30.06.2010
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Daimler in Sindelfingen: Die Zulieferer kommen mit neuen Teilen kaum nach.
Daimler in Sindelfingen: Die Zulieferer kommen mit neuen Teilen kaum nach.
Foto: dpa-PA

Arbeitskräftemangel

Mit diesem Autoboom hat niemand gerechnet

von Heimo Fischer (Stuttgart), Annette Berger und Margret Hucko (Hamburg)

Kaum aus der Krise, kommen die deutschen Hersteller an ihre Kapazitätsgrenzen. Sonderschichten reichen nicht mehr. Jetzt werden sogar wieder viele Mitarbeiter gesucht, zeigt eine Studie. Dabei sang man jüngst in der Branche noch den Blues.

Nach einem Jahr des Personalabbaus sucht die deutsche Automobilbranche händeringend Fachkräfte. Laut einer Studie des Personaldienstleisters Adecco stieg die Zahl der öffentlich ausgeschriebenen Stellen im Kraftfahrzeugbau und -handel zwischen Januar und Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 2210. Gesucht werden vor allen Dingen Ingenieure, aber auch Handwerker und Facharbeiter.

Die Zahlen sind ein weiterer Hinweis darauf, dass der plötzliche Anstieg der Nachfrage die Autobranche vor Kapazitätsprobleme stellt. Vor allem das Geschäft von Premiumherstellern wie Daimler, BMW und der VW-Tochter Audi profitiert vom niedrigen Euro-Kurs und einem überraschend starken Kaufinteresse aus den USA sowie aus China. In dem asiatischen Land bevorzugt die neue Oberschicht teure Autos aus Deutschland.

Die Gesellschaft Adecco mit Hauptsitz in der Schweiz wertet regelmäßig Stellenanzeigen in 40 deutschen Printmedien aus und fasst sie in einem Index zusammen, der der FTD exklusiv vorliegt. Danach hat sich im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der von Autofirmen gesuchten Betriebswirte und Ingenieure hierzulande in den ersten fünf Monaten um 76 Prozent auf 427 erhöht.

Auch das Angebot für Karrosseriebauer, Mechaniker, Dreher und Schweißer legte erheblich zu. Der Index ist repräsentativ für Deutschland. Erfasst werden pro Jahr über alle Branchen Hunderttausende Jobangebote, 2008 waren es rund eine halbe Million Offerten, danach sank die Zahl der Inserate aufgrund der Wirtschaftskrise.

Ein Sprecher von BMW bestätigte, dass die Auftragslage besser sei als erwartet. Am Standort Dingolfing würden Zusatzschichten gefahren, dort gab es bis vor einiger Zeit noch Kurzarbeit. Im Leipziger BMW-Werk soll ab August jeden Samstag gearbeitet werden. Dort wird der kleine Geländewagen X 1 gebaut.

Gefunden bei
www.ftd.de

Probleme machen dem Münchner Hersteller auch die Zulieferer. Sie können die geforderten Komponenten nur mit Mühe liefern. "Wir leben von der Hand in den Mund", so der Sprecher. BMW hat bereits wieder 5000 Leiharbeiter unter Vertrag.


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