17.03.2010
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Das provisionsbasierte Vertriebsmodell von AWD steht in der Kritik.
Das provisionsbasierte Vertriebsmodell von AWD steht in der Kritik.
Foto: AP

Teure Tochter von Swiss Life

AWD kommt nicht aus den Miesen

von Herbert Fromme

Das Jahr 2008 war schon schlecht für den Finanzvertrieb, im Folgejahr kam es dann ganz dicke: AWD wird 2009 bei der Mutter Swiss Life einen Verlust abliefern, der doppelt so groß ist wie im Vorjahr.

Der Finanzvertrieb AWD hat im abgelaufenen Jahr ein hohes Defizit eingefahren. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) wird AWD für 2009 bei der Mutter Swiss Life einen Verlust von 92 Millionen Schweizer Franken (63 Millionen Euro) vor Zinsen und Steuern (Ebit) abliefern.

Damit ist das Defizit mehr als doppelt so hoch wie der Verlust von 41 Millionen Franken, mit dem AWD schon 2008 die Swiss-Life-Zahlen belastete. Im Jahr 2007 hatte das Unternehmen noch ein positives Ebit von 83 Millionen Euro nach deutschem Bilanzstandard erwirtschaftet.

Die tiefroten Zahlen der deutschen Vertriebstochter tragen zu einer insgesamt unerfreulichen Entwicklung für Swiss Life bei. Das Unternehmen wird seinen Aktionären für 2009 nur 2,50 Franken Dividende zahlen, hieß es in Schweizer Assekuranzkreisen. Im Jahr davor waren es noch 5 Franken. Swiss Life und AWD wollten zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Die Entwicklung zeigt die Krise, in der Vertriebsorganisationen wie AWD stecken: Das Unternehmen verkauft mit selbstständigen Handelsvertretern Versicherungen und Kapitalanlagen. Das Geschäftsmodell beruht auf hohen Provisionen - und kommt von mehreren Seiten unter Druck: Die EU-Länder haben Beratungs-, Protokollierungs- und Ausbildungspflichten deutlich verschärft, und die Kunden sind angesichts der Finanzkrise sehr zurückhaltend. Hinzu kommt, dass AWD und andere Vertriebe wie MLP bei dem einzigen 2009 gut laufenden Geschäft, der kurzfristigen Geldanlage bei Lebensversicherern, keine Rolle spielten.

Der AWD-Gründer und langjährige Chef Carsten Maschmeyer hatte die Firma 2007 an Swiss Life verkauft. Der Schweizer Lebensversicherer war auf der Suche nach neuen Vertriebskanälen und zahlte insgesamt 1,7 Milliarden Franken. Er hat AWD immer noch mit 1,3 Milliarden Franken in der Bilanz. Die schlechten Zahlen könnten Swiss Life zu einer Abschreibung zwingen. Bislang geht Swiss Life aber von der Werthaltigkeit aus und stützt sich dabei auf die Wirtschaftsprüfer PwC.

Zeit des Umbruchs

Krise Fast alle Finanzvertriebe leiden unter der Kaufzurückhaltung der Kunden angesichts der Finanzkrise. Außerdem haben sie hohe Kosten wegen neuer Aufsichtsregeln.

Marktänderung In der Branche gibt es aber immer mehr Zweifel, ob Vertriebsformen auf der Basis von selbstständigen Handelsvertretern, die von Provision leben, langfristig gute Wachstumschancen haben. Bei neuen, jüngeren Käuferschichten zählen eher das Internet und unabhängige Berater.


 
Unter der neuen Führung von Vorstandschef Manfred Behrens tut sich AWD schwer, an alte Erfolge anzuknüpfen. Der Rückgang der Vertreterzahl von 5900 Ende 2008 auf 5342 Ende 2009 spricht Bände. Der Umsatz brach im selben Zeitraum um 16 Prozent von 633 Millionen Euro auf 528 Millionen Euro ein.

AWD legt seine Bilanzzahlen zeitgleich mit der Mutter Swiss Life am 30. März vor. Allerdings unterscheiden sich die nach dem deutschen Standard HGB gezeigten Werte von denen, die Swiss Life in seine Rechnungslegung einfließen lässt. Denn dort gelten Schweizer Bilanzregeln, die eher internationalen Standards und dem US-System entsprechen. So meldete AWD nach deutschem HGB-Standard für 2008 noch einen Ebit-Gewinn von 20 Millionen Euro, während sich in den Büchern der Schweizer Mutter schon ein Verlust von 41 Millionen Franken zeigte.


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