06.07.2010
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Der Stresstest simuliert auch einen Crash am Anleihemarkt
Der Stresstest simuliert auch einen Crash am Anleihemarkt
Foto: reuters

Bankenstresstest

Wie viel Kapitalpuffer deutsche Banken noch haben

von Rolf Lebert

Der umfangreichste Stresstest europäischer Banken läuft auf Hochtouren. Geprüft werden auch 16 deutsche Geldhäuser, von denen die Postbank die dünnste Kapitaldecke aufweist.

Europas Aufseher arbeiten derzeit an Stresstests der wichtigsten Banken. Unter den rund 100 Instituten sind 16 aus Deutschland. Commerzbank, Deutsche Bank und BayernLB haben die erste Runde bereits bestanden: Sie haben keinen zusätzlichen Kapitalbedarf, weil ihre Kernkapitalquoten unter den Stresskriterien nicht unter sechs Prozent abrutschten. Aufsichtsrechtlich verlangt werden vier Prozent.

Kritischer sieht es für die Postbank aus. Sie kommt auf eine Quote von 7,3 Prozent. Ob sie den neuen Test besteht, dessen Ergebnisse um den 23. Juli herum veröffentlicht werden sollen, hängt indes von den Kriterien ab, die die Aufseher zugrunde legen. Welche das genau sind, ist unklar. Klar ist allerdings, dass angesichts der Schuldenkrise auch ein Crash am Anleihemarkt mit einer teilweise massiven Abwertung der staatlichen Schuldverschreibungen simuliert wird.

Bei den deutschen Banken, für die entsprechende Angaben verfügbar sind, entfallen im Schnitt 76,1 Prozent der deckungsstockfähigen Forderungen gegenüber Staaten auf den vergleichsweise sicheren Schuldner Deutschland und 8,9 Prozent auf die Piigs-Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Bei den drei am härtesten getroffenen Nationen Griechenland, Portugal und Spanien sind es 5,5 Prozent. Deckungsstockfähig sind Staatskredite, die sich für die Emission von Pfandbriefen eignen. Sie bilden den mit Abstand größten Block an Forderungen gegenüber Staaten.

Nicht entscheidend ist, woher die Banken ihr Kernkapital haben: Aufsichtsrechtlich ist es völlig egal, ob der Staat das Kapital stellt oder die eigentlichen Eigentümer.

Wir geben einen Überblick über die Kapitalausstattung der deutschen Stressprobanden und deren größte Risiken mit Blick auf die Piigs-Krisenländer in Europa.

Commerzbank

Kernkapitalquote 10,8 Prozent; Bilanzsumme 846 Milliarden Euro (Stand: 31. März 2010)

Der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) ist mit 18,4 Milliarden Euro am Kapital beteiligt. Die Profitabilität der Commerzbank im Kerngeschäft ist unzureichend und leidet unter hohen Risiken im gewerblichen US-Immobilienmarkt. Die Tochter Eurohypo hält fünf bis zehn Prozent ihrer Deckungsmassen in den Krisenländern Spanien, Italien und Portugal.

LBBW

Kernkapitalquote 9,8 Prozent; Bilanzsumme 412 Milliarden Euro (Stand: 31. Dezember 2009)

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte 5 Milliarden Euro Eigenkapital aus dem Stuttgarter Landeshaushalt erhalten. Sie muss auf Anordnung der EU-Kommission Vermögenswerte abbauen. Hohe Verluste in den Jahren 2008/09 summierten sich zusammen auf 3,7 Milliarden Euro. Das Südeuroparisiko der LBBW beträgt weniger als fünf Prozent ihres gesamten Staatskreditportfolios.

Hypo Real Estate

Kernkapitalquote 9,4 Prozent; Bilanzsumme 360 Milliarden Euro (Stand: 31. Dezember 2009)

Die Hypo Real Estate ist ein extremer Krisenfall, der noch jahrelang auf staatliche Liquiditätshilfen in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe angewiesen ist. Seit Oktober 2009 ist sie vollständig in Staatsbesitz und mit rund 7 Milliarden Euro kapitalisiert. Gewinne sind frühestens 2012 zu erwarten. Mehr als 25 Prozent der Deckungsstöcke im Staatskreditgeschäft stammen aus Südeuropa.

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Was die Leser sagen

Siegfried Bauer
07.07.2010 | 07:28
Gott sei Dank gibt es den Bankenstresstest - das beruhigt ungemein

Deutsche Banken haben Forderungen gegenüber verschiedenen Euro-PIIGS Staaten in Höhe von 515,9 Mrd. Euro. (Quelle Bundesamt Stand 02.2010).
Der Gewerbeimmobilienmarkt in den USA, viermal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt, ist gerade dabei, sich in Luft aufzulösen. Gesamtkredite im Wert von über 5 Billionen Dollar sind ausfallgefährdet. Und vor allem die deutschen Banken sind massiv involviert. Noch schlimmer geht eigentlich nicht. Oder doch?
Das ist immer noch Peanuts in Relation zu den aus den Bilanzen ausgelagerten Risiken (Derivaten), um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.

Im Quartalsbericht 06/2008 der BIZ geht hervor, dass die Bankster weltweit auf über 600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, Europas Bankster auf ca. 22,5 Billionen Dollar.
Auf eine Zuordnung der Risiken auf die einzelnen Banken wurde bewusst verzichtet. Die Kunden würden dann ja sofort ihre Sparguthaben in Sicherheit bringen, die ja vom Staat garantiert sind und diese Staatsgarantien wieder von den Banken abgesichert sind, die diese Verluste haben.
Deutsche Bankster sitzen auf über 650 Mrd. Euro Risiken, kommentierte die FAZ vor ein paar Wochen. Dank zinsloser Zentralbankgelder alles schon wieder ausgeglichen. Jetzt sitzt die EZB auf den Risiken. Tolle Sache, da staunt der Bürger.
Nicht entscheidend ist, woher die Banken ihr Kernkapital haben: Aufsichtsrechtlich ist es völlig egal, ob der Staat das Kapital stellt oder die eigentlichen Eigentümer. Wenn ich mir Geld vom Steuerzahler leihe, dann wird daraus Eigenkapital. Aha. Muss wohl in der Schule nicht immer aufgepasst haben.
Das Südeuroparisiko der LBBW beträgt weniger als fünf Prozent ihres gesamten Staatskreditportfolios. Muss ich mal glauben, ok.
Aber wo versteckt die LBBW die bei der SachsenLB in 11 verschiedene Zweckgesellschaften ausgelagerten 64 Mrd. Euro wertloser Papierschnipsel? Bereits die SachsenLB konnte über diesen Umweg diese Risiken vor der Finanzaufsicht verstecken.
Aber Gott sei Dank gibt es den Stresstest bei den Banken. Die stupid Germans sind dann alle wieder beruhigt und glauben weiter an den Weihnachtsmann. Und die cleveren Germans die tauschen in weiser Voraussicht ihr Vermögen in Edelmetalle.

(Kommentare 1-1 von 1)

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