Ich hoffe, dass die Recherchearbeit in Sachen Tata genauer verlief als bei Saab - immerhin kam ja eine schnelle Reaktion!
Ratan Tatas Welt ist bunt geworden. 87 kleine Fähnchen, in eine Landkarte gebohrt, schmücken die Firmenzentrale von Tata Motors in Pune – eine für jedes Land, in dem der Autokonzern des indischen Großindustriellen vertreten ist. Ein beeindruckender Anblick: Die Fähnchen wehen in fast allen Ländern Westeuropas und Asiens, in den USA und Japan. Sie scheinen von einer Erfolgsgeschichte ohne Beispiel zu künden. Der lange Zeit rückständige indische Autobauer ist zu einem globalen Anbieter geworden, auf Augenhöhe mit den Volkswagens und Toyotas dieser Welt.
Auf den zweiten Blick bleibt von dieser Geschichte wenig übrig.
Denn die meisten Fähnchen in der Weltkarte sagen nichts über die Präsenz von Tata selbst aus; sie spießen die Länder auf, in denen die 2008 übernommene Tochter Jaguar Land Rover (JLR) Vertriebs- und Servicegesellschaften unterhält. Die indische Marke Tata hat den Sprung bloß in eine Handvoll Länder geschafft. In Europa ist sie nur in Italien und Spanien vertreten.
Markencheck
Es läuft und läuft und läuft nicht
Der indische Autobauer Tata Motors hat mit allen drei Automarken schwer zu kämpfen.
Tata Wie kaum ein zweites Automodell hat der Tata Nano die Schlagzeilen im Jahr 2009 bestimmt. Das Billigstgefährt kostet kaum 1500 Euro. Auch die übrigen Baureihen kommen mit Kampfpreisen: Das Europamodell des Indica etwa ist für weniger zu haben als ein Dacia Logan, selbst der größte Tata-Geländewagen kostet in Spanien nur 16.100 Euro. Technisch jedoch hängt Tata Motors der Konkurrenz hinterher, wichtige Bauteile muss der Konzern zukaufen, weil das Know-how im eigenen Haus fehlt. Der Erfolg im Ausland ist bescheiden: In Großbritannien floppte das als "City Rover" verkaufte Modell Indica, in Spanien verkaufte der Konzern zuletzt kaum 3000 Fahrzeuge im Jahr. Im Heimatland Indien findet Tata kein Rezept gegen die japanischen und koreanischen Wettbewerber.
Land Rover Den Urahn aller Land Rover, den Defender, gibt es bereits seit 1948. Der nahezu unverwüstliche Geländewagen gehörte in den vergangenen sechs Jahrzehnten weltweit zur Standardausrüstung bei Expeditionen und militärischen Feldzügen. Eine Luxusvariante baute die einstige Rover-Tochter erst 1970 – und erfand mit dem Range Rover eine neue Produktgattung, heute bekannt als SUV. Mit dem Verkauf von Rover landete auch Land Rover kurz beim BMW-Konzern, der die Marke 1999 an Ford weiterreichte. Doch die Pläne, Land Rover mit Jaguar und Aston Martin zu einer erfolgreichen Luxusautogruppe zu vereinen, scheiterten. 2008 kaufte Tata Motors die Marke – und hat seither wenig Freude daran. Denn die SUVs gehören zu den großen Verlierern der Autokrise.
Jaguar Der Hersteller zahlreicher Autolegenden ist seit Ende der 90er-Jahre in der Dauerkrise: mangelhafte Produkte, falsche Modellpolitik, technische Zweitklassigkeit, hohe Verluste. Der Zugriff auf das Ford-Teilelager verbesserte die Lage nicht. Die Rückkehr in den Formel-1-Sport im Jahr 2000 blieb eine kurze Episode. 2002 verkaufte Jaguar noch 122.000 Fahrzeuge, heute nur noch gut die Hälfte davon. Ähnlich schlechte Verkaufszahlen in dem Segment erzielt sonst nur noch Saab. Nach 20 Jahren verkaufte der US-Autokonzern Ford 2008 Jaguar entnervt an Tata Motors. Der neue Eigner versucht, mit einer Radikalsanierung die Zukunft zu sichern. Bauteile sollen verstärkt aus dem Billiglohnland Indien kommen, zwei von drei Fabriken geschlossen werden.
Wie bei den Fähnchen ist es vielerorts im Reich von Tata Motors. Wenig ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht.
Seit das Unternehmen vor zwei Jahren mit dem Nano das billigste viersitzige Auto der Welt vorstellte und kurze Zeit darauf die britischen Prestigemarken Jaguar und Land Rover übernahm, schien Tata Motors ein Tiger auf dem Sprung zu sein, ein künftiger Herausforderer der großen westlichen und japanischen Konzerne. Kein anderer Hersteller kann so billig Autos bauen, kein anderer – mit Ausnahme der Chinesen – hat einen derart boomenden Heimatmarkt und damit die Chance auf zweistellige Wachstumsraten für lange Zeit.
Doch derzeit sieht nur wenig danach aus, als könnte Tata dieses Potenzial auch wirklich heben. Sich zum Riesen im weltweiten Geschäft mit Low-Cost-Cars aufschwingen. Und mithilfe von JLR obendrein die Mittel- und Oberklasse erobern, ja sogar Audi, BMW und Mercedes angreifen.
Deshalb hat Ratan Tata jetzt einen Vollprofi an Bord geholt: Carl-Peter Forster, ehemaliger BMW-Vorstand und zuletzt Europachef von General Motors, führt künftig das Autogeschäft des Mischkonzerns - und soll endlich die hochgestecken Ziele des Patriarchen erreichen.
Vor dem 55-Jährigen liegt ein Berg von Arbeit. Zwar wächst der indische Markt dynamisch, um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr im vergangenen Jahrzehnt, und ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Das allein reicht allerdings nicht, um Tatas Träume vom Global Player wahr werden zu lassen.
Die Goldgräberstimmung auf dem Subkontinent hat längst namhafte Rivalen angelockt: Hyundai, Toyota , Fiat , Renault und zuletzt auch Volkswagen - alle sind sie da. "Niemand kann es sich erlauben, Indien auszulassen", sagt Dilip Chenoy, Generalsekretär des Verbands der indischen Automobilindustrie SIAM. "Der indische Markt muss zwingend Teil der Strategie jedes Herstellers sein, der global überleben will."
Volkswagen hat im westindischen Pune für 580 Millionen Euro eine neue Fabrik aus dem Boden gestampft. Kapazität: 110.000 Fahrzeuge pro Jahr. Es ist die größte Investition eines deutschen Unternehmens in Indien.
VW-Landeschef Jörg Müller, zuständig für die Marken Audi, Skoda und Volkswagen, nennt als Ziel schon mal "acht bis zehn Prozent Marktanteil binnen fünf Jahren". Und um ganz sicher zu gehen, haben sich die Wolfsburger kürzlich an Suzuki beteiligt. Der japanische Autobauer ist mit der Tochter Maruti Marktführer in Indien - mit einem Anteil von über 50 Prozent.

Was die Leser sagen
Zitat
2002 verkaufte Jaguar noch 122.000 Fahrzeuge, heute nur noch gut die Hälfte davon. Ähnlich schlechte Verkaufszahlen in dem Segment erzielt sonst nur noch Saab – die Marke soll demnächst eingestellt werden.
Zitat
Lesen Ihre Redakteure keine Nachrichten? SAAB wurde gerade wiederbelebt!!!
ich würde ihre redakteure bei diesem informationsstand hinauswerfen...wie sie vielleicht noch nicht wissen, wurde saab gerade verkauft und soll keineswegs eingestellt werden..wenn sie schon das nicht mitbekommen haben, wieviel sind dann ihre aussagen über tata wert?
es gilt halt immer noch zuerst recherchieren und nicht irgendwo einfach stuss abschreiben
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