Der Mann hat keine Zeit. Die Termine häufen sich bei Jean-Marc Gales, an allen Ecken brennt es, am Nachmittag muss er auf Reisen. Jetzt steht er im Erdgeschoss der Pariser Firmenzentrale neben einem Peugeot 207 CC und hält sich daran fest, dann an den eigenen Armen, als müsste er sich selbst am Loslaufen hindern. Jetzt hält er kurz still, aber die Augen wandern unablässig hin und her. Er kann nicht zur Ruhe kommen. Er darf nicht. Seiner Firma läuft die Zeit weg.
Der 47-jährige Luxemburger Jean-Marc Gales spielt beim Überlebenskampf von Europas zweitgrößtem Autobauer PSA Peugeot Citroën die entscheidende Rolle. Seit Juni 2009 besetzt er im Vorstand das Schlüsselressort für Marken und ist Chef der Kernmarke Peugeot. Er ist binnen wenigen Monaten aufgestiegen und hat dabei einen Chefwechsel sowie eine Vorstandsverkleinerung überlebt. Was Gales aber so wertvoll für den Konzern macht, ist seine Vergangenheit: Er hat fast 20 Jahre an den Schaltstellen der Autoindustrie gearbeitet. Und zwar der deutschen.
Bevor er nach Paris kam, war er Weltvertriebschef bei Daimler. Dann holte ihn der damalige PSA-Lenker Christian Streiff Anfang 2009 zunächst als Markenchef für Citroën. Wenige Wochen später setzte der Peugeot-Clan Streiff vor die Tür und den Stahlmanager Philippe Varin an die Konzernspitze. Varin muss nun die wohl letzte Chance für PSA nutzen, Anschluss an einen Weltmarkt zu finden, in dem gerade die Gewinner und Verlierer sortiert werden.
Die Fünf-Millionen-Grenze
Bislang gehört PSA zu den schwächeren europäischen Autobauern. Verdiente der Konzern 2004 noch 1,6 Milliarden Euro, fuhr er 2009 einen Verlust von 1,16 Milliarden Euro ein. Der Konzern ist zu klein und zu europäisch, um global mithalten zu können.
Varin ist auf Gales angewiesen, wenn er seine Mission erfüllen will. Er muss in China und Südamerika mehr Autos verkaufen. Er muss den unsicher gewordenen Einstieg bei Mitsubishi meistern, um endlich die erforderliche kritische Größe zu erreichen. 3,2 Millionen verkaufte Autos (2009) reichen da nicht. Fünf Millionen Autos müssen Massenhersteller laut Experten jährlich verkaufen, um langfristig zu überleben.


















