Die armen Spekulanten. Vollgepackt mit fast zinslosen Steuermilliarden der Zentralbanken suchen sie verzweifelt nach neuen Spekulationsmöglichkeiten. Staatsanleihen werden immer unsicherer, da ihre Retter fast alle schon pleite sind. Ende Dezember setzte eine Flucht aus dem Dollar ein. Auch die Börsen sind massiv überbewertet. Das kann sich aber innerhalb von ein paar Tagen ändern!
Sicher und gewinnbringend kann man immer noch mit Erdöl spekulieren. Im Sommer 2008 wurde eine Gallone Rohöl auf über 150 Dollar hochgepuscht. Die hohen Ölpreise waren 2007 sogar der Grund für den Ausbruch der Finanzkrise, als viele Amis ihre Häuser auf dem Land verkaufen und näher zur Arbeit, zur Stadt ziehen wollten. So begann der Preisverfall der Wohnimmobilien, der immer größere Kreise zog und bis heute ununterbrochen anhält.
Doch den Ölpreis kann man nicht unbegrenzt in die Höhe treiben. 2008 fuhren die Öltanker auf den Weltmeeren spazieren, weil sie nirgends ihre Ladung löschen konnten. Alle Lagertanks auf dem Festland waren zum Bersten voll. Dann stürzte der Ölpreis wieder auf 55 Dollar ab. Aber immer noch besser, als das Zocken mit Grundnahrungsmittel, dass sich Millionen von Menschen nicht mal mehr eine Hand voll Reis leisten können.
Warum verbietet man nicht weltweit das Zocken auf Energie, Rohöl und Grundnahrungsmittel?
Oder wartet man erst darauf, bis das Fass übergelaufen ist, bis sich die Wut und der Zorn der Bürger in einem weltweitem Aufstand entlädt? Vor allem in den USA ein Spiel mit dem Feuer.
Die drei größten US-Autohersteller hatten nach ihrem Absturz in den Krisenjahren 2008 und 2009 im vergangenen Jahr erstmals wieder zugelegt und verlorene Marktanteile von den asiatischen Rivalen zurückgewonnen. Dieser Aufstieg könnte nun 2011 abrupt gestoppt werden - noch bevor er richtig begonnen hat.
Mit der wirtschaftlichen Erholung in den USA, die gerade erst einsetzt, steigt auch die Nachfrage nach Treibstoff und Öl wieder an und mit ihr der Preis. Eine Gallone Benzin kostet nun erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise nach Berechnungen der Energiebehörde EIA wieder über 3 Dollar und damit rund 80 Prozent mehr als Ende 2008. Für 2011 rechnen Branchenbeobachter mit einem weiteren Anstieg, denn der Bedarf würde deutlich stärker wachsen als die Produktion. Die EIA rechnet in ihrer Prognose mit einem durchschnittlichen Spritpreisanstieg um weitere 7,4 Prozent.
Deutlich weiter geht der frühere Präsident des Ölkonzerns
Shell, John Hofmeister: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird der Preis bis Ende 2012 auf 5 Dollar pro Gallone steigen", rechnete er vor wenigen Tagen vor. "Das ist wie ein Hurrikan, den wir kommen sehen, aber nicht stoppen können." Hofmeister, der inzwischen als Lobbyist für die Energiekonzerne arbeitet und nachdrücklich den Ausbau der Ölförderung vor den US-Küsten fordert, schickte damit ein Warnsignal an die Autobauer - vor allem nach Detroit.
Denn das Wachstum der "Großen Drei" wurde zuletzt vor allem getrieben durch den Absatz großer Fahrzeuge mit hohem Verbrauch: Schwere SUVs und Pickup-Trucks, die sich 2008 kaum noch verkaufen ließen, erfreuten sich 2010 wieder steigender Beliebtheit.
Für
GM,
Ford und Chrysler ist dieses Segment von überragender Bedeutung, denn hier dominieren sie noch immer den heimischen Markt und verdienen zugleich ihre höchsten Margen. "Ein Benzinpreis zwischen 3 und 4 Dollar ist gerade noch erträglich", sagte ein GM-Sprecher. Spätestens bei 4 Dollar aber würden die Kunden umdenken.
Wegen ihres hohen Verbrauchs sind SUVs und Pickup-Trucks besonders anfällig für steigende Benzinpreise. Schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise brach der Absatz in diesem Segment ein, als der Preis im Frühjahr 2008 erstmals über 4 Dollar pro Gallone stieg. Zugleich wuchs die Nachfrage nach Hybrid-Fahrzeugen und sparsamen Kleinwagen - ein Trend, von dem vor allem die asiatischen Hersteller profitieren konnten. Diese Entwicklung, könnte sich nun 2011 wiederholen.
Neben der Autoindustrie steht und fällt die Erholung der gesamten US-Wirtschaft mit billigem Benzin. "Ein niedriger Spritpreis ist wie ein Aufputschmittel für die Ökonomie", sagte Paul Seredynski vom Marktanalysedienst Edmunds. "Die Leute fühlen sich besser, sie sind mobiler und kaufen mehr ein." Den jüngsten Preisanstieg an der Zapfsäule bezeichnete Seredynski als sehr ungewöhnlich: "Normalerweise liegen die Benzinpreise am Jahresende besonders niedrig", sagte er. Anzeichen für eine Trendwende kann er nicht erkennen.
Quelle: ftd
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