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12.11.2010
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Dirk Jens Nonnenmacher
Dirk Jens Nonnenmacher
Foto: Bernd Bodtlaender/FTD

Affäre der Nordbank

Das HSH-Desaster von New York

von Brambusch Jens, Clausen Sven

Mit einer Gewaltaktion wollte die vom Staat gerettete Landesbank in der US-Filiale aufräumen. Das geriet zum Fiasko. Die Staatsanwälte ermitteln. Bislang unbekannte Details belegen, wie dilettantisch das Vorgehen war.

Die Rechnungen sehen eher nach Routine aus: 2720 Dollar stellte Gil Alba im Herbst 2009 in Rechnung, dann noch einmal 1800 Dollar. Kein großer Auftrag für den einstigen New Yorker Polizisten, der sich nach seinem Ausstieg mit Alba Investigations als Detektiv selbstständig gemacht hatte. Aber, wie sich auch für ihn erst Monate später herausstellte, einer seiner spektakulärsten Fälle.

Alba ist einer der Hauptakteure in der schmierigen Affäre der HSH Nordbank in New York. Ihr Kulminationspunkt: der 17. September 2009. An diesem Tag wurden bei einer internen Razzia im Büro des Statthalters Roland K. Hinweise auf kinderpornografisches Material gefunden. Die Staatsanwaltschaft New York geht inzwischen davon aus, dass sie K. untergeschoben wurden.

Neben Alba an dem Kommando beteiligt: HSH-Chefjustiziar Wolfgang Gößmann, Personalchef Stefan Brügmann, Erfüllungsgehilfen der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Erbe und der Sicherheitsberatung Prevent samt IT-Spezialisten der Tochter Validd. Am Ausgang der Ermittlungen hängen Existenzen: Sollte sich herausstellen, dass einer von ihnen K. diskreditiert hat, wäre das wohl dessen berufliches Ende.

Es war eine Aktion, die an die fatale Geschäftspolitik der Landesbanken vor der Lehman-Pleite erinnert. Die HSH Nordbank ließ sich erneut auf eine Sache ein, von der sie offensichtlich nicht genügend verstand: Dieses Mal das Rechtssystem in den USA.

Dabei war der Impuls von Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher durchaus nachvollziehbar. Ein Gutachten von PricewaterhouseCoopers hatte ihm bescheinigt, dass es so mit der Niederlassung in New York nicht weitergehen könne. Der HSH-Statthalter regiere zu autonom, die Kontrollmöglichkeiten der Hamburger Zentrale seien unzureichend. Für eine Bank ist so etwas nicht trivial: Die Finanzaufsicht kann äußerst ungehalten reagieren, wenn sie feststellt, dass ein Geldhaus seine Abläufe nicht im Griff hat. Zudem gab es im Sommer eine Klage wegen sexueller Diskriminierung in der New Yorker Niederlassung und noch das eine oder andere unappetitliche Detail.

Kurzum: Nonnenmacher ließ seine Führungskräfte Gößmann und Brügmann ausströmen, um K. aus seinem Amt zu entfernen. Sie heuerten die Kanzlei Erbe an, die wiederum Prevent verpflichtete. Deren Vorstandschef Thorsten Mehles war mitgereist, vor Ort leiten sollte die Aktion aber Peter Wiedemann, ehedem Kriminaloberrat in Bayern. Er hatte zwar bis dato praktisch nichts mit dem Top-Kunden HSH zu tun gehabt. Was ihn aber qualifizierte: Er kann von allen Führungskräften am besten Englisch. Der offizielle Auftrag der Truppe: Beweismaterial gegen K. sammeln, um seine für diesen Tag geplante fristlose Kündigung abzusichern.

Gefunden bei
www.ftd.de

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