte, ihm zu schaden.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft Kiel schilderte Gößmann wenige Monate später, wie die beiden vorgingen: "Wir haben zunächst gesagt, die Vorstandskollegen haben das nachhaltigste und das wichtigste oder das heftigste Motiv, gegen Herrn Nonnenmacher vorzugehen. (...) Herr Visker hätte das Motiv haben können: Mein Vertrag läuft nur drei Jahre. Ich weiß nicht, Herr Nonnenmacher hat noch nicht gesagt, wie das nun weitergeht mit mir?‘ Herr Visker ist Anfang 40, ist Anfang 2007 Vorstandsmitglied geworden."

Und weiter: "So sind wir in der Diskussion auf die jeweilige Motivlage gekommen und haben dann so auf einer Rangskala Platz eins Roth, Platz zwei Rieck, Platz drei Visker, nein, ich muss eigentlich sagen Platz vier Visker, und Platz drei Friedrich benannt". Frank Roth, Peter Rieck, Jochen Friedrich - alle sind inzwischen weg. Ist Visker nun der Nächste auf der Liste?

Ein ominöser Bericht schürt den Verdacht, dass auch gegen den 44-jährigen Vorstand für Unternehmenskunden hinter dessen Rücken belastendes Material gesammelt wurde - und legt weitere Details des schattigen Systems offen, mit dem in der HSH Nordbank intern gegen Führungskräfte ermittelt wird.

Laut Unterlagen hat die Potsdamer Rechtsanwaltskanzlei Erbe sich Ende Mai 2010 mehrere Tage mit dem Vorstand Visker beschäftigt. In der Honorarabrechnung der Kanzlei tauchen verschiedene Posten mit dem Vermerk "Arbeit am Bericht wg. Bernhard Visker" beziehungsweise "Überarbeitung am Bericht wg. Bernhard Visker" auf. Die Kosten belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Die Vergütungsrechnung ist an den HSH-Chefjustiziar Gößmann adressiert. Überschrieben ist sie mit "Persönlich - Vertraulich - Verschlossen". Gößmann wurde kürzlich in Zusammenhang mit den Spitzelvorwürfen gegen den Ex-Vorstand Roth freigestellt.

Offiziell will sich die Bank zu dem Fall nicht äußern. Inoffiziell heißt es, es sei kein Bericht zu Visker angefertigt worden. Rechtsanwalt Erbe, der auch eine tragende Rolle bei der Entlassung Roths und bei den Vorfällen um den gefeuerten Ex-Statthalter der HSH in New York spielt, habe möglicherweise die Betreffzeile in seiner Rechnung etwas missverständlich formuliert. Erbe selbst berief sich in einer Stellungnahme auf seine "anwaltliche Verschwiegenheitspflicht".


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