Audi dreht am ganz großen Rad. 90 Kilometer vor der Insel Borkum, mitten im tiefen Blau der Nordsee, rotieren die Blätter von Windanlagen - Audis Anschauungsobjekt und Antwort auf drängende Zukunftsfragen. Als einer der ersten Autohersteller will das Unternehmen zum Anbieter für regenerative Energien werden und den Strom an seine Kunden verkaufen.
"Wir werden Strom, Wasserstoff und Methangas erzeugen - die Treibstoffe für unsere Autos", sagt Audis Projektleiter Reiner Mangold. Unter dem Namen Balanced Mobility - einer werblichen Wellnessformel, die auch für probiotischen Joghurt stehen könnte - peilen die Ingolstädter eine Führungsrolle bei der Reduzierung des Klimagases CO2 an. Dazu nimmt die VW-Tochter eine zweistellige Millionensumme in die Hand. Diese fließt unter anderem in einen Offshore-Park, wie Audi am Donnerstagabend in Hamburg mitteilte.
"Das Beispiel Audi zeigt, dass sich das klassische Geschäftsfeld der Autobauer durch die E-Mobilität verändert", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen: "Die Akzeptanz von E-Autos hängt von der umweltfreundlichen Stromerzeugung ab." Diez sieht sogar die Chance, dass aus der Stromerzeugung ein eigenes Geschäftsfeld für Audi wächst. "Der Hersteller kann dadurch Verluste kompensieren, die durch die E-Mobilität entstehen."
Nahezu alle Autohersteller gehen davon aus, dass sie mit ihren ersten Generationen von strombetriebenen Elektro-Fahrzeugen kein Geld verdienen werden. Audi will seinen ersten Elektro-Sportwagen ab 2012 auf die Straße schicken. Der R8, ein
Porsche-Konkurrent mit über 300 PS und vier Elektromotoren, soll in einer Kleinserie gebaut werden. "Unsere ersten Erfahrungen sind, dass der Kunde ein Komplettangebot will", sagt ein Audi-Sprecher. R8-Kunden erhalten mit ihrem Wagen gleichzeitig ein Stromangebot.
Zunächst arbeiten für den Supersportler vier Windkraftanlagen. Welcher Offshore-Betreiber Audis Partner ist, wollte der Hersteller nicht sagen. "Die Verträge sind noch nicht unterschrieben." Nach FTD-Informationen spricht Audi mit Bard, die auch den Offshore-Park vor Borkum betreiben. Die Konzernmutter
VW plant ebenfalls einen Einstieg ins Offshore-Geschäft, so Unternehmenskreise. Außerdem spreche sie mit einem anderen Anbieter, der auch Audi beliefern könnte.











